OT-Pilzserie

Pilze im sauren Nadelwald

Autor: 
Karin Pätzold
Lesezeit 3 Minuten
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01. September 2016

Den Namen »Kuhmaul« (Gomphidius glutinosus) trägt dieser Pilz wegen seines schleimigen Hutes, der sich wie ein feuchtes Kuhmaul anfühlt. ©Karin Pätzold

Um Zeigerpflanzen und Charakterpilze und ganz allgemein um Pilze im sauren Nadelwald geht es im aktuellen Teil der OT-Pilzserie, denen sich die Hornberger Pilzsachverständige Karin Pätzold mit vielen interessanten Infos widmet.

Im August/September beginnt bei günstiger Witterung die eigentliche Pilz-Saison, und viele Pilzsammler schwärmen in ihre Reviere aus. Pilze sind ein schönes Hobby, das, wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, einem nicht mehr loslässt – ob als Speisepilzsammler oder als Hobby-Mykologe. 
Pilze sind mit ihrer Farbenvielfalt, ihren vielseitigen Gerüchen und ihrem faszinierenden Innenleben in der Natur eine absolut spannende Materie. Ein Menschenleben reicht nicht aus, um sie zu erforschen. Selbst der süddeutsche Mykologe Hans Haas hat sich bis ins hohe Alter von fast 100 Jahren mit Pilzen beschäftigt. 

Viele Faktoren wichtig

Das Pilzwachstum beinhaltet ein Zusammenspiel  vieler Faktoren:  saure oder basische Böden, verschiedene Baumarten, Temperatur, Feuchtigkeit, Höhenlage, Jahreszeit  und Umwelteinflüsse spielen dabei eine Rolle. Heute geht es um den sauren Nadelwald. Er besteht im Schwarzwald aus Fichten, Weißtannen, Wald-kiefern und der nordamerikanischen Douglasie. In diesem Wald gibt es eingestreute Laubbäume wie Rotbuche, Traubeneiche und Bergahorn, Birke, an den Rändern Salweide und Schwarz- oder Grünerle. In unserer Region haben wir es mit sauren Granit-, Gneis- und Buntsandsteinböden zu tun mit einem geringen PH-Wert. Der Schwarzwald ist im Vergleich zur Schwäbischen Alb mit ausreichend Niederschlagsmengen gesegnet. So sind diese Wälder, sofern nicht Fichtenmonokulturen, gute Pilzwälder und beherbergen viele verschiedene, darunter auch seltene Pilzarten.

Typische Zeigerpflanzen

Typische Zeigerpflanzen sind Heidelbeere, Preiselbeere, in Höhenlagen auch Rauschbeere, an sonnigen Stellen Roter Fingerhut, Salbeigamander, Adlerfarn, Drahtschmiele, im Wald Rippenfarn, Wald-Hainsimse, an schattigen Orten Sauerklee, an feuchten Stellen Frauenhaarmoos und Torfmoos. 
Der Charakterpilz an feuchten, moosigen Hängen ist der Trompetenpfifferling (Craterellus tubaeformis). Sein trompetenförmiger Hut ist von gelbbraun bis olivgrün gefärbt, die Leisten und der Stiel gehen ins Gelbliche über. 

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Aufmerksam sein

Er gehört wie der Pfifferling zu den Leistenpilzen, lässt sich im Gegensatz zu diesem aber gut trocknen und als Saucenpilz verwerten. Er  wächst etwas später im Jahr von August bis Oktober. Beim Sammeln dieses Pilzes ist besondere Aufmerksamkeit geboten, denn es können giftige Hautköpfe (Haarschleierlinge) zwischen den Trompetenpfifferlingen stehen.
Wenn im Laubwald der Sommersteinpilz bereits im Juni seine Fühler ausstreckt, ist der Fichtensteinpilz (Boletus edulis) frühestens ab August in den Nadelwäldern zu erwarten. Zu ihm gesellen sich auch Maronenröhrlinge (Xerocomus badius) und Flockenstielige Hexenröhrlinge (Neoboletus luridiformis).

Seltenere Art

Seltener ist der Schwarzblauende Röhrling (Cyanoboletus pulverulentus). Mit seinem erdfarbenen Hut ist er leicht zu übersehen, hat leuchtend gelbe  Röhren und läuft bei Berührung sofort tintenartig schwarzblau an. Trotz dieser  Verfärbung ist er ein vorzüglicher Speisepilz. Die bitteren und leicht giftigen Vertreter der Röhrlinge im sauren Nadelwald  sind der Gallen- (Tylopilus felleus) und Schönfußröhrling (Caloboletus calopus), die ein Pilzgericht mit ihrer Bitterkeit verderben können. Schmierröhrlinge wie der Butterpilz (Suillus luteus), Sandröhrlinge (Suillus variegatus) und Kuhröhrlinge (Suillus bovinus) sind Speisepilze bei Kiefern. Allerdings sind bei Butterpilzen schon Unverträglichkeitsreaktionen aufgetreten.

Den Schleim abziehen

Auch das KuhmauI  (Gomphidius glutinosus) gehört in unsere Nadelwälder. Seine grauen herablaufenden Lamellen lassen sich abschieben wie die Röhren bei den Röhrenpilzen. Den Namen »Kuhmaul« trägt der Pilz wegen seines schleimigen Hutes, denn dieser fühlt sich wie ein feuchtes Kuhmaul an!  
Der Schleim muss bei Zubereitung abgezogen werden, sonst hat man ihn als unangenehme Beilage in der Pfanne. Durch seine gelbe Stielbasis ist er ein gut bestimmbarer Speisepilz.

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