Hausach

Psychologe vergleicht Manipulation 1933 mit heute

Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
23. September 2018

Gerd Hirschberg regte mit seinem hochaktuellen Vortrag über die Verführbarkeit der Menschen zum Nachdenken und zu intensiven Diskussionen an. ©Claudia Ramsteiner

Die Struktur der Menschen sei heute nicht anders als vor 85 Jahren, sagte der Rheinauer Psychologe Gerd Hirschberg  am Freitag bei seinem Vortrag im katholischen Pfarrheim in Hausach. Doch es gebe ein Gegenmittel gegen den neuen »Nationzentrismus«.   

Mit einem klaren »Jein« beantwortete Gerd Hirschberg am Freitagabend beim Historischen Verein im katholischen Pfarrheim in Hausach vor rund 40 Zuhörern die Frage, ob die Verführbarkeit und die Manipulation heute mit 1933 vergleichbar ist. Der Diplom-Psychologe aus Rheinau erinnerte an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, an den Beginn des 30-jährigen Kriegs vor 400 Jahren und daran, dass am Sonntag der Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest gefeiert wird. 

In Hausach sei ihm bei einer Radtour das Denkmal mit der Aufschrift »Frieden und Freiheit als Verpflichtung« aufgefallen (Anm. d. Red: Der Stein stand vor der Graf-Heinrich-Schule und wurde im Zug der Baustelleneinrichtung für den Neubau vorübergehend entfernt). Der Nationalsozialismus und damit der Zweite Weltkrieg habe »mit der Ausgrenzung von Menschen begonnen, die den Herrschenden nicht genehm waren«. 

Warum es keinen Widerstand gegeben habe, nachdem man doch einige Jahre zuvor noch gut zusammengelebt habe? Dass Hitler die Menschen verführt habe – und der Verführer seit Adams Zeiten immer der Schuldige sei – diene als Psychohygiene, die eigene Verantwortung möglichst klein zu machen.

Jeder ist für sein Tun und Lassen verantwortlich

»Jeder Erwachsene ist verantwortlich für sein Tun und sein Lassen«, betonte Hirschberg. Aber jeder sei auch anfällig für Manipulationen, das liege an der menschlichen Struktur. Manipulation sei nicht grundsätzlich schlecht und werde von Kind auf geübt. »Manipulation heißt, etwas in die Hand zu nehmen, um es zu verändern«, erläuterte er. Ein Kind, das schreit, manipuliere die Eltern dazu, es zu füttern oder die Windeln zu wechseln.

- Anzeige -

Erst ein falsches Ziel mache die Manipulation zu etwas Negativem – und die Anfälligkeit der Menschen für Manipulation liege an der menschlichen Struktur und gesellschaftlichen Bedingungen. Hier sieht der Psychologe durchaus heute eine vergleichbare Situation mit den 1930er-Jahren: Auch heute gebe es die Tendenz, einfache eindimensionale Ursachen für individuelle Abstiegsgefährdungen verantwortlich zu machen, es werden heute wie damals Feindbilder produziert. Der Referent machte diese Vergleichbarkeit auch in alten und neuen Karikaturen und Bildern deutlich.

Die Sehnsucht des Menschen nach der »goldenen Zeit, in der alles noch in Ordnung war« werde von den Politikern ausgenutzt, die die Ängste aufgreifen und versprechen, mit einfachen Lösungen Abhilfe zu verschaffen. Heute kenne man jedoch das Mittel gegen den neuen »Natiozentrismus« und die sich ausbreitende »gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit« – und genau hier unterscheide sich die Situation 2018 zu der vor 85 Jahren. 

»Mitgefühl trainieren«

Einfacher Lösungsangebote für schwierige Situationen seien nicht prinzipiell schlecht, wenn sie sich an den Kriterien Mitmenschlichkeit, Solidarität und Nächstenliebe orientieren. »Einfühlung und Mitgefühl müssen nicht erlernt werden. Es ist im Menschen angelegt und wird abtrainiert. Beides muss gepflegt und trainiert werden, damit es nicht verkümmert«, zeigte der Referent auf, was neben Selbstvertrauen und Wissen gegen die Ängste helfen könnte, ein zweites 1933 zu verhindern. 

Dem Vortrag schloss sich eine rege Diskussion an über den Sprung von der Manipulation zur Massenhysterie, die Honorierung von verantwortungslosem Verhalten in der Gesellschaft  und die fortschreitende Verrohung derselben. Dem allem hielt Gerd Hirschberg die These entgegen: »Viele kleine Menschen, die viele kleine Schritte tun, können die Welt verändern.« 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Wolfach
vor 4 Stunden
Zur Versammlung der Vereinsvertreter hatte die Stadtverwaltung am Dienstag ins Feuerwehrgerätehaus eingeladen. 190 Termine sammelte Tourist-Info-Leiter Gerhard Maier für den Veranstaltungskalender 2019. Auch die Suche nach einem Vereinssprecher war Thema.
»Partyböcke« spielen in Stadthalle
vor 8 Stunden
Die Vorfreude ist schon groß: Die Stadtkapelle Haslach verwandelt die Stadthalle am Samstag, 20. Oktober, zu einem Wiesn-Festzelt. Beim ältesten Kinzigtäler Oktoberfest treten zwei neue Bands auf und es gibt Neuerungen im Rahmenprogramm. Zudem laden an diesem Abend auch sieben Haslacher Wirte zu...
30 Jahre Partnerschaft mit La Tranche sur Mer
vor 8 Stunden
Die Vereine sind sich einig, der Terminkalender steht: Auch für 2019 sind wieder einige Höhepunkte in Bad Rippoldsau-Schapbach geplant. Jubiläen, Konzerte, Turniere – das Jahr verspricht abwechslungsreich zu werden.
Seelsorgeeinheit „Kloster Wittichen“
vor 10 Stunden
Den Rahmen des Luitgardfests am Sonntag in Wittichen nutzten die katholische Seelsorgeeinheit „Kloster Wittichen“, um sich bei den beiden Organisten Moritz und Andreas Hauer zu bedanken. Sie wurden aus ihrem regelmäßigen Orgeldienst verabschiedet,
Gemeinderat für Änderung des Flächennutzunsgplans
vor 13 Stunden
Landauf, landab wird die Schaffung von Wohnraum gefordert. Dass das für die Gemeinden gar nicht so einfach ist, zeigte die Ratssitzung am Montag in Fischerbach. In dieser ging es um die geplante Änderung des Flächennutzungsplans.
Hausach
vor 13 Stunden
Der Verein »Wir für Burkina« setzt sich seit zehn Jahren intensiv für die Bildung in Burkina Faso ein. Mitglieder stellten am Montag ihre Arbeit im Gemeinderat vor und warben um eine Einwilligung der Stadt zu einer trinationalen Partnerschaft mit Arbois und Douroula.
Bad Rippoldsau-Schapbach/Freudenstadt
vor 16 Stunden
Lebhafte Diskussionen, spannende Gespräche und interessierte Teilnehmer prägten die Wild-Tier-Konferenz am Wochenende im Kurhaus in Freudenstadt. Bernd Nonnenmacher, Leiter des Alternativen Wolf- und Bärenparks in Bad Rippoldsau-Schapbach, zieht im OT-Gespräch Bilanz.
Spanische Weiterbildungsakademie in Hornberg verstärkt Team
vor 18 Stunden
Es läuft gut bei der Spanischen Weiterbildungsakademie (AEF) in Hornberg. Neu im Team ist Concetta Fiorentino aus Triberg. Die Mitarbeiter beraten Geflüchtete, Migranten und die Unternehmen kompetent zu vielen Themen und unterstützen vielseitig beim Zurechtfinden in der neuen Heimat.
Hausach
vor 19 Stunden
Im Juli entschied der Gemeinderat, bei der Lebensmittelversorgung der Hausacher Bürger auf Rewe zu setzen, der am Bahnhof einen Vollsortimenter bauen will. Am Montag fiel nun auch der Beschluss, die baurechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen.
Aus dem Gemeinderat Schiltach
vor 21 Stunden
Insgesamt stellte die Stadt im vergangenen Jahr für das laufende Kindergartenjahr 2017/18 einen Bedarf von 154 Kindergarten- und 40 Krippenplätzen fest. Die Anzahl der Plätze steigt in der Bedarfsplanung 2018/19 auf insgesamt 164 Kindergarten- und 48 Krippenplätze, hatte der Gemeinderat am...
Aus dem Gemeinderat Schiltach
vor 21 Stunden
Die Stadtwerke Schiltach bewirtschaften  die Betriebszweige Wasserversorgung, Nahwärmeversorgung und Energieerzeugung, die zusammengerechnet einen Gewinn in Höhe von 26 857,83 Euro für das Abrechnungsjahr 2017 erwirtschaftet haben, erläuterte Stadtkämmerer Herbert Seckinger dem Gemeinderat im...
Wolfach
16.10.2018
Höhere Zuschüsse seitens des Landkreises an die Kommunen für die Schülerbeförderung, hatten Wolfachs Gemeinderat und die CDU-Kreistagsfraktion bereits im Juli gefordert. Jetzt gibt es Rückendeckung: Auch die Freien Wähler im Kreis fordern nun eine Anhebung des Beitrags.