Jahresschlussübungen der Feuerwehren

Retter meistern knifflige Übungsszenarien

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30. Oktober 2018

(Bild 1/6) Die Wolfacher Feuerwehr (links) probte bei Klio-Eterna. Besondere Herausforderung: die Rettung eines Verletzten von einem der hohen Silos. ©Markus Knupfer

Mit unterschiedlichen Konzepten trainierten übers Wochenende die Feuerwehren in Wolfach, Haslach, Schiltach, Hofstetten und Steinach bei den Herbstübungen ihre Schlagkraft. 

Wolfach

Aus dem Gebäude der als Übungsobjekt auserkorenen Firma Klio-Eterna stiegen bereits bedrohliche Rauchwolken. Die Übungsannahme: Eine Verpuffung in der Produktion, mehrere Arbeiter waren in der verrauchten Halle eingeschlossen. Ein Verletzter lag oben auf einem der Silos. Mit 74 Rettungskräften und zwölf Fahrzeugen war die Feuerwehr mit den Abteilungen Wolfach, Kinzigtal und Kirnbach im Einsatz, der DRK-Ortsverein mit acht Kräften und zwei Fahrzeugen. Die Jugendfeuerwehr mimte die insgesamt zwölf Verletzten.

Rettung einer Person aus zehn Metern Höhe

An erster Stelle stand die Personenrettung. Unter Atemschutz drang die Wehr in die verrauchte Halle ein, die sogleich mit einem Gebläse mit Frischluft versorgt wurde. Die Eingeschlossenen mit Rauchvergiftungen wurden zur Erstversorgung zum DRK-Zelt gebracht.

Als schwierig gestaltete sich die Rettung des Verletzten vom mehr als zehn Meter hohen Silo. Er wurde mit Hilfe eines Rettungsschlittens und einer Leiter abgeseilt. Besonderer Lohn bei der Manöverkritik: Klio-Chefin Edeltraud Syllwasschy spendete zum Dank für die Übung 500 Euro zugunsten des Feuerwehr-Fördervereins. (Autor: Andreas Buchta)

Haslach

Zwei Schwerpunkte hatte die Gesamtprobe der Feuerwehrabteilung Haslach an der Markthalle am Donnerstagabend: Während die Atemschutzträger Menschenrettung und Vorgehen im Innenangriff trainierten, galt es für die zweite Gruppe, die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen zu üben.

Dichter Nebel war schon auf der Anfahrt zur Markthalle zu erkennen. Mit zwei Nebelmaschinen war dafür gesorgt worden, dass kaum Sicht und Orientierung für die Atemschutzgeräteträger gegeben war. Während die einen Trupps von der Nordseite aus die ebenerdigen Räume im Bereich der Toilettenanlagen absuchen mussten, erhielten die Trupps von der Ostseite die Aufgabe, im Obergeschoss die Räume abzusuchen.

Anschließend mussten sie ihrem Gruppenführer Rückmeldung geben und die Räume auf einem Flipchart skizzieren. 

Parallelübung mit eingeschlossenen Personen im Auto

Auf der Südseite mussten parallel dazu zwei Personen aus einem Unfallauto gerettet werden. Nachdem der erste Kontakt zu den »Verletzten« hergestellt war, wurde mit hydraulischem Rettungswerkzeug wie Schere, Spreizer und Stempel das Fahrzeug so weit geöffnet, dass eine schonende Rettung möglich war. Kommandant Stefan Possler zog ein positives Fazit. (Autor: Markus Knupfer)

Steinach 

Gleich doppelt wurde am Samstag bei der Feuerwehr Steinach geprobt. Den Anfang machte die Jugendfeuerwehr am frühen Nachmittag am Kindergarten. Eltern und Kindergartenleiterin Birgit Anton verfolgten die Übung. Das Szenario: Bei Wartungsarbeiten an der Heizung kam es zu einem technischen Defekt, wobei eine Person verletzt wurde.

Jugendrotkreuz und Jugendfeuerwehr arbeiten Hand in Hand

Das ganze Gebäude war stark verraucht, vier weitere Personen werden im Gebäude vermisst und müssen gesucht werden. Aufgrund der Größe des Gebäudes musste eine zusätzliche Wasserversorgung vom offenen Gewässer aufgebaut werden. Das Jugendrotkreuz versorgte nach der Bergung durch die Jugendfeuerwehr insgesamt sieben »verletzte« Kinder. Fiktive Brandwunden, eine Platzwunde am Kopf, Schock und Rauchgasvergiftung mussten die jugendlichen Rotkreuzler behandeln. Alle meisterten zur Zufriedenheit der aufmerksamen Zuschauer ihre Aufgaben.

Hackschnitzellager brennt und holt die Gesamtwehr Steinach auf den Plan

Pünktlich um 15 Uhr wurde dann die Gesamtwehr Steinach mit ihren Abteilungen Steinach und Welschensteinach alarmiert. Auch die Drehleitermannschaft der Feuerwehr Zell und der Steinacher DRK-Ortsverein waren im Einsatz. Übungsobjekt war die Zimmerei Hansmann im Gewerbegebiet Interkom.

Einsatzleiter war Sven Asmus. Die Übungsannahme: Bei Wartungsarbeiten kam es zu einem technischen Defekt der Hackschnitzelanlage. Die Anlage geriet in Brand, das Feuer griff schnell auf das Hackschnitzellager sowie den Lagerplatz für die Paletten am linken Gebäudeteil über.

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Ordnung durch Einteilung in Übungsabschnitte 

Die Werkhalle war dadurch komplett verraucht, mindestens vier Mitarbeiter befanden sich in der Halle oder im Obergeschoss und mussten gerettet werden. Die Übung war in drei Abschnitte eingeteilt. Für den ersten Abschnitt – Menschenrettung, Brandbekämpfung – war die Steinacher Abteilung federführend, für den zweiten – Wasserversorgung, Verkehrsabsicherung – die Welschensteinacher Abteilung.

Der dritte Abschnitt, die Verletztenversorgung, war Sache des DRK. (Autor: Gotthard Müller)

Hofstetten

Mit 24 Mann war die Feuerwehr Hofstetten am Samstag bei ihrer Herbstübung beim Pfarrhaus im Einsatz. Das Alarmstichwort lautete: Gebäudebrand. Einsatzleiter Andreas Griesser zeigte sich mit dem Ablauf rundum zufrieden.

Zahlreiche Beobachter verfolgten die Übung, deren Szenario Kommandant Peter Neumaier über Lautsprecher erläuterte: Ein technischer Defekt in der Heizungsanlage im Untergeschoss hatte einen Brand ausgelöst. Eine Kindergruppe des Kolping wurde durch die starke Rauchentwicklung in den Gruppenräumen im Obergeschoss eingeschlossen. 

Wärmebildkamera im Einsatz

Starker Rauch drang aus dem Gebäude, als die Wehr anrückte. Die Tür zum Untergeschoss musste aufgebrochen werden. Der Wassertrupp verlegte eine Saugleitung zum nahegelegenen Salmensbach, außerdem wurde die Straße gesperrt. Der Angriffstrupp durchsuchte mit acht Atemschutzmasken und einer Wärmebildkamera das Untergeschoss nach möglichen weiteren Verletzten. Die vier Kinder aus dem Obergeschoss wurden über eine Leiter durch ein Fenster befreit. Anschließend wurden die Geretteten in sicherem Abstand vom Brandherd versorgt und betreut. (Autorin: Sybille Wölfle) 

Schiltach

Mit sieben Fahrzeugen hatten die 41 Feuerwehrkameraden ihre ganze Ausstattung im Einsatz beim ehemaligen Flüchtlingswohnhaus »Vor Ebersbach 39«. Das städtische Gebäude für mehrere Familien steht zum Abriss und war deshalb ideal für die Jahresabschlussübung in Schiltach. Mit von der Partie waren zehn Helfer und zwei Fahrzeuge des DRK Schiltach/Schenkenzell.

Niedriger Wasserstand macht Löschwasserversorgung schwierig

Wenn es derzeit tatsächlich im Flößerstädtle brennen sollte und für die Löscharbeiten Wasser aus der Schiltach benötigt wird, wird’s für die Feuerwehr-Einsatzkräfte problematisch: Wegen des niedrigen Wasserstands im Fluss und des sich ansammelnden Laubs musste das Sieb des Ansaugstutzens öfters gesäubert werden, was wiederum die Wasserzufuhr für kurze Zeit unterbrach.

Die circa 500 Meter lange Schlauchleitung bis zum Brandobjekt forderte die Kameraden ebenfalls heraus, wenngleich im Ernstfall auch Wasser aus einem näher gelegenen Trinkwasserhydrant hätte angezapft werden dürfen. 

Kameraden rücken mit Löschwasser gefüllten Schläuchen vor

Vier Personen waren bei der Alarmierung als vermisst gemeldet. Das Feuer aus unbekannten Gründen und Rauch breiteten sich schnell über alle Stockwerke aus.

Insgesamt vier Atemschutztrupps drangen mit Löschwasser gefüllten Schläuchen ins Gebäude ein, was sich wegen des Gewichts als schwierig erwies, und suchen systematisch in den Wohnungen nach Personen. Mit dem Hebeeisen stemmen sie Türen auf und stießen in einem Fall unverhofft auf eine weitere zusätzlich mit Spaxschrauben verschlossene Holztür.

Kommandant Harry Hoffmann war allerdings in seiner abschließenden Manöverkritik mit dem Ablauf der Übung sehr zufrieden. (Autor: Lothar Herzog)

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