Kinzigtal

Nachfrage größer als Angebot

Autor: 
Maria Benz
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30. Dezember 2013
In der Zeit nach Weihnachten wird im Privatwald traditionell viel Holz eingeschlagen. Die Preise sollen im Januar nochmal steigen und Waldbesitzer können bereits jetzt von den neuen Konditionen profitieren.

In der Zeit nach Weihnachten wird im Privatwald traditionell viel Holz eingeschlagen. Die Preise sollen im Januar nochmal steigen und Waldbesitzer können bereits jetzt von den neuen Konditionen profitieren. ©Andreas Buchta

Sägewerke hatten in diesem Jahr damit zu kämpfen, an genügend Stammholz zu kommen. Vor allem die Versorgung aus dem Privatwald habe gestockt, berichtet der Geschäftsführer des Sägewerks Streit Klaus Henne. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Mittleres Kinzigtal. Holz ist gefragt. Die Rundholzpreise haben sich innerhalb des vergangenen Jahrzehnts fast verdoppelt. »Schlagen Sie Holz ein«, wird den Waldbesitzern deshalb schon seit Jahren in fast jeder Sitzung der verschiedenen Forstgemeinschaften empfohlen. Ein Grund ist, dass die Sägewerke in der Region Probleme hatten, an genügend Holz zu kommen, um ihre Produktion am Laufen zu halten. »Ab Oktober/November ist eine Situation eingetreten, wie ich sie in dieser Deutlichkeit noch nie erlebt habe«, schildert Joachim Prinzbach, Geschäftsführender Vorstand der Fortwirtschaftlichen Vereinigung Schwarzwald (FVS). Über alle Sortimente sei die Nachfrage sehr gut.

Normalerweise beruhige sich die Situation im Dezember etwas, doch nach wie vor seien die Preise auf hohem Niveau. »Ich gehe davon aus, dass die Preise im Januar nochmal in einer Größenordnung von fünf Prozent steigen werden«, so Prinzbach. Holz, das »zwischen den Jahren« eingeschlagen wird, werde bereits zu den neuen Konditionen vermarktet.

Das Sägewerk Streit in Hausach hat die Situation teilweise durch Holz aus dem Elsass kompensiert. »Aber aus ökologischer Sicht ist das absoluter Schwachsinn«, betont der Geschäftsführer Klaus Henne. Schließlich gebe es eigentlich genug Holz vor Ort.  Dass es zu Lieferengpässen gekommen ist, liege zum einen am langen Winter. Das meiste Holz werde traditionell im Winterhalbjahr eingeschlagen. Im Sommer seien die Landwirte eher auf den Feldern und mit der Heuernte beschäftigt. »Die Gemeinden und der Staatsforst haben ihre Verträge erfüllt. Aber wir brauchen auch unbedingt eine kontinuierliche Versorgung aus dem Privatwald. Das hat in diesem Jahr gestockt«, schildert Henne.

Spekulative Gründe

Ein weiterer Grund sei, dass die Besitzer ihren Wald oft als Sparkasse betrachten. Derzeit seien die Zinsen so niedrig, dass der Wald allein durch den Zuwachs eine größere Rendite bringe, als wenn das Geld auf dem Sparkonto liege. Einige Waldbesitzer hätten auch darauf spekuliert, dass die Holzpreise noch weiter steigen.

Schließlich macht er auch den Umbau der Wälder für die Problematik verantwortlich. Gerade nach Sturm Lothar sei die Umstrukturierung von Nadelholz zu Buche sogar finanziell gefördert worden. Nach 15 Jahren könne bereits Schliffholz geerntet werden – und in diesem Sektor mache sich der Umbau schon bemerkbar. »Da muss man schon überlegen, ob das die richtige Beratung ist«, gibt er zu Bedenken. Als Nutzholz sei die Buche derzeit überhaupt nicht gefragt. »Ich verstehe nicht, warum die Fichte so totgesagt wird. Sie ist der Baum, der neben der Tanne im Schwarzwald die Erträge sichert«, betont Henne. Er ist sich sicher, dass sich auch diese Baumarten dem Klimawandel anpassen können.

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Silke Lanninger, Leiterin des Amts für Waldwirtschaft in Wolfach, bestätigt, dass nach Lothar der Laubholzanteil erhöht wurde. »Ziel war, gesunde Mischbestände zu bekommen«, erklärt sie. Oft sei das Laubholz durch Naturverjüngung ganz von allein auf den Flächen aufgegangen. Wenn das Amt für Waldwirtschaft Waldbesitzer berate, dann seien die Empfehlungen immer auf den Einzelbetrieb zugeschnitten. Zwar stimme es, dass der Laubholzanteil von der EU gefördert wird, doch »in unserer Region stehen die Fichten an den meisten Standorten stabil und manchmal ist es auch sinnvoll, auf Zuschüsse zu verzichten«, betont sie.

Ein wirtschaftlicher Aspekt sei allerdings immer auch, einen stabilen Bestand zu bekommen, um das Risiko von Sturmschäden zu minimieren. »Ich würde deshalb immer raten, auf zwei bis drei Baumarten zu setzen – es gibt aber auch stabile Nadelholz-Mischwälder«, schildert sie. Eine solche Bewirtschaftung sei sowohl ökologisch als auch aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

 

HINTERGRUND

Angebote der FVS

Die FVS bietet ihren Mitgliedern in Kooperation mit regionalen Unternehmen Angebote zur Waldbewirtschaftung an. Denn immer mehr Waldbesitzer können oder wollen ihre Flächen nicht mehr selbst bewirtschaften. Für solche Fälle bietet die FVS gemeinsam mit den Revierleitern auch Waldpflegeverträge an. Weitere Aufgaben der FVS sind die Produktion und Vermarktung von Hackschnitzeln in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern sowie die Lieferung von Brennholz.

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