Trinkwasseruntersuchung

Mühlenbacher Bauern ärgern sich über neue Verordnung

Autor: 
Anke Kaspar
Lesezeit 3 Minuten
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23. April 2019

BLHV-Kreisverbandsvorsitzende Ulrich Müller informierte beim Bauerntreff in Mühlenbach über die Trinkwasserverordnung. ©Anke Kaspar

Die Landwirte im Schwarzwald haben immer mehr mit Bürokratie zu kämpfen. Gerade die Trinkwasseruntersuchung von eigenen Quellen erhitzt derzeit die Gemüter. Dieses Thema wurde nun im zweiten Bauerntreff der Gemeinde Mühlenbach besprochen.

Auf die Landwirte  kommt eine umfangreiche Untersuchung des Eigenwassers zu, vor allem wenn sie vermieten. Daher hat Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner dieses Thema auf die Agenda des zweiten Bauerntreffs gesetzt. Das Interesse war so groß, dass die Stühle im Sitzungssaal des Rathauses nicht reichten. BLHV-Kreisverbandsvorsitzende Ulrich Müller gab dort Infos. 

Einige Bauern ärgert vor allem die Kosten der vorgeschriebenen Untersuchungen. Normalerweise ist laut Wössner die Gemeinde bei den Untersuchungen, zu denen die Landwirte verpflichtet sind, außen vor. Die Gemeindeverwaltung sei jedoch vor allem organisatorisch freiwillig unterstützend tätig.  »Wir versuchen mit Sammeluntersuchungen bessere Preise bei den Laboren zu erzielen«, sagte Wössner. 

Bürgen, um zu sparen

»Es gibt jetzt ein Bundesgesetz, alle drei Jahre müssen große Untersuchungen mit 49 Parametern durchgeführt werden, ansonsten jährlich eine kleine«, betonte Müller. »Aus der Nummer kommen wir nicht mehr heraus.« Die Laborkosten der großen Untersuchung würden je nach Labor auf rund 400 Euro geschätzt.

Eine Alternative sei die Zusammenarbeit mit einem Geologen und dann ein fünfjähriger Untersuchungsrhytmus. Hier könne man die Kosten für die geologischen Gutachten kaum vorher abschätzen. 

Sparen könnten die Landwirte, wenn sie schriftlich dafür bürgen, dass ihre Quelle im Wald liege und das Wasser nicht mit Pflanzenschutzmitteln in Kontakt gekommen sei. Wer jedoch in der Direktvermarktung stehe und mit dem Tourismus verbunden sei, sollte die Untersuchung vielleicht lieber machen,  meint Müller. Jeder müsse sich im Klaren sein, wenn aufgrund der Käfersituation Polder gespritzt werde, könne man sich diese Untersuchung nicht sparen. 

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Vor Gericht ziehen

Die Bauern wollten wissen, wie viele Proben bisher auffällig waren. Sie sind sich sicher, dass das Wasser in Ordnung ist, und sie verstehen nicht, dass sie für ihr »besseres Quellwasser« extra Geld für Tests ausgeben müssen. Sie konnten es auch nicht nachvollziehen, dass ihr Wasser auf dem Bauernhof am Wasserhahn getestet wird.

Bei Bürgern im Dorf, die an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind, wäre das nicht so. Hier werde am Wasserreservoir getestet. Von dort aus bis zum Wasserhahn könnte schließlich viel passieren. Außerdem werde die Quelle selbst zusätzlich noch beurteilt. Es entstünden also noch weitere Kosten. 

Von einem Redner wurde sogar gefordert, dass der BLHV vor das Verfassungsgericht zieht und gegen das Gesetz vorgeht. Ein Landwirt fand deutliche Worte: »Wir können nicht jeden Mist akzeptieren, dann schließen wir eben an die Wasserversorgung der Gemeinde an«. Das Leben mit einem Wasseranschluss bei der Gemeinde sei ohnehin viel einfacher und die Versorgung sei auch bei langer Trockenheit gesichert. 

Mit vereinten Kräften

Wössner betonte, dass man versuchen müsse, genau wie bei der Forstreform mit geballter Kraft zu kämpfen. Sie versprach, die Bedenken der Bauern beim Raumschaftstreffen mit den Bürgermeistern anzubringen, zusammen mit dem BLHV und vielleicht auch Landtags- und Bundestagsabgeordneten könne man mehr erreichen, als wenn ein Einzelner versucht, sich zu wehren. 

Ulrich Müller hofft, dass wenn 2019 alle Werte gut sind, dass es dann künftig Erleichterungen geben könnte. 

Stichwort

Trinkwasserverordnung

Die Beschaffenheit des Trinkwassers sind in einer Trinkwasserverordnung geregelt. »Diese Vorschrift setzt die europaweit gültigen Standards der Trinkwasser-Richtline für Deutschland um«, informiert das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden-Württemberg. Dafür, dass die Bewohner der Städte und Gemeinden sauberes Trinkwasser zur Verfügung haben, sind in der Regel die Kommunen zuständig. Vor allem im Schwarzwald und in Oberschwaben gibt es aber auch Bürger mit Eigenwasserversorgung. 0,4 Prozent der Bevölkerung beziehen demnach ihr Wasser aus eigenen Quellen, die zu etwa die Hälfte des Wassers wird aus Grundwasser bezogen, 30 Prozent stammen aus Oberflächenwasser und der Rest vor allem aus Quellwasser. 

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