Hausach

Pfarrer Nobs überträgt Herz-Jesu-Symbol in die heutige Zeit

Claudia Ramsteiner
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06. Juni 2018

Pfarrer Christoph Nobs zeigt am Beispiel dieser Kirchenfahne und der Herz-Jesu-Statue, die als »Juni-Altar« gerade weiter in den Mitte des Altarraums gerückt ist, die Zeichen der Herz-Jesu-Frömmigkeit in der Hausacher Kirche. ©Claudia Ramsteiner

Am Palmsonntag kam Christoph Nobs als Pfarrer in die Seelsorgeeinheit Hausach-Hornberg – zunächst um zu schauen, ob er sich die Leitung der Seelsorgeeinheit vorstellen kann. Er konnte – und seit Pfingsten ist er nun offiziell deren Leiter. Mit ihm werden auch einige Veränderungen für die Pfarrgemeinde angekündigt. Darüber sprachen wir mit dem Geistlichen

Monate hier und inzwischen Leiter der Seelsorgeeinheit. Sie wollten sich das zuerst mal ansehen – wie war Ihr Eindruck?

Christoph Nobs: Ich habe beim ganz überwiegenden Teil der Bevölkerung eine große Offenheit und Herzlichkeit festgestellt. Es ist eine hohe Kooperationsbereitschaft vorhanden. Das hat mir sehr gefallen. 

Im jüngsten Gemeindeblatt stand bereits, dass es Verändungen geben wird. Was dürfen oder müssen die Gläubigen an Neuem erwarten?

Nobs: Es geht mir nicht um erste Linie um Veränderunger um ihrer selbst willen, sondern um neue Zugänge zum Glauben besonders auch für Menschen, die damit nichts mehr oder nicht mehr viel anfangen können. Das hat zur Konsequenz, dass man durchweg alles überprüfen muss, ob sich der Glaube so darstellt, wie er für Menschen in der heutigen Zeit wieder etwas sagt.

Eine Änderung gibt es zum Herz-Jesu-Fest am kopmmenden Freitag. Keine Prozession wie seit 100 Jahren, sondern ein Open-Air-Gottesdienst. Was hat es überhaupt mit dieser Herz-Jesu-Frömmigkeit auf sich? Passt Sie noch in die heutige Zeit?

Nobs: Ja, sie passt, wenn neue Zugänge zu ihr erschlossen werden. Traditionell war sie sehr von Sünde und Opfer geprägt und von einer Haltung des Beleidigtseins.

Das müssen Sie näher erläutern!

Nobs: Das hängt mit einer bestimmten Form von Erlösungstheorie und Christusverständnis zusammen. Ein pessimistisches Menschenbild, von Sünde und Schuld geprägt, die Gott beleidigt und ein entsprechendes Opfer, dass diese Sünde wieder tilgen soll. Das kann man heute nicht mehr so an die Leute bringen.

Wie bringen Sie’s denn an die Leute?

Nobs: Ich setze die Akzente anders. Gott hat ein Herz für die Menschen, und sein göttliches Heil soll menschliches Glück sein. Das ist genau der Inhalt des Evangeliums. Und das Herz Jesu ist ein Symbol für die Herzlichkeit und die Barmherzigkeit Gottes und nicht für sein Beleidigtsein oder Sühnegelüste.

Dann wurde das über Jahrhunderte weg falsch interpretiert?

Nobs: Vielleicht nicht falsch, aber einseitig pessimistisch oder misantropisch.

Sie haben zum Thema Herz-Jesu-Frömmigkeit geforscht – weil das hier in Hausach ein Thema ist oder schon vorher?

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Nobs: Schon vorher. 2002 bin ich in eine Pfarrei gekommen, in der jeden Monat Herz-Jesu-Freitag gefeiert wurde. Da musste ich mich fragen, was das soll und wie man das gut machen kann.

Wie ging diese Forschung vor sich?

Nobs: Einerseits an der Universität, andererseits aber auch durch Interviews mit Gläubigen und Pfarrern. Außerdem habe ich Architektur, Kunst, Musik, Inszenierung und mehr überprüft. 

Welches waren die wichtigsten Schlüsse daraus?

Nobs: Ein wichtiges Ergebnis hat mit der Diakonie und Caritas zu tun – nämlich, die Herz-Jesu-Frömmigkeit unmittelbar mit der tätigen Nächstenliebe zu verbinden. Wir haben in dieser Gemeinde auf den Herz-Jesu-Freitag immer die Zusammenkunft unseres Helfer- und Sozialkreises gelegt, soziale und politische Probleme besprochen und Hausbesuche bei kranken und alten Menschen gemacht. So wird die Herzlichkeit Gottes menschlich konkret, und man kann sie dann auch im Gottesdienst glaubwürdig feiern.

Was dürfen jetzt die Hausacher am Freitag erwarten?

Nobs: Eine Gottesdienstgestaltung in diesem Sinn. Die vielen Prozessionen stammen aus einer Zeit, als das ganze Dorf katholisch war und mobilisiert werden konnte. Das ist heute nicht mehr so, deshalb verzichten wir auf die Prozession und gestalten die Messen als Open Air – das ist wieder zeitgemäß.

Und darüber hinaus – welche Veränderungen streben Sie noch an?

Nobs: Ich strebe an, dass wir in der Pfarrei unsere soziale Praxis überdenken. Ziel wäre eine sogenannte sozialraumorientierte Seelsorge.

Was meinen Sie genau damit?

Nobs:  Ich zitiere den französischen Bischof Jacques Gaillot: »Ein Kirche, die nicht dient, dient zu nichts!« Die Kirche darf sich nicht in erster Linie um sich selbst kümmern, sondern muss die Menschen am Ort ins Zentrum stellen. Der Weg der Kirche ist der Mensch. Kirche ist nicht um ihrer selbst willen da, sondern für andere. 

Der Papst hat die Frage der Kommunion an evangelische Ehepartner wieder an die deutschen Bischöfe zurückgegeben. Wie halten Sie’s damit?

Nobs: Beim Kommunizieren werde ich die Leute nicht zuerst fragen, ob sie evangelisch oder katholisch sind. Gottes Liebe gilt bedingungslos für alle Menschen. 

Hintergrund

Herz-Jesu-Fest als »zweites Hausacher Patrozinium«

Seit Jahrhunderten nimmt die Herz-Jesu-Verehrung im Hausacher Kirchspiel einen besonderen Platz ein. Der verstorbene Heimatautor Kurt Klein bezeichnete es in seiner »Das Kirchspiel Hausach« gar als »zweites Patrozinium«.
Das »Herz-Jesu-Fest« am Freitag nach der Fronleichnamsoktav wurde 1856 allgemein in der Katholischen Kirche eingeführt. In Hausach ist die Herz-Jesu-Verehrung 1778 belegt, als der Hausacher Stadtrat das von Pfarrer Xaver Fränkle eingesetzte Herz-Jesu-Fest bestätigte, für das ähnliche Regeln wie für Fronleichnam gelten sollten. Mit der Einführung des Herz-Jesu-Fests wurde gleichzeitig auch eine Herz-Jesu-Bruderschaft ins Leben gerufen, die 1792 bereits 2000 Mitglieder hatte. 
Pfarrer Heinrich Brunner, 1899 bis 1943 Hausacher Pfarrer, gelobte, dem Herzen Jesu ein sichtbares Zeichen zu setzen, wenn endlich wieder ein Neupriester aus der Pfarrei käme. Am 4. Juli 1915 feierte Hermann Armbruster vom Fuggishof sein erstes Messopfer in Hausach. 
Die Hausacher erinnerten sich ihres Versprechens, die Vorbereitungen für ein »Herz-Jesu-Postament« begannen schon vor der Primiz. Das im Spätjahr 1915 wegen der Herkunft des Neupriesters am Ausgang des Breitenbachtals aufgestellte Herz-Jesu-Denkmal wurde im Herbst 1915 aufgestellt und im Jahr darauf geweiht. Seither diente es bei allen drei bisher üblichen Prozessionen als Station. 
Quelle: Kurt Klein: »Das Kirchspiel Hausach«

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