Hornberg

Pilzsaison hat sich nach "hinten verlagert"

Autor: 
Petra Epting
Lesezeit 4 Minuten
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08. April 2017

Der Neufund des Blauen Rindenpilzes am Hornberger Rebberg zeigt, dass sich ein paar exotische Arten wegen des veränderten Wetters breit machen könnten. Björn Wergen glaubt aber nicht an ein Verschwinden bestimmter Arten. ©Karin Pätzold

Schon jetzt herrscht Waldbrandgefahr und machen sich manche Landwirte Sorgen, dass das Wasser bald wieder knapp werden könnte. Björn Wergen, Leiter der Pilzlehrschau in Hornberg, beantwortet im Interview, was das trockene Wetter für die Pilze bedeutet.

Wasserknappheit, gestresste Bäume, ausgetrocknete Felder: Machen Ihnen die Wetterkapriolen Sorgen?

Björn Wergen: Ich beobachte das Wetter nun seit etwa 15 Jahren recht genau, da ich immer darauf bedacht bin, dass es »gutes« Wetter hat, welches den Pilzen möglichst gute Bedingungen schafft. Ich sehe dieses Jahr keine Besonderheiten, über die ich mir jetzt Sorgen machen müsste.

Wenn das mit der Trockenheit aber so weitergeht, was sind Ihre Befürchtungen bzw. wie wirkt sich das Wetter aus? Werden sich die Arten regional verschieben oder befürchten Sie gar dramatische Auswirkungen wie das komplette Verschwinden bestimmter Arten?

Wergen: Das lässt sich aus derzeitiger Sicht überhaupt noch nicht sagen. Ab und zu gehe ich raus, sammle bestimmte Substrate ein, auf denen ich kleine Pilze vermute, um sie genauer zu untersuchen. Was mir dabei aufgefallen ist: Viele sind abgestorben oder noch zu unreif. Ich denke nicht, dass man daraus eine regionale Verschiebung oder gar ein Verschwinden bestimmter Arten schließen kann. Wie allerdings der Neufund des Blauen Rindenpilzes (Terana caerulea) vom Rebberg zeigt, könnten sich hier bald ein paar exotische, mediterrane Arten breit machen, die trockenes, warmes Klima ganz gerne mögen.

Der seltene Fund am Rebberg: Schauen Sie bereits gezielter nach seltenen Arten für die hiesige Region?

Wergen: Gezielt nach seltenen Arten suchen, das ist so nicht möglich. Seltene Funde sind oft Glückssache. Ein scheinbar seltener Pilz, der kaum bekannt ist und der ein bestimmtes Habitat benötigt, wenn der ständig gefunden wird, weil man eben über die entsprechende Kenntnis verfügt und gezielt suchen kann, wird schnell mal ein häufiger Pilz.

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Auf was werden sich die Pilzsammler einstellen müssen, wenn die Trockenheit anhält? Weniger Pfifferlinge auf dem Teller, andere Pilze zum Essen?

Wergen: Ja, wie wäre es denn zum Beispiel mit dem Echten Eierwulstling (Amanita ovoidea)? Eine gänzlich mediterran verbreitete Art, die unter anderem in Spanien, Italien und Griechenland erscheint und die es in Deutschland praktisch gar nicht gibt. Ernsthaft: Es wird kaum Veränderungen geben, was die essbaren Pilze angeht. Speisepilzsammler müssen, falls die Trockenheit denn anhalten sollte, mit deutlich weniger essbaren Pilzen rechnen, und es wird leider auch keine oder kaum andere Arten geben, die zu uns »rüberkommen«, damit wir sie verwerten können. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das aber eine reine »Teufelandiewandmalerei«. Jedes Jahr ist völlig anders als das vorherige, wir können uns also nur überraschen lassen.

Wirken sich die Wetterbedingungen auf Ihre Seminare aus und wenn ja, wie?

Wergen: Ja, und zwar positiv. 2016 habe ich einige Seminare gehabt, wo es wenig Pilze gab. Die Teilnehmer fanden auch das nicht so schlecht: Man konnte sich in die wenigen Arten, die man fand, reinarbeiten und diese näher kennenlernen. Auf der anderen Seite gab es Anfang August und ab Ende September eine derartige Artenfülle, dass manche komplett überfordert waren. Auf dem Tisch lagen Dutzende Schleierlingsarten, Dutzende verschiedene Wulstlinge, Champignons, Tintlinge, Schwindlinge und Rüblinge. Da verliert man leicht die Übersicht. Was mir noch aufgefallen ist: Die Saison hat sich deutlich erweitert bzw. nach »hinten verlagert«. Das heißt der November ist ein guter Pilzmonat für Spätherbstpilze geworden. Seminare in den November zu legen hieß zu Zeiten Walter Pätzolds noch »ab in den Schnee«.

Was haben Sie an besonderen oder Spezialseminaren in diesem Jahr im Programm?

Wergen: Letzte Woche gab es ein Novum, welches es zuletzt in zumindest ähnlicher Form nur von Herrn Dürhammer gegeben hat: »Die Welt der Flechten«. Hier ging es ausschließlich um die makro- und mikroskopische Beschreibung und Bestimmung der Flechten. Der Begriff »Flechte« bezeichnet hierbei nichts anders als eine Partnerschaft zwischen einem pilzlichen Organismus, der als Schutz fungiert, sowie einer bestimmten Alge, welche die Nährstoffe aus der Photosynthese in Form von Zucker herbeiholt.  

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