Hausach/Oberwolfach

Romy ist das neue »Bärenkind«

Claudia Ramsteiner
Lesezeit 5 Minuten
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18. Oktober 2014

Die dreijährige Romy Nock aus Oberwolfach ist das Hausacher Bärenkind 2014. Mit ihr freuen sich die Eltern Lucia und Markus sowie die Geschwister Anja und Theo auf eine spannende Zeit als »Bärenfamilie«. ©Claudia Ramsteiner

Hausach hat wieder ein Bärenkind. Das Forum Hausach entschied sich für die dreijährige Romy. Der kleine Sonnenschein der Oberwolfacher Familie Nock kam mit einem Down-Syndrom zur Welt. Sie wird nun ein Jahr lang, und ganz besonders in der Adventszeit, im Mittelpunkt vieler Aktionen stehen.

Sie ist das Strahlekind der Familie und »Papas Goldstückle«: Romy Nock, drei Jahre alt, ist das »Hausacher Bärenkind 2014«. Als ihre Mama Lucia Nock zum dritten Mal schwanger war, war alles wie schon bei Anja (fast 11) und Theo (4). Ganz ohne Komplikationen, nichts deutete darauf hin, dass ihr drittes Kind ein Chromosom zuviel haben könnte. »Ich war völlig sorglos, und das hat sich sicher auch auf das Kind positiv ausgewirkt«, blickt Lucia Nock heute zurück. Und sie ist sich gemeinsam mit ihrem Mann Markus sicher: Sie hätten sich auch für Romy entschieden, wenn sie damals gewusst hätten, was sie heute wissen – und sie würden sich immer und immer wieder für das Leben entscheiden.

Als Romy zur Welt kam, fiel der glücklichen Mama nur eines auf: Der Greifreflex fehlte. Am nächsten Tag äußerte die Frauenärztin den Verdacht auf Down-Syndrom, den der Kinderarzt wenige Stunden später bestätigte. Eine Laune der Natur bescherte ihrem Kind ein Chromosom zuviel – mit fatalen Folgen. »Natürlich fielen wir zuerst einmal in ein Loch«, gestehen die Eltern. Sie beweinten zunächst ihr Schicksal, während ihre Älteste die kleine Schwester im Arm hielt und strahlte: »Soooo süüüß!«  

Während sich Vater Markus zu Hause am Internet informierte, was dieses Down-Syndrom alles bedeuten könnte und Mutter Lucia in der Klinik nach Infomaterial lechzte, tat die erfahrene Stationsschwester in der Offenburger Josefsklinik das einzig Richtige: Sie brachte der verzweifelten Mutter ein Buch, in dem Eltern von ihrem Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom erzählen. Diese verschlang das Buch in einer Nacht und wusste: »Wenn die alle so große Freude haben mit ihren Kindern, werden wir das auch haben!«

Wenige Tage später folgte ein weiterer Schlag: Ihr Kind hatte auch einen schweren Herzfehler. Ohne Operation gaben ihm die Ärzte vielleicht gerade noch zwei Jahre. »Ich war krank vor Sorge, als wir unser Baby nach Freiburg brachten«, erinnert sich die Mutter. Doch es ging alles gut, sie durften ihre Romy gesund wieder mit nach Hause nehmen.

Natürlich macht ein behindertes Kind mehr Mühe. Die vielen Fahrten zur Therapie, die Therapiestunden zu Hause, alles geht bei Romy etwas langsamer als sie das bei ihren älteren Kindern gewohnt waren. Ihre Lebensqualität hat das dennoch eher positiv beeinflusst: »Man setzt andere Prioritäten. Lieber nur zweimal statt viermal im Jahr Fenster putzen und sich dafür intensiver um die Kinder kümmern«, sagt Lucia Nock. Und wenn ihr Mann abends von seiner Zimmerei heimkommt, zählen auch für ihn nur noch die Kinder.

Sie erfahren wie viele andere Eltern mit behinderten Kindern, dass man sich manchmal ordentlich auf die Hinterfüße stellen und für seine Rechte kämpfen muss. Seit September fährt Romy stolz mit ihrem großen Bruder im Kindergartenbus zum St.-Josefs-Kindergarten im Ortsteil Walke. Bereits im Dezember hatten die Eltern Eingliederungshilfe beantragt.

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15 Stunden wurden in Aussicht gestellt. Irgendwann erfuhren sie vom Kindergarten, dass es nur zehn Stunden mit einem »Bufdi« sein sollten. Das Landratsamt hielt es nicht einmal für notwendig, sie selbst darüber zu informieren.

Die Frühförderstelle in Haslach und der Club 82 stärkte ihnen den Rücken. Als Lucia Nock klar wurde, wie wichtig eine Fachkraft als Eingliederungshilfe ist – gerade weil die Erzieherinnen in ihrem Kindergarten noch keine Erfahrung mit Kindern wie Romy hatte – telefonierte sie stundenlang und ging den Behörden gehörig auf die Nerven. Bingo: Romy bekommt nun zehn Stunden in der Woche eine Fachkraft an die Seite und vorerst für ein halbes Jahr zusätzlich eineinhalb Stunden eine Heilpädagogin.

Romy steht um 6 Uhr mit den Eltern auf, um 7 Uhr ist erst einmal Gymnastik, Turnen und Logopädie angesagt, bis um 8.30 Uhr der Kindergartenbus fährt. Dreimal im Jahr fährt Lucia Nock mit ihrer Tochter zwei Wochen lang täglich ins Therapiezentrum nach Baiersbronn. Dort gäbe es auch ein Zimmer für sie – aber schließlich will sie nachmittags für ihre anderen beiden Kinder wieder daheim sein.

Während viele von Inklusion reden, ist diese in Oberwolfach selbstverständlich. Romy hat im Mutter-Kind-Turnen das Laufen gelernt, sie tanzt in der Kindervolkstanzgruppe, die ihre Mutter leitet, und im Kindergarten wurde sie von den anderen Kindern und von den Erzieherinnen liebevoll aufgenommen. Ihre Erzieherin und ihre Betreuerin vom Club 82 passen vieles im Kindergartenalltag auf Romys Bedürfnisse an.

Theo und Anja sind als »Bärengeschwister« gespannt, was da auf die Familie nun zukommen wird. Den Eltern fiel die Entscheidung schwer. Doch sie ließen sich davon überzeugen, dass nicht die Spenden im Fokus stehen, sondern die Tatsache, behinderte Kinder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken.

Ihre »Bärenkind-Mappe«, in der die Entwicklung von Romy beschrieben wird, schließt mit einem Ausblick: »Wir wünschen uns von ganzem Herzen, dass  Romy immer kleine und große Schritte nach vorne macht! Vielleicht kann sie irgendwann ein recht selbständiges Leben führen. Aber bis dorthin ist es noch ein weiter Weg. Dieser Weg wird mit viel Kraft, Durchhaltevermögen, einigen Hochs und Tiefs aber hoffentlich mit ganz viel Lachen und Lebensfreude verbunden sein. Wir werden Romy immer unterstützen und begleiten, dass sie ihr Ziel erreichen kann!«

Stichwort

»Bärenkind«

Die Hausacher »Bärenkinder« haben ihren Namen vom »Hausacher Bärenadvent«, den es in der ursprünglichen Form schon nicht mehr gibt. Beibehalten wurde aber die soziale Aktion: Jedes Jahr wird ein behindertes oder krankes Kind der Region zum »Bärenkind « gekürt. Der Erlös aus den jährlich neu aufgelegten »Anne-Maier-Bären« (die im vergangenen Jahr verstorbene Anne Maier war die Initiatorin der Aktion) kommt der Familie zugute, inzwischen gibt es jedes Jahr auch viele Aktionen von Firmen und Vereinen der Region für das jeweilige »Bärenkind«.

Die Spenden sind zwar eine wohltuende Hilfe für Familien, die mit einem behinderten Kind mehr finanzielle Belastungen haben als andere. Alle bisherigen Eltern von Bärenkindern bestätigten aber, dass die öffentliche Aufmerksamkeit für sie und ihre Kinder noch weit wertvoller war.

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