Hausach

Nils Mohl ist der 20. Hausacher Stadtschreiber im Molerhiisle

Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
25. Oktober 2016

Ein Bild, auf dem man sieht, dass er im Schwarzwald ist, wünschte sich Nils Mohl. Einige Meter hinter dem Stadtschreiberdomizil beginnt das Breitenbachtal. ©Claudia Ramsteiner

Seit einer Woche ist das Molerhiisle in der Breitenbachstraße schon wieder bewohnt. Am Sonntag vergangener Woche ist dort Nils Mohl aus Hamburg eingezogen. Der 20. Hausacher Stadtschreiber bekam das Leselenz-Stipendium für seinen preisgekrönten Jugendroman »Indianerland«.

Einige Schritte hinters Haus, und Nils Mohl steht schon im Wald. Und einige Schritte vors Haus, da ist schon die Stadtmitte. Dass hier alles »fußläufig zu erreichen ist«, das fiel ihm als Erstes auf. Und dass ihm hier das Frühstück vor die Füße fällt. Er mag den Apfelbaum im Garten des Molerhiisles, dass er von seinem Schreibtisch aus direkt zur Burg sieht, und er mag den hellen, geräumigen Arbeitsraum: »Daheim arbeite ich in einer umgebauten Garage.« 

Vor zwei Jahren hat sich Nils Mohl schon einmal für ein Leselenz-Stipendium in Hausach beworben. Im Winter traf er José Oliver, der ihn ermuntert habe, sich noch einmal zu bewerben. Inzwischen ist das Stipendium für Jugendbuchautoren an die Poetik-­dozentur an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe geknüpft, »und das hat mich sehr interessiert«. 

Deutscher Jugendbuchpreis

»Im Mai ist mein neuer Roman erschienen, im Sommer wurde ›Indianerland‹ verfilmt, der Blick auf den Kalender sagte mir: Das passt!« 2012 wurde sein Jugendroman »Es war einmal Indianerland« mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Das letzte Wort hatte aber die Familie. Die müssen schließlich drei Monate lang zu Hause alles allein stemmen, seine Frau und seine drei Kinder zwischen acht und zwölf Jahren. Auch die gaben grünes Licht, die Jury in Hausach auch. Nun ist er da und freut sich auf »drei Monate so dicht an der Natur«. 

Konkrete Pläne hat der Schriftsteller nicht für seine Stadtschreiberzeit. Zuerst wird er jedoch die Vorlesung für die Poetik-Dozentur erarbeiten. Mitte November und Mitte Januar soll er in Karlsruhe angehenden Lehrern etwas über Jugendliteratur vermitteln, und er will die eineinhalb Stunden spannend füllen. Den Rest seiner Stadtschreiberzeit will er nutzen, »um vielleicht das nächste Projekt anzuschieben«. Ideen gibt es genug. Aber mit Mitte Vierzig werde einem klar, »dass man nicht mehr alle Geschichten erzählen wird, die man erzählen kann«. 

- Anzeige -

Zum Jugendbuchautor kam er, »wie ein Jugendlicher an Drogen kommt«. Er wurde gefragt, ob er das nicht mal probieren wollte, wurde »angefixt« und kam nicht mehr davon weg. »Es war auch eine Befreiung, weil dieses Genre mir wieder viele neue Möglichkeiten eröffnete«. 

Literaturwissenschaftler

Nils Mohl ist Hamburger, er hat Literaturwissenschaften und Kulturmanagement studiert und einen Roman und einen Erzählband »mit überschaubarem Erfolg in einem kleinen Verlag« publiziert. Sehr gern hätte er in der Kultur gearbeitet, hat viele Bewerbungen geschrieben – ohne Erfolg. In der Werbebranche ging das ruckzuck. Und so wurde der Autor zum Werbetexter. Irgendwo muss ja das Geld verdient werden. 

Seit zweieinhalb Jahren kann Nils Mohl endlich hauptberuflich als Schriftsteller leben. Wie lange das möglich sei, wisse er nicht. Der Jugendbuchpreis für »Es war einmal Indianerland« und die Gelegenheit, am Drehbuch für den Film mitzuschreiben, haben dazu beigetragen. 
»Es war einmal Indianerland« beschreibt die verwirrende Suche eines 17-jährigen Sohnes eines Mörders nach sich selbst. Für den Autor macht es keinen Unterschied, ob er nun für Jugendliche oder für Erwachsene schreibt. »Der Verlag macht das Jugendbuch draus«. 

Weihnachtsgeschichte

Lang wird es nicht mehr dauern, bis seine Kinder seine Bücher lesen wollen – und spätestens dann wissen werden, wie nah ihr Vater an den zerrissenen Seelen Pubertierender dran ist. Ein Problem? Die meisten Jugendlichen können sich ja kaum vorstellen, dass ihre Eltern auch mal so jung waren. »Damit müssen sie umgehen, dass ihr Vater Schriftsteller ist«, schmunzelt er. Ihn hätte es schon interessiert, wenn sein Vater Romane geschrieben hätte. Aber sein Vater war Kaufmann, und dessen Beruf blieb ihm lang ein großes Rätsel.
Bald wird ihn seine Familie in Hausach besuchen. Dann wird der Schwarzwald einige Tage gemeinsam erkundet. Tipps hat er schon einige bekommen. Und er bekommt gern noch mehr, man kennt ihn ja jetzt in Hausach und darf ihn gern ansprechen. Und auf eine neue Stadtschreiber-Weihnachtsgeschichte dürfen sich die Leser des Offenburger Tageblatts auch freuen. Nils Mohl hat bereits zugesagt, dass er »mit dieser Tradition nicht brechen werde«. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Die Hochwasserdämme seien in bestem Zustand, bescheinigte der Experte. 
18.05.2024
Kinzigtal
Das Talgeflüster ist ein ironischer Wochenrück- und -ausblick der Kinzigtal-Redakteure jeden Samstag.
Die „Hilfspolizisten“ David und Luis durchsuchten den gefassten Randalierer und fanden unter anderem eine gestohlene Kreditkarte in seinem Strumpf. 
18.05.2024
Haslach im Kinzigtal
13 Jugendliche erhielten am Donnerstag Einblick in das Haslacher Polizeirevier und die Arbeit der Beamten.
Das Gutacher Dorfturnier ist das größte Handballturnier für Hobbymannschaften in der Region. In diesem Jahr gehen fast 50 Teams an den Start – so viele wie nie zuvor.
18.05.2024
Gutach
Zur 48. Dorfsportwoche des TuS Gutach haben sich so viele Mannschaften wie noch nie angemeldet. Geboten wird vom 29. Mai bis 2. Juni aber auch ein buntes Rahmenprogramm.
25 an einem Halbmeiler Dorfladen Interessierte folgten der Einladung von Dirk Baumgärtner-Fränzen (rechts) zum Infoabend.
18.05.2024
Wolfach - Halbmeil
Wie geht's weiter mit der Idee eines Dorfladens für Halbmeil? 25 Interessenten kamen am Donnerstag zum Infoabend von Initiator Dirk Baumgärtner-Fränzen. Und: Mehrere sicherten konkrete Unterstützung zu.
Die Pläne für die Weihnachtsbeleuchtung in Hausach stehen noch nicht fest. 
18.05.2024
Hausach
Um das Thema Weihnachtsbeleuchtung ging es in der Sitzung am Montag in Hausach.
Die Feuerwehr Hausach lädt auf 2. und 3. Juni wieder zu ihrem Frühlingsfest mit Programm für die ganze Familie ein. 
18.05.2024
Hausach
Die Hausacher Feuerwehr veranstaltet am 2. und 3. Juni ein großes Fest mit Fahrzeugschau, Rundfahrten und Kinderprogramm. Für Jung und Alt soll etwas geboten werden.
Martin Dieterle führte durch den Abend und freute sich mit den übrigen 17 Bewerbern über das große Interesse der Oberwolfacher am Austausch. 
18.05.2024
Oberwolfach
Zahlreiche Interessierte, darunter besonders viele junge Wähler, nutzten am Montag die Chance, Oberwolfachs 18-köpfiger Bürgerliste für die Kommunalwahl auf den Zahn zu fühlen.
Die Geehrten mit Vertretern der Stadt und DRK-Bereitschaft: links Bürgermeister-Stellvertreter Frank Obert, Achter von links DRK-Ehrenvorsitzender Hans-Jörg Hettich, Neunter von links Theo Wernet (125-maliges Spenden) und rechts DRK-Vorsitzender Klaus Kinast.
18.05.2024
Haslach im Kinzigtal
19 Haslacher Bürger haben sich durch mehrmaliges Blutspenden für ihre Mitmenschen ausgezeichnet. Nun wurden sie vom DRK und der Stadt dafür geehrt.
Im Rathaus freute sich die Verwaltung über das gute Jahresergebnis 2022. 
18.05.2024
Mühlenbach
Deutlich besser als geplant verlief das Haushaltsjahr 2022 für die Gemeinde Mühlenbach.
Der geplante Neubau eines Wohnhauses auf der ehemaligen Minigolfplatzfläche beim Hotel "Waldblick" in Schenkenzell lässt die Emotionen weiter hochkochen.
17.05.2024
Schenkenzell
Mit Zweidrittelmehrheit billigte Schenkenzells Gemeinderat am Mittwoch die geänderte Planung für das ehemalige Minigolf-Areal. Vorangegangen war eine kontroverse Diskussion.
In Wolfachs katholischem Kindergarten St. Laurentius ist Betreuung ab dem neuen Kindergartenjahr schon ab 7 Uhr möglich. 
17.05.2024
Wolfach
Platzbedarf, Gebühren, Öffnungszeiten: Wolfachs Kindergarten-Angebot beschäftigte den Rat am Mittwoch. Ab Sommer steigen die Preise, doch in St. Laurentius geht's auch früher los.
Autor Ilija Trojanow (links) und Ideengeber José F. A. Oliver werden den 27. Hausacher Leselenz in der Stadthalle auch in diesem Jahr offiziell eröffnen. 
17.05.2024
Hausach
Der 27. Hausacher Leselenz verspricht wieder allerhand literarische Höhepunkte. In diesem Jahr wird die Veranstaltung zum zweiten Mal aufgeteilt, der erste Teil beginnt am Donnerstag, 11. Juli.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Geheimnis des Erfolgs ist der große Zusammenhalt der Familie. Jeder bringt sich mit seinen Erfahrungen und Talenten ein (von links): Erika und Erhard, Brigitte und Hubert Benz sowie Anja Vetter und Alexander Benz mit ihrem kleinen Lukas. 
    29.04.2024
    Top-Life Gesundheitszentrum: Alle Altersgruppen willkommen!
    Das Top-Life Gesundheitszentrum in Berghaupten feiert in diesem Jahr ein außergewöhnliches Firmen-Jubiläum. Es basiert auf dem Alter aller sieben Familienmitglieder, die zum Erfolg des Unternehmens beitragen.
  • Physiotherapeutin Luise Wolf schätzt die Zusammenarbeit und innovativen Ansätze bei ihrem Arbeitgeber. 
    22.04.2024
    Top-Life Berghaupten: Hier steht der Mensch im Mittelpunkt
    Das Gesundheitszentrum Top-Life in Berghaupten bietet ein Komplettpaket rund um Gesunderhaltung, Rehabilitation, Prävention und Wellness. Physiotherapeutin Luise Wolf ist Teil des motivierten Teams und gibt im Interview Einblick in ihre abwechslungsreiche Arbeit.
  • Alles andere als ein Glücksspiel: die Geldanlage in Aktien. Den Beweis dafür tritt azemos in Offenburg seit mehr als 20 Jahren erfolgreich an.
    17.04.2024
    Mit den azemos-Anlagestrategien auf der sicheren Seite
    Die azemos Vermögensmanagement GmbH in Offenburg gewährt einen Einblick in die Arbeit der Analysten und die seit mehr als 20 Jahren erfolgreichen Anlagestrategien für Privat- sowie Geschäftskunden.
  • Auch das Handwerk zeigt bei der Berufsinfomesse (BIM), was es alles kann. Hier wird beispielsweise präsentiert, wie Pflaster fachmännisch verlegt wird. 
    13.04.2024
    432 Aussteller informieren bei der Berufsinfomesse Offenburg
    Die 23. Berufsinfomesse in der Messe Offenburg-Ortenau wird ein Event der Superlative. Am 19. und 20. April präsentieren 432 Aussteller Schulabsolventen und Fortbildungswilligen einen Querschnitt durch die Ortenauer Berufswelt. Rund 24.000 Besucher werden erwartet.