Hausach

Nils Mohl liest zum Abschied aus "Land der Stille"

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 2 Minuten
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10. Januar 2017

Nils Mohl signierte nach der Lesung seine Bücher. ©Andreas Buchta

Drei Monate war Nils Mohl Stadtschreiber in Hausach. Am Montag gab er in der Aula des Gymnasiums vor nicht allzu großem Publikum seine Abschiedslesung. Das Kammertrio seiner Schwester Wiebke Schuler übernahm die musikalische Gestaltung des Abends

An legendäre Abende in der Aula des Robert-Gerwig-Gymnasiums im Lauf der Leselenzgeschichte erinnerte José F. A. Oliver am Montag bei seiner Begrüßung zur Abschiedslesung von Stadtschreiber Nils Mohl: Einmal sei Peter Härtling von der Bühne gepurzelt, Martin Walser habe den Fotografen den Rücken zugedreht und Peter Bichsel habe sich vor ihnen unter den Tisch geflüchtet. Diesmal aber verlief alles in geordneten Bahnen.

Schwester musiziert mit Kammertrio

Zur musikalischen Gestaltung des Abschiedsabends hatte der scheidende Stadtschreiber ein exzellentes Kammertrio mitgebracht, bestehend aus seiner Schwester, der Flötistin Wiebke Schuler, der Pianistin Ulrike Fabian und dem Cellisten Hans-Peter Bestehorn. Die drei Kammermusiker spielten so selten gehörte, anspruchsvolle Stücke wie ein Trio von Bohuslav Martin oder eine Suite von Charles Marie Widor und ernteten lang anhaltenden Beifall.

Nils Mohl, der als Jugendbuch-Stadtschreiber auch eine Poetikdozentur an der PH Karlsruhe innehatte, war während des letzten Vierteljahrs Stadtschreiber im Hausacher Molerhiisle. »Es war ein tolles Erlebnis«, fand er, wenn auch nicht ganz ohne – aber schnell behobene – Zwischenfälle. Er hat in der Zeit vor allem seine Reportage »Land der Stille – Litauens ganze eigene Flüchtlingskrise« fertig gestellt, aus der er einige mit Bildern illustrierte Passagen las. 

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»Land der Helden«

Es geht in dieser, auf wahren Begebenheiten beruhenden Reportage, um Flüchtlinge, vor allem um einen jungen Mann, der aus Syrien flieht – mit dem etwas verwunderlichen Ziel Litauen. Über die Türkei kommt er nach Griechenland und schafft dann tatsächlich den Sprung nach Litauen. Er trifft auf ein »Land der Helden« (Nationalhymne) ohne Willkommenskultur und fast ohne Einrichtungen für Flüchtlinge, hingegen mit einem enormen Alkoholkonsum und dem Europameistertitel in der Suizidrate. 

Mohl spürt dem Weg des Flüchtlings vor Ort nach, der plante, in Wilnius ein Restaurant zu eröffnen. Er fühle sich in Litauen wie ein Untoter, schreibt der junge Mann auf Facebook. Am 25. Dezember 2016 meldet er sich wieder – aus Deutschland, wo er in Deggendorf untergekommen ist. Sechs Monate nur hat er es in Litauen ausgehalten.

Mit dem so sehr passenden »Oblivion« (Vergessenheit) von Astor Piazzolla beendet das Kammertrio Nils Mohls Abschiedslesung.
 

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