Hornberg

Nach 14 Regiejahren ist Schluss

Autor: 
Petra Epting
Lesezeit 4 Minuten
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13. März 2015

Das ist die ganz spezielle Hornberger Storenwald-Ariella (Melissa Storz), gemalt von Jose Manuel Schloss in Angelika Rapps Auftrag. ©Angelika Rapp

»Es war einmal«: Mit diesen Worten wird das diesjährige Märchen von »Arielle« im Storenwald enden – und das gilt dann nach der letzten Aufführung ebenso für die Spielleiterin Angelika Rapp, die die Leitung an Gilia Skop übergeben wird.

Die Vorbereitungen bei den Märchenspielern des Historischen Vereins Hornberg sind in vollem Gang. Ganz aktuell kam jetzt der Vertrag über die Gestattung der Aufführung eines »Fremdsongs«. So heißt es, wenn ein Lied, das nicht für das aufgeführte Märchen geschrieben ist, gesungen wird. Es stammt aus der Feder von Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth, die auch die Lieder für den »Räuber Hotzenplotz« komponiert und getextet haben.

»Untermalt von einer ins Ohr gehenden, beschwingten Melodie kann ich dann nach jeder Vorstellung auch für mich singen: Es war einmal«, sagt Spielleiterin Angelika Rapp. Sie blickt am 26. Juli 2015 auf 14 Jahre Märchenregie zurück. »14 Jahre lang haben mich Märchen über das Jahr begleitet. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich, um in jeder Saison das für unsere Spieler und unsere Bühne geeignetste Spiel zu finden, in diesem Zeitraum an die 250 Rollenbücher gelesen habe. Wenn ich Theatertexte lese, entstehen in meinem Kopf sofort Bilder und ich höre die Stimmen der Figuren, im Idealfall sind es die unserer Spieler«.

Mit »Peter Pan« erfüllte sie sich 2010 selbst  einen Traum. Und da sie das Rollenbuch nach dem englischen Original selbst schrieb, blieb das Geld, das sonst an Theaterverlage gezahlt wird (10 bis 12 Prozent pro Eintrittskarte) für den Bau der »Jolly Roger«, dem Piratenschiff von Käpt'n Hook. »Mit Wendy und ihren beiden Brüdern John und Michael konnte ich in die Welt der Fantasie fliegen, um so neu gestärkt in der Realität zu landen. Pippi Langstrumpf (2013) wurde mir erst, als sie in mein Leben sprang, zur Freundin. Sie ist es auch jetzt zwei Jahre später noch, und das Buch 'Das Pippilotta Prinzip' hat meine Lebenseinstellung beeinflusst«.

Fast zu jedem Stück hatte und hat Angelika Rapp eine »besondere Beziehung«. So ist ihr auch Pinocchio (2006) ein Freund aus Kindertagen. Und warum nun Arielle? »Als im vergangenen Jahr ganz Hornberg zu Fasnacht abtauchte, habe ich im Kindergarten die Geschichte der kleinen Meerjungfrau erzählt. Und es war ein Junge, von dem der Tipp kam: »Das müsst ihr mal auf der Freilichtbühne spielen!« In meinem Kopf spukte aber zu dem Zeitpunkt Michel, der Lausejunge aus Lönneberga, herum. Doch bei Michel hätten unsere Kinder und Jugendlichen, nachdem sie 2014 mehrheitlich als Bäume im Räuberwald standen, in recht eintöniger Kleidung die bäuerliche Bevölkerung von Lönneberga darstellen müssen«, berichtet sie.

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Bei Arielle hingegen tragen die 20 Kinder und zehn Jugendlichen fantasievolle Kostüme der Meeresbewohner und dürfen fast alle ein paar Sätzchen sprechen. Auch für die 26 erwachsenen Darsteller gibt es interessante Rollen. Melissa Storz und Julia Presti werden die Arielle, die aus urheberrechtlichen Gründen Ariella heißt, spielen. Die beiden dürfen sich zum ersten Mal auf der Storenwald-Bühne verlieben. Als Prinzen erleben die Zuschauer Alexander Gotthans, inzwischen ausgebildeter Musicaldarsteller, und Marvin Polomski, ebenfalls kein Unbekannter. Und nein, die Bühne wird nicht geflutet. Das Meer wird durch Stoff symbolisiert und bewegt von Wellenkindern, die blaue Morphsuits tragen.

Liebe zu Handpuppen

Reizen würde es Angelika Rapp schon noch Figuren wie  Urmel, Wickie, Michel, Jim Knopf oder Schneewittchen lebendig werden zu lassen. Doch,  »Es war einmal…«, heißt es in allem was wir im Leben tun«, sagt sie und wird dem Storenwald als beratende Souffleuse erhalten bleiben. »Die Zukunft gehört denen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben«, zitiert sie  die Amerikanerin Eleanor Roosevelt.

Und mit was beschäftigt sich eine Angelika Rapp künftig? »Ich habe von Kindheit an eine große Liebe zu Handpuppen. Mein Traum ist es, sie zum Sprechen zu bringen. Deshalb werde ich erst einmal einen Bauchrednerkurs besuchen. Und, wenn Gott mir die Kraft dazu schenkt und Mitspieler zeigt, möchte ich mit Puppen biblische Geschichten erzählen«.

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