Gutach

Potenziale für Solarstrom auf Gutacher Freiflächen

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30. Mai 2020

Bis in etwa drei Jahren wären Fotovoltaikanlagen auf Gutacher Freiflächen möglich. ©Windkraft Schonach

Gerhard Kienzler von der Windkraft Schonach stellte im Gutacher Gemeinderat die Möglichkeit von Fotovoltaikanlagen auf schlecht nutzbaren landwirtschaftlichen Flächen vor. 

„Wir wollen grünen Strom“, führte Bürgermeister Siegfried Eckert in der Gemeinderatssitzung am Donnerstag in der Gutacher Festhalle in den Tagesordnungspunkt „Fotovoltaikanlagen auf Freiflächen“ mit Gerhard Kienzler ein. Der Geschäftsführer der Windkraft Schonach (WKS) hatte dieses Thema vor zehn Jahren schon im Steinenbach auf dem Schirm (wir berichteten). Damals scheiterte es an der Streichung der Einspeisevergütung für Freianlagen. 
 

Kienzler hatte aktuelle Zahlen mitgebracht: In Deutschland sei der Ökostromanteil zum ersten Mal auf mehr als 50 Prozent gestiegen. Ziel sei 65 Prozent bis 2030. Laut Kienzler sei die Atomkraft dreimal so teuer als Strom aus Wind und Sonne – und die Rückbaubürgschaft übernehme auch noch der Staat. Die hohe Wirtschaftlichkeit durch niedrige Erzeugungs- und Folgekosten von erneuerbaren Energien lasse der „alten“ Energiewirtschaft“ keine Chance, betonte Kienzler. Im ersten Quartal dieses Jahres sei die Einspeistung aus konventionellen Energieträgern um 21,9 Prozent zurückgegangen. 

Der EEG-Tarif werde über mehrere Ausschreibungen pro Jahr ermittelt. Den Zuschlag erhalten die niedrigsten Tarife.  Pro Jahr würden 1500 Megawatt Solarstrom ausgeschrieben sowie 400 Megawatt herkunftsoffen – die in den letzten Jahren aufgrund der Wirtschaftlichkeit ebenfalls an Fotovoltaikanlagen gegangen sei.
Beste Voraussetzungen also, sich wieder um Freiland-Anlagen in Gutach zu kümmern. Dort, wo das Kriterium „benachteiligte Fläche“ zutreffe, habe man das Recht, an der Ausschreibung teilzunehmen. „Gutach ist benachteiligt, nehmen Sie’s nicht persönlich“, verwies er auf die deckende grüne Fläche auf einer Karte mit Potenzialen für Foto­voltaik-Freilandanlagen. 

Keine Versiegelung

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Pro Hektar kriege man auf Solar-Freilandanlagen 0,8 bis 1,2 Megawatt installiert – damit könne man 600 000 bis 1,1 Millionen Kilowattstunden pro Jahr produzieren. Die Einspeisevergütung liege bei 3,5 bis 6,5 Cent pro Kilowattstunde. Die Lebensdauer sei auf 30 Jahre berechnet, es würden keine Böden versiegelt und eine landwirtschaftliche Nutzung sei teilweise trotzdem noch möglich. Die Flächen würden über langjährige Pachtverträge gesichert, und es gebe wie bei Windkraftanlagen eine Rückbaubürgschaft. Mit dem Eigentümer sei zudem ein Vertrag zur Grünpflege möglich. 
Das Bebauungsplanverfahren dauere sechs bis zwölf Monate, das Genehmigungsverfahren noch mal ein Dreivierteljahr, die Bauzeit zwei bis sechs Monate, gab Kienzler einen möglichen Zeitplan vor. Potenziale sehe er in Gutach. Die nächsten Schritte sieht er in der Bewertung und Abwägung der Gemeinde, dem der Antrag durch die WKS und der Aufstellungsbeschluss zur Bebauungsplanänderung folgen könnten. 

Florian Osswald (SPD) wollte wissen, wie stark der Eingriff in die Vegetation sei. Man müsse einmal im Jahr mit speziellen Geräten mähen oder Schafe reinlassen, so Kienzler. Da weniger gemäht wäre, könne so eine Fläche Tieren und Pflanzen mehr Lebensraum bieten. Im Steinenbach wäre es möglich, noch Leerrohre in die Breitband-Leitungen einzubringen oder über den Windpark einzuspeisen, beantwortete Kienzler eine Frage von Gerhard Wöhrle (SPD). 

Falsches Argument

„Für uns reicht’s“ sei das falsche Argument, konterte Kienzler die Frage nach dem Bedarf. Das wolle man ja auch nicht von einem Winzer hören. Man müsse dort produzieren, wo eine Realisierung sinnvoll ist, „um dem großen Ganzen zu dienen und die Ziele zu erreichen.“ Auch in der Speichertechnologie sah Kienzler kein Problem: „Die ist im Kommen, daran wird es nicht scheitern“, antworte er. Er sah auch keine Beeinträchtigung des Tourismus. Selbstverständlich kämen aus Rücksicht auf Landwirtschaft und Tourismus keine ebenen Flächen in Dorfnähe infrage. 
Auch Bürgermeister Siegfried Eckert sieht Möglichkeiten in den Seitentälern, man müsse das „sensibel betrachten. Wo es Sinn macht, können wir’s sicher mittragen.“ Einem Zuhörer, der „prädestinierte Flächen in den Seitentälern“ habe, empfehle er, nicht zu euphorisch zu sein. Es würden wohl wie bei der Windkraft nur ein Bruchteil der angefragten Flächen übrig bleiben. Landschaftsschutzgebiet sei aber nicht unbedingt ein K.o-Kriterium. 

INFO: Wer seine Flächen für eine Solarnutzung prüfen lassen will, kann dies bei Hauptamtsleiter Fritz Ruf im Rathaus anmelden. 

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