Kinzigtal bei Nacht (11)

Maloche an den Pressen der Gutacher Firma Schondelmaier

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
30. August 2017

(Bild 1/2) Jeder Handgriff sitzt: Wioleta Wiechowska tauscht die gefüllte Materialbox gegen eine leere aus. »Eine leichte Arbeit, macht keine Probleme«, findet sie. Und die Nachtschicht ist ihr viel lieber als die Spätschicht. ©Claudia Ramsteiner

Sie arbeiten, wenn andere schlafen: Manche im Krankenhaus oder Pflegeheim, bei der Tunnelwartung, an der Maschine oder beim Zeitungen austragen. In einer neuen Serie stellen wir den nächtlichen Arbeitstag einiger Kinzigtäler und ihre persönlichen Erfahrungen vor.

Die meisten Menschen schlafen nachts. Einige arbeiten, wenn andere schlafen. Die Nachtschichtler der Firma Schondelmaier Presswerk in Gutach malochen. Draußen eine laue Sommernacht, die Gutach plätschert leise vor sich hin – und jenseits der schalldichten Tür eine Welt aus Hitze und Lärm. Fenster und Türen müssen geschlossen bleiben, um den Schlaf der Anwohner nicht zu stören.

Sven Jahn bedient eine der großen Pressen. »Die macht hier die meisten Stückzahlen«, ruft er mir zu. Nicht nur das Stampfen der Maschinen und das Klirren der Teile, die von einem Band in die dafür bereitgestellten Boxen fallen, erschweren die Unterhaltung. Der 47-Jährige hat auch keine Zeit für einen gemütlichen Schwatz: Seine Maschine gibt ihm den Takt vor. Sitzverstellungen für Rückenlehnen von Autositzen fallen eine nach der anderen in die Gitterbox.

Immer wieder Qualität kontrollieren

Rohmaterial einfüllen, Einstellungen prüfen, verpacken, neue Boxen mit Kunststoff auskleiden und bereitstellen, am Computer die Charge wechseln – und immer wieder die Qualität kontrollieren. Von 21 Uhr abends bis fünf Uhr morgens mit einer halben Stunde Pause von 1 bis 1.30 Uhr. Sven Jahn lebt allein, er hat keine Familie, auf die er oder die auf ihn Rücksicht nehmen muss. Deshalb schiebt er jetzt während der Urlaubszeit auch mehrere Wochen Nachtschicht hintereinander. Wenn er morgens heimkommt, entspannt er sich erst einmal bei zwei Flaschen Bier. So gegen acht, neun Uhr geht’s dann ins Bett bis zum Nachmittag.

»Wenn alle an jeder Maschine arbeiten können, lassen sich Krankenstand und Urlaub besser überbrücken«

Der Wahl-Gutacher, seit 17,5 Jahren bei Schondelmaier, arbeitet nicht immer an dieser Maschine, Flexibilität ist Trumpf in der Presserei. Eine Viertelstunde vor Schichtbeginn teilt der Schichtführer seine Leute ein. »Wenn alle an jeder Maschine arbeiten können, lassen sich Krankenstand und Urlaub viel besser überbrücken«, erklärt Armin Grüttner, der Leiter der Presserei. 

Einen Gang weiter fährt Wioleta Wiechowska eine volle Kiste mit Ringrohlingen zur Seite und schiebt eine neue unter ihre Maschine. Sie begrüßt ihren Chef mit einer kurzen, herzlichen Umarmung. Die Polin ist eine von vier Frauen unter 63 Männern in der Presserei. »Wir verbringen die meiste Zeit in der Firma, und das ist nicht gerade ein prickelnder Arbeitsplatz in einem klinischen Reinraum, das wird zur Hölle, wenn es menschlich nicht funktioniert«, sagt Grüttner. Die Harmonie untereinander »hält uns am Leben«. Hier sind alle per Du – auch mit dem Chef: »Ein Geben und Nehmen.«

- Anzeige -

Familienunternehmen heißt bei Schondelmaier nicht nur, dass der Chef vor Ort auch wirklich das Sagen hat – und nicht eine internationale Heuschrecke. Es heißt auch, dass sich die Mitarbeiter als Familie begreifen. Wioleta Wiechowska ist nun drei Jahre hier. Sie hat in Polen Verkäuferin gelernt, eine Freundin hat ihr hier im Schwarzwald Arbeit gefunden – zunächst in einer Leihfirma, über diese kam sie zu Schondelmaier.

»Je älter man wird, umso schwieriger wird es mit der Umstellung im Dreischichtbetrieb«

Gerade hat sie erfahren, dass sie nun fest übernommen wird. Auch sie lebt allein in Hornberg, arbeitet drei Schichten und hat keine Probleme mit dem Nachtdienst. »Arbeiten ist kein Problem. Schlafen ist auch kein Problem.« Alles eben zu seiner Zeit. 

Das sieht Jürgen Vogt etwas anders. »Je älter man wird, umso schwieriger wird es mit der Umstellung im Dreischichtbetrieb«, sagt der 44-Jährige, der sich gerade in einer Anlernphase an der neuen, der größten Presse im Betrieb, befindet. Antriebswellenrohlinge werden hier im Sekundentakt ausgestoßen. Die Automobilindustrie ist der größte Abnehmer von Schondelmaier.

Auch Jürgen Vogt lebt allein – es ist aber Zufall, dass für unsere Serie »Kinzigtal bei Nacht« gerade drei Singles zu ihrer Arbeit befragt werden. Selbstverständlich gibt es auch Familienväter und -mütter in der Nachtschicht. »Das ist ein richtig harter Job«, weiß Grüttner aus eigener Erfahrung. »Die 30 Prozent Aufschlag sind echt verdient.« Er arbeitet inzwischen »normale« Schicht und ist heute Nacht nur gekommen, weil der Chef im Urlaub ist und jemand die Frau vom OT durch die Firma führen muss.

»Die Arbeit an der Presse ist alles andere als ein langweiliger Job. Da kann so viel passieren . . .«

Auf den ersten Blick gleicht Jürgen Vogts Arbeit der an allen anderen Maschinen: Teile befüllen, Teile wegfahren, Werkzeug wechseln, prüfen. Ein langweiliger Job? Der Hausacher lacht: »Alles andere als das. Da kann so viel passieren . . .«. 
Was so alles passiert ist oder noch passieren könnte, ist dann Thema bei der Übergabe am nächsten Morgen. Probleme und Mucken der Maschinen werden besprochen. Die müssen 24 Stunden ununterbrochen weiterlaufen, damit sie ihre Investition wieder reinholen. Die Menschen, die daran arbeiten, haben nach acht Stunden ihren Feierabend verdient. Und ihren Feiermorgen erst recht.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Floßmeister Thomas Kipp (Zweiter von links) und seine Mitstreiter ließen ihr Rheinfloß bei Steinmauern für den behördlich überwachten Testlauf zu Wasser. Nach bestandener Prüfung läuft nun die Vorbereitung für das eigentliche Projekt.
vor 1 Stunde
Schiltach
406 Kilometer über den Rhein: Das ehrgeizige Projekt der Schiltacher Flößer ist einen entscheidenden Schritt näher – denn die Fluss-Testfahrt unter strengen Behörden-Augen ist bestanden.
Der Spielplatz der Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Schapbach bei der Otmarhütte auf dem Kupferberg wurde mit Hackschnitzeln neu bestückt.
vor 3 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
Die Schwarzwaldvereins-Ortsgruppe Schapbach wandert wieder. Dies teilte Vorsitzender Josef Oehler in der jüngsten Vorstandssitzung mit. Darin ging es um die Terminplanung der nächsten Monate nach den Corona-Lockerungen im Kreis Freudenstadt.
Das erste Floß ging laut Aufzeichnungen im Jahr 1336, das letzte Floß anno 1896 die Kinzig abwärts.
vor 3 Stunden
Steinacher Straßennamen (8): Flößerweg
Hinter den Straßennamen auf Stein­acher Gemarkung verbergen sich häufig Hinweise auf bedeutende lokale Persönlichkeiten oder historische Flurnamen. In einer Serie verrät das Offenburger Tageblatt, worauf sie zurückzuführen sind. Heute geht es um den Flößerweg.
Inzwischen ist die Musikschule auch im Haus der Musik wieder komplett im Präsenzunterricht.
vor 10 Stunden
Bilanz im Gemeinderat gezogen
Die Zweigstelle Haslach der Musikschule Offenburg/Ortenau hat im Gemeinderat ihren Jahresbericht erläutert. In Zeiten von Corona war dabei viel Flexibilität gefragt. Die meisten Schüler hielten die Trreue.
Marvin Polomski, Spielleiter und gleichzeitig Oberhofmeister (Bildmitte), der den Hofstaat auf Trab brachte, durfte am Samstag die ersten Früchte einer so noch die dagewesenen Probenarbeit ernten und wurde vom Publikum gefeiert.
vor 13 Stunden
Hornberg
„Schneewittchen“ feiert in der Freilichtbühne Hornberg Premiere und reißt das Publikum von den Sitzen. Schräge Figuren, witzige Dialoge, Gesang und Tanz prägen die Aufführung.
Die Umleitung des Verkehrs über den Kirchplatz verlief am Samstag ziemlich reibungslos. Die meisten Autofahrer hatten die Baustelle in der Vorstadtstraße mit ihrer Vollsperrung für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen wohl gemieden.
vor 15 Stunden
Wolfach
Für die Arbeiten in der Vorstadtstraße stand am Samstag die erste Vollsperrung der L 96 an. Das von einigen befürchtete Verkehrschaos blieb aus. Doch dafür gab es an der Baustelle ungeplante Herausforderungen.
Das KSV-Führungstrio (von links) Rebecca Kittler (Marketing), Achim Stiffel (Sport) uns Luca Zorzi Finanzen) ist auf der Nachfolgersuche. 
vor 19 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Die außerordentliche Mitgliederversammlung des KSV Haslach brachte am Freitagabend bezüglich der Suche nach Nachfolgern für das amtierende Vorstandstrio keinen Erfolg.
Die Römerbande mit Freunden:
1. Reihe v.l.:Susanne Bächle, Stefan Wagner, Hermann Winterer, Karl-Friedrich Teuchert, Anita Wagner
2. Reihe v.l.: Clemens Bächle, Thomas Teuchert, Zora Ivecic, Uwe Carsten, Monika Bächle, Renate Wagner
3.Reihe v.l.: Wolfgang Janson, Manfred Wagner, Karlheim Tiefenbach, Antonia Kienzler
12.06.2021
Huse fier Riigschmeckte (28)
In den 60er- und 70er-Jahren schlossen sich Hausacher Kinder- und Jugendliche gern zu Banden zusammen, die sich das Städtle zum Spielplatz machten.
Lars Reutter kommentiert.
12.06.2021
Kommentar
Lars Reutter kommentiert die Nicht-Vergabe einer Gewerbefläche im gemeinsamen Gewerbegebeit von Haslach und Steinach.
Wer soll das letzte Gewerbegrundstück im gemeinsamen Gewerbegebiet Weiherdamm/Strickerfeld mit einer Fläche von 5400 Quadratmetern bekommen? Auf diese Frage gibt es aus Haslach und Steinach unterschiedliche Antworten.
12.06.2021
Gewerbegebiet Weiherdamm/Strickerfeld
Für die letzte freie Fläche im Gewerbegebiet Weiherdamm/Strickerfeld interessieren sich mehrere Firmen. Doch keine bekommt sie bisher, da sich die Kommunen nicht einigen können.
Mehrkosten gibt es beim Stadionbau in Haslach.
12.06.2021
Haslach im Kinzigtal
Keine Diskussionen: Der Auftrag für die Sanierung des Haslacher Stadions kostet zwar rund 200 000 Euro mehr als gedacht, aber dieses Plus hielten die Räte eher für erfreulich niedrig.
Ludwig Benz wurde am Mittwoch beigesetzt. 
12.06.2021
Hausach - Einbach
Mehr als 50 Jahre war Ludwig Benz aktiver Musiker. Am Fronleichnamstag ist das Ehrenmitglied der Stadt- und Feuerwehrkapelle Hausach verstorben.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Arbeitgeberversprechen "in good company" wird bei Hubert Burda Media wörtlich genommen. 
    vor 7 Stunden
    Spannende Sales-Jobs: Im Dialog mit den Verbrauchern
    1903 als Druckerei gegründet, gehört Hubert Burda Media heute mit mehr als 1600 Arbeitsplätzen am Standort Offenburg zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region und zählt mit weiteren Standorten zu einem der größten Medien- und Technologieunternehmen Europas.
  • Das Trinationales Filmfestival der Medien Hochschule Offenburg wird live aus dem FORUM Cinema in Offeburg gestreamt.
    12.06.2021
    Filmfestival Hochschule Offenburg – 53 Filme am Start
    Das trinationale studentische Filmfestival SHORTS wird dieses Jahr vom 1. bis 5. Juli live aus den FORUM Cinemas Offenburg gestreamt.
  • Bürstner ist seit über 55 Jahren ein Garant für Qualität und Kompetenz in Sachen Wohnmobile und Wohnwagen.
    11.06.2021
    Bürstner GmbH & Co. KG aus Neumühl: Ein Garant für Qualität
    Seit 55 Jahren sind Bürstner-Wohnwagen ein Synonym für Qualität und unbeschwerten Urlaub. Das beweisen viele Preise. 2021 ist der Wohnmobilhersteller mit dem German Innovation Award „Winner“ ausgezeichnet worden. Das Unternehmen baut seine Produktion aus und stellt ein.
  • Am 11. und 12. Juni bietet die Herrenknecht AG Schülern mit bei den Ausbildungstagen Einblick in rund ein Dutzend Ausbildungsberufe.
    11.06.2021
    Herrenknecht AG in Schwanau sucht junge Talente
    Die Herrenknecht AG - der weltweit agierende Hersteller von Tunnelvortriebsmaschinen, beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter in Schwanau. Auf der Suche nach Nachwuchstalenten veranstaltet das Unternehmen am 11. und 12. Juni zwei Ausbildungstage. Gleich anmelden!