Hausach

Neuer Tekfor-Werkleiter: Warum Teile der Produktion ausgelagert werden

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12. April 2021
Neumayer Tekfor in Hausach hat einen neuen Werkleiter und lagert Teile der Produktion nach Rumänien aus, um "den Standort Hausach als Entwicklungsstandort zu stärken". 

(Bild 1/3) Neumayer Tekfor in Hausach hat einen neuen Werkleiter und lagert Teile der Produktion nach Rumänien aus, um "den Standort Hausach als Entwicklungsstandort zu stärken".  ©Claudia Ramsteiner

Werkleiter Jörg Stoffels ist freigestellt, Nachfolger Frank Schartmann will den Standort Hausach als Entwicklungsstandort ausbauen. Teile der Produktion werden nach Rumänien ausgelagert.

„Wenn hier jemand gehen muss, dann bin ich der erste“, hatte Werkleiter Jörg Stoffels seinen Neumayer-Tekfor-Mitarbeitern gesagt, als mal wieder die Angst umging vor einem neuerlichen Verkauf und den möglicherweise damit verbundenen Entlassungen. Und: „Es ist völlig egal, unter welcher Flagge wir Geld verdienen.“

Am Dienstag vergangener Woche ist seine Prognose eingetroffen: Jörg Stoffels wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt. Er war 23 Jahre bei Neumayer Tekfor, wurde 2004 Produktionsleiter, 2009 Betriebsleiter und war seit zehn Jahren Werkleiter in Hausach.

Aufruhr in der Belegschaft

Solche abrupten Wechsel sind in der Branche in diesen Positionen völlig üblich. Das meinte Stoffels wohl auch damit, dass er einmal „der erste sein werde“, der gehen müsse. Am gleichen Tag traf sein Nachfolger Frank Schartmann (siehe „Zur Person“) ein. Dass gleichzeitig schon Maschinen zum Abbau bestimmt wurden für eine Verlagerung eines Teils der Produktion nach Rumänien sorgte für ordentlich Aufruhr in der Belegschaft des größten Arbeitgebers in Hausach.

Mit einem Gerücht räumte Frank Schartmann beim Besuch des Offenburger Tageblatts in seinem neuen Büro gleich einmal auf: Er sei nicht gekommen, um „die Braut für einen Verkauf attraktiv zu machen“, das sei „definitiv nicht seine Aufgabe“, und dagegen spreche auch, dass in das Wachstum des Unternehmens investiert werde. Man habe ihn als Spezialisten für Qualitätsmanagement, Ablaufoptimierung und Fertigung geholt – und als einen Profi, der mit seiner Auslandserfahrung weiß, wie die Konkurrenz tickt.

"Verlängerte Werkbank" in Rumänien

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Wenn Maschinen abgebaut würden, sei das natürlich immer ein „Reizthema“, das müsse man erklären. Hausach sei der Technologie-Standort der Tekfor-Gruppe, ein „stolzer Standort“ mit, das könne er nun nach einer Woche bereits sagen, einem „super Team mit hoch qualifizierten Leuten“. Es gelte vor allem, Hausach als Entwicklungsstandort für die Tekfor-Gruppe weiter auszubauen: „Wir können nicht billig, aber gut!“ Das heißt: Die Produktion einfacher Teile wird ausgelagert. Für eine vernünftige Kostenstruktur brauche es eine „verlängerte Werkbank“.

Hausach nicht mit "Lowtec" belasten

Damit, dass Teile der Produktion ausgelagert werden, habe man eine Entscheidung für den Standort Hausach getroffen. Schartmann sieht die Aufgabe des Hausacher Werks darin, neue Produkte zu entwickeln und zu industrialisieren – dann könne man sie erneut anderen Werken übergeben, „das stärkt die ganze Tekfor-Gruppe“. Hausach dürfe man nicht mit „Lowtec-Produkten“ belasten.

Man habe bereits neue Produkte „vor der Brust“, hochtechnische Baugruppen vor allem im Bereich Elektromobilität. Es gelte, die Anforderungen der Kunden und des Marktes immer wieder neu ins Unternehmen reinzuformulieren. Der Preisdruck in der Automobilindustrie sei enorm, man müsse stetig noch höhere Qualität zu noch niedrigeren Preisen produzieren.
Neumayer Tekfor in Hausach habe einen sehr guten Stand bei seinen Hauptkunden, er freue sich sehr auf diese Aufgabe, sagte Frank Schartmann.

„Wir sind gut aufgestellt“

Für den Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Breig kam der plötzliche Wechsel natürlich auch überraschend. Auch er stellt sich gegen das Gerücht, dass dieser mit einem bevorstehenden Verkauf zu tun habe. Das Volumen, das nun den Standort Hausach in Richtung Rumänien verlässt, werde als Neugeschäft wieder reinkommen,ist er sicher. Frank Schartmann sei ein ausgewiesener Fachmann mit langjähriger Erfahrung in der Zulieferindustrie: „Wir sind gut aufgestellt und machen weiter unter neuer Führung“, stellte Breig fest.

Zur Person

Frank Schartmann

Der gebürtige Rheinländer Frank Schartmann hat in Aachen und London Maschinenbau studiert. Er war rund 13 Jahre Qualitätsmanager und Betriebsleiter des Automobilzulieferers Visteon (später Neapco Europe) und wechselte dann in den Schwarzwald zu Koepfer Zahnrad und Getriebetechnik in Furtwangen. Auslandserfahrung sammelte er vier Jahre in China, wo er drei große Werke leitete, sowie zwei Jahre in Russland als CEO (Geschäftsführer) von sechs großen Werken der DSK-Gruppe.

Dass er nun zum Jahreswechsel wieder in den Schwarzwald zurückgekehrt sei, sei eine private Entscheidung gewesen. Frank Schartmann ist 50 Jahre alt, er ist verheiratet und Vater von drei Töchtern. Er bezeichnet sich selbst als „glasklaren Automotive-Mann“, sämtliche bisherige Wirkungsstätten waren Automobilzulieferer.

Frank Schartmann suchte eine neue Herausforderung, die ihn nicht mehr von seiner Familie trennt und fand diese bei Neumayer Tekfor in Hausach. Er will das Werk, bei dem er in seiner Visteon-Zeit bereits Kunde war, „neu positionieren und erfolgreich in die Zukunft führen“.

Stichwort

Was seit dem Schutzschirmverfahren geschah

Im September 2012 beantragte Neumayer Tekfor für ihre deutschen Werke eine Schutzschirminsolvenz und beendete das Verfahren nach drei Monaten mit Erfolg. Was seither geschah:
◼ Im März 2013 unterzeichnet Amtek, ein indischer Hersteller von Komponenten für die Automobilindustrie, den Kaufvertrag. Im Juni 2013 wird der Hausacher Automobilzulieferer Neumayer Tekfor Teil der Amtek-Gruppe.
◼ Im Oktober 2015 meldet die Nachrichtenagentur Reuters, dass die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Amtek die US-Investmentbank Morgan Stanley beauftragt habe, einen Käufer für das Hausacher Unternehmen zu finden.
◼ Im November 2016 berichtet das österreichische »Industrie-Magazin«, dass Amtek den Berater gewechselt und nun Rothschild angeheuert habe. Dort war die Rede von acht Offerten, von denen einige in die engere Wahl gekommen seien. Amtek verschiebt die Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Bonuszahlungen) an die Mitarbeiter von Neumayer Tekfor auf 2017.
◼ Im April 2017 kommt die Wende: Die KKR-Bank hat ein Verfahren eingeleitet, um die Tekfor-Gruppe vor negativen Einflüssen der indischen Amtek-Gruppe zu schützen. Kurz darauf werden alle ausstehenden Zahlungen an die Mitarbeiter beglichen. Nach außen wird noch nichts kommuniziert.
◼ Am 19. Juni 2017 erfahren die Mitarbeiter per Aushang, dass die Tekfor-Gruppe wieder eigenständig ist und von einer internationalen Bank gestützt wird. Neumayer Tekfor gehört zu 100 Prozent der KKR-Bank.
◼ Im Oktober 2019 wird bei Neumayer Tekfor erstmals wieder ein Firmenfest gefeiert: Die Turbulenzen mit Amtek waren weggesteckt, das Hausacher Tekfor-Werk macht trotz schwächelnder Konjunktur 142 Millionen Umsatz mit 670 Mitarbeitern.
◼ Am 23. März 2021 wird Werkleiter Jörg Stoffels mit sofortiger Wirkung freigestellt. Sein Nachfolger wird Frank Schartmann. Neumayer Tekfor hat in Hausach noch 650 Mitarbeiter, weltweit sind es 3500.

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