Trachtenkapellen-Konzert am Samstag

Mühlenbacher Dirigent: »Die Entwicklung ist extrem«

Autor: 
Fragen von Maria Benz
Lesezeit 6 Minuten
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14. März 2018

Vorsitzender Bruno Brucker (links) und Dirigent Jürgen Brucker verrieten, welche Entwicklung die Trachtenkapelle Mühlenbach in den vergangenen Jahrzehnten genommen hat. ©Maria Benz

Die Trachtenkapelle Mühlenbach gibt am Samstag das 20. Jahreskonzert unter ihrem Dirigenten Jürgen Brucker. Im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt blickten der musikalische Leiter und der Vorsitzende Bruno Brucker zurück auf die vergangenen beiden Jahrzehnte.

Sie kommen aus der Mühlenbacher Musikerfamilie schlechthin – war Ihr Weg da schon vorgezeichnet?

Jürgen Brucker: Ja, klar. Schon als ich ganz klein war, bin ich mit meinem Vater mitgegangen und durfte neben ihm sitzen. Zunächst habe ich im Haslacher Akkordeonorchester gespielt – die haben früher mit der Jungmusikerausbildung angefangen. Als ich zwölf Jahre alt war, ging es in der Trachtenkapelle mit der Ausbildung los. 

Bruno Brucker: 1976 sind wir beide in die Kapelle eingetreten. Die Ausbildung dauerte gut fünf Jahre. Wir waren übrigens die ersten in der Trachtenkapelle, die das bronzene Jungmusikerleistungsabzeichen damals abgelegt haben. 

War damals schon klar, dass Sie einmal Dirigent werden wollen?

Jürgen Brucker: Nein, ich habe aber früh Registerproben übernommen sowie etwas später auch die Tanzmusikabteilung. Nach den Konzerten ist damals noch Tanzmusik gespielt worden. Als der bisherige Dirigent Paul Neumaier dann nach mehr als 40 Jahren aufgehört hat, wurde ich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte.  Ich habe mich dann intensiv mit dieser Frage beschäftigt, das Ergebnis kennt man ja.
Hat sich die Arbeit des Dirigenten in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Jürgen Brucker: Ja, die hat sich sehr verändert. Die Entwicklung ist ganz extrem. Mein Vorgänger musste die Noten teilweise noch umschreiben – es gab einfach noch nicht so viele Stücke. Es gab viele Märsche und Polkas und selbst bei denen musste er noch Stimme hinzuschreiben. In den letzten Jahren wurde man mit Musikstücken aller Richtungen regelrecht überschwemmt. Zwischenzeitlich gibt’s fast alles im Bereich der Blasmusik. Ob es gut klingt oder nicht scheint keine Rolle zu spielen. Der Kommerz hielt starken Einzug. 

Stichwort Gema – ist es für Musikvereine schwieriger geworden, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen?

Bruno Brucker: Es wird für Vereine allgemein immer schwieriger, die ganzen Vorschriften und Gesetze einzuhalten – egal für welchen Verein. Das Thema Gema spielt da natürlich auch mit rein. Wehe, man vergisst einmal, etwas anzumelden. . . Da kann man schon richtig Ärger bekommen. 

Wie ist es bei Ihnen um den Nachwuchs bestellt?

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Jürgen Brucker: Aktuell haben wir hier noch keine Probleme. Die heutige Ausbildung erfolgt über die Musikschule und dauert etwa fünf bis sechs Jahre. Leider gehen danach im Laufe der Jahre viele junge Musiker studieren und sind dann oft erstmal weg. Dadurch ändert sich auch die Einstellung zu einem Verein. Viele sind automatisch nicht mehr ganz so stark gebunden wie früher. In dieser Hinsicht ändert sich auch die Aufgabe des Dirigenten. Mit der Einstellung »nur das Beste zählt« kommt man nicht mehr weiter. Jeder Verein ist froh, wenn er die Mitglieder, die er ausgebildet hat, auch halten kann. Man muss oftmals eher Psychologe sein in alle Richtungen. 

Bruno Brucker: Wie gesagt,  es gehen viele jungen Leute heute studieren oder nehmen eine Auszeit und gehen ins Ausland. Die Frage ist dann – kommen sie wieder oder bleiben sie weg? Wir haben immer noch einen guten Nachwuchs, aber der große Boom, den es vor zehn bis 15 Jahren mal gab, der ist vorbei. Wir bieten ja bereits Flötenunterricht für ganz kleine Kinder an. Das hat sich in den letzten Jahr sehr bewährt. Denn so lernen sie schon mal ein Instrument zum Einstieg, sowie die ersten Noten und man sieht, ob es ihnen liegt. Diejenigen, die Spaß haben, bleiben oft dabei und lernen danach ein Instrument.

Jürgen Brucker: Noch können wir uns aber nicht beklagen. Wir sind aktuell 70 aktive Musiker plus Dirigent. Allerdings merken wir schon, dass es bei bestimmten Instrumenten schwierig wird. Vor einigen Jahren hatten wir vier Tubisten, heute sind es noch zwei.

Dürfen sich die Jungmusiker ihre Instrumente selbst aussuchen oder müssen sie lernen, was gerade gebraucht wird?
Bruno Brucker: Die Wünsche der Kinder werden als erstes berücksichtigt. Wenn aber jemand nicht so genau weiß, was er will, schauen wir schon, dass es sich etwas verteilt.

Gibt es ein Instrument, das besonders beliebt ist?
Jürgen Brucker: Das hat sich auch ein bisschen geändert. Früher wollten die Jungs vor allem Trompete spielen, die Mädchen Querflöte oder Klarinette. Inzwischen sieht man die Mädchen aber an allen Instrumenten und auch bei den Jungs ist nicht mehr nur Trompete an erster Stelle. 

Worin liegt die größte Herausforderung für den Dirigenten?

Jürgen Brucker: Die größte Herausforderung liegt darin, »den Laden zusammenzuhalten«. Das schwierigste war und ist für mich, im Vorfeld eines Konzerts die Stücke herauszusuchen. Dafür brauche ich immer viel mehr Zeit,  als hinterher mit den Musikern die Stücke einzustudieren. Die Stücke sollen den Musikern ja Spaß machen und den Zuhörer nicht überfordern. Von dem her hatte ich es in diesem Jahr etwas einfacher, indem ich gesagt habe, wir nehmen zum 20. Jahreskonzert Höhepunkte der vergangenen Jahre.

Was erwartet die Besucher am Samstag?
Jürgen Brucker: Es gibt wenige konzertante Stücke, schwere Musik, sondern es geht etwas mehr in die Unterhaltung rein – zum Zuhören, Zuschauen und Erleben. Es gibt  Gesangseinlagen, gute Soli (Saxophon, Gitarre und Schlagzeug) und ab und an wird uns ein Keyboarder begleiten. Es wird richtig abwechslungsreich und es ist für jeden etwas dabei.  

Wenn Ihr Vorgänger mehr als 40 Jahr Dirigent war, dann haben Sie ja noch einige Jahre vor sich?
Jürgen Brucker: Nein – anfangs habe ich gesagt zehn Jahre, wenn es gut läuft 15 Jahre und alles weitere ist Zugabe. Ich habe mir ein Limit gesetzt und darüber werde ich auch zu gegebener Zeit den Vorstand und die Kapelle informieren. Die meiste Zeit werd ich’s gewesen sein – egal ob Dirigent, Musiker oder Sportler. Man sollte erkennen, wann es Zeit ist, um aufzuhören.

Und dann kommen Sie als aktiver Musiker zurück?
Jürgen Brucker: Ja, das würde ich machen wie mein Vorgänger und mich hinten rein setzen. Nichts kritisieren oder so – einfach Musik machen. 

  • Die Trachtenkapelle Mühlenbach spielt ihr Jahreskonzert am Samstag, 17. März, um 20 Uhr in der Gemeindehalle. 

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