Schiltach

Plötzlich reden alle lebhaft übers Sterben

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
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01. Oktober 2015

Die Diskussion zum Thema Bestattungs- und Trauerkultur war auch nach Auflösung des Podiums noch lange nicht beendet. ©Martina Baumgartner

Eine Podiumsdiskussion zum Thema »Wandel in der Bestattungs- und Trauerkultur« gab Impulse, mit einem Tabu zu brechen: Übers Sterben redet man nicht zu Lebzeiten. Dort taten es die Gäste – und das noch lange nach Veranstaltungsende.

Schiltach. »Wissen Ihre Angehörigen, wie sie einmal beerdigt werden möchten?«, fragte Claudia Ramsteiner, Chefin der Kinzigtal-Lokalredaktion des Offenburger ­Tageblatts am Dienstagabend das Publikum. Sie moderierte eine Podiumsdiskussion zum Thema »Wandel in der Bestattungs- und Trauerkultur«.  Die Volkshochschule hatte Michael Harter, Bestatter und Trauerredner, die Pfarrer Christoph Glimpel (evangelisch) und Bernd Müller (katholisch) sowie Ute Diesbach von der Friedwald GmbH und Anke Rose von der Schiltacher Hospizgruppe in den Schlossbergsaal des Gottlob-Freithaler-Hauses eingeladen. Doch auch das Publikum nutzte die Gelegenheit zum Gespräch.
Ein falsches Verhalten im Angesichts des Todes könne es nicht geben, machten alle Diskutieren deutlich. Die Pfarrer beider Konfessionen sind offen für Gespräche um die Zeremonie der Beerdigung und Wünsche der Hinterbliebenen.
Ob der Sarg bei der Trauerfeier mit in der Kirche stünde oder nicht, könne abgesprochen werden. »Das wäre noch vor einiger Zeit nicht möglich gewesen«, stellte eine Zuhörerin einen Wandel fest.
Gemeinsamer Abschied
Wichtig sei Glimpel, dass die Glaubensgemeinschaft Abschied nehmen könne. Müller würde auch Urnenbeisetzungen, jedoch nur in der eigenen Gemeinde, durchführen, obwohl er Erdbestattung für richtig hält – »da berücksichtige ich die Wünsche der Trauernden«, so Müller.
Harter gab zu bedenken, dass eine Urne auf dem Kaminsims, wie ein Zuhörer gesetzliche Gebote kritisierte,  weiteren Hinterbliebenen die Möglichkeit zum Gedenken an einem jederzeit zugänglichen Grabplatz verschließt.
Er empfahl, sich bereits zu Lebzeiten mit dem Bestatter über die eigene Beerdigung auszutauschen, dann würden Hinterbliebene in ihrer Trauer nicht mit sie überfordernden Entscheidungen belastet. Rose von der Hospizgruppe wunderte sich, dass wenige Angehörige eines Sterbenden  ein Gesprächsangebot nutzen. Auch an dieser Stelle stünde die Hospizgruppe bereit.
Diesbach bietet eine Bestattung im Friedwald als Alternative zu anderen Bestattungsformen an. Das Publikum gab Impusle: Eine Bestattung in der Gemeinschaft der kirchlichen, aber auch politischen Gemeinde, wäre beim Friedhof neben der Stadtkirche möglich. Dagegen war anderen die atmosphärische Ruhe des Friedwalds lieber. »Atmosphäre hat der Friedhof nicht, da müsste sich was tun«, kritisierte nicht nur Harter. In Konkurrenz stehende Dienstleister in Bezug zum Thema Tod sahen die Diskutanten nicht. Sie empfinden sich eher als Ergänzung des anderen.
Diskussion geht weiter
Dass es einen Wandel in der Kultur um den Umgang mit dem Tod gibt und vieles bei Bestattung und Trauerbewältigung möglich ist, war allen Beteiligten am Ende der Veranstaltung klar. Nach dem Ende der Veranstaltung  diskutierte das Publikum noch ein Dreiviertelstunde in kleinen Gruppen im Schlossbergsaal weiter. »Da wurde offensichtlich etwas angestoßen«, stellte eine Zuhörerin fest.

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