Hausach/Wolfach

Scheidung: Gemeinschaftsschule konzentriert in Hausach

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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27. März 2017

Nach knapp zwei Jahren wird die »Ehe Gemeinschaftsschule« zwischen Hausach und Wolfach wieder geschieden. In beiden Gemeinderatsgremien steht die Aufhebung der Vereinbarung am Mittwoch, 5. April, auf der Tagesordnung. ©Collage Christel Stetter

Die Gemeinderäte von Hausach und Wolfach werden schulisch wieder getrennte Wege gehen. Die Gemeinschaftsschule bleibt in Hausach, in Wolfach wird die Werk-ralschule noch abgewickelt – dann bleiben Grundschule, Förderschule und Realschule mit Option Hauptschulabschluss.

Als die beiden Partner Hausach und Wolfach am 17. Juni 2015 ihren »Ehevertrag« unterschrieben – genannt »öffentlich-rechtliche Vereinbarung über die Einrichtung und Unterhaltung der Gemeinschaftsschule Hausach-Wolfach« – gingen beide von einer sinnvollen Zweckehe aus. »Zum damaligen Zeitpunkt war diese Vereinbarung für die Sicherung des schulischen Angebots in unserer Raumschaft absolut sinnvoll und richtig«, äußern die Bürgermeister Manfred Wöhrle (Hausach) und Thomas Geppert (Wolfach) in der Sitzungsvorlage zu den Gemeinderatssitzungen am Mittwoch, 5. April.

Die Zweckehe wird wieder geschieden

An diesem Tag wollen die Gemeinderäte beider Kommunen offiziell beschließen, was sie intern bereits gemeinsam erörtert und verabredet haben: Die Zweckehe wird wieder geschieden. Wie so oft in einer Ehe haben sich die Dinge völlig anders entwickelt als zunächst vorausgesehen. Es wird eine friedliche Scheidung im gegenseitigen Einvernehmen geben, und das Wichtigste: Beide Partner wollen weiterhin das »Sorgerecht« für die Schüler der Region verantwortlich ausüben.

Die Bildungslandschaft ist sehr in Bewegung, und gerade auch mit Blick auf die räumliche Situation und die erforderlichen Baumaßnahmen in beiden Kommunen sei es nun wichtig, eindeutig zu klären, an welchen Standort die Gemeinschaftsschüler künftig beschult werden.

In der Vereinbarung war eine »horizontale Teilung« vereinbart: Die Klassen fünf bis acht sollten in Hausach beschult werden, die Klassen neun und zehn in der Außenstelle Wolfach. Zwei Entwicklungen waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht erkennbar: dass die Gemeinschaftsschule so begehrt ist, dass die Anmeldezahlen dauerhaft an der Obergrenze der Dreizügigkeit liegen – und dass auch die Realschulen einen Hauptschulabschluss anbieten können.

Simone Giesler, die Schulleiterin der Gemeinschaftsschule, ist froh, dass das nun »endlich öffentlich entschieden wird«. Sie führt viele pädagogische und schulorganisatorische Gründe ins Feld, die für die Auflösung der gemeinsamen Vereinbarung sprechen:

◼ Durchgängiges Bildungsganzprinzip:

In dieser Schulgröße gewährleistet die Umsetzung an einem Standort Kontinuität und Planbarkeit. Es erfolgt kein Einschnitt in den Abschlussklassen.

◼ Inklusion:

Neben räumlichen Aspekten müssen auch personelle Veränderungen mitbedacht werden (Sonderpädagogen an beiden Standorten, Schulbegleitungen, pädagogische Konzepte . . .). Das Hausacher Schulhaus wird barrierefrei erschlossen, in Wolfach  müsste dies noch geschehen.

◼ Kooperationen

Kooperationen mit dem Robert-Gerwig-Gymnasium oder dem Wirtschaftsgymnasium wären möglich.

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◼ Lehrerversorgung:

Lehrerausfälle sind an einem Standort besser aufzufangen, es erleichtert auch (jahrgangsübergreifende) Gruppenbildungen.

◼ Zusätzliche Angebote:

AGs und außerunterrichtliche Antebote können durch eine höhere Schülerzahl vielfältiger angeboten werden.

◼ Fachraumsituation:

Am Standort Hausach können Räume des RGG und der KSH mitgenutzt werden, in Wolfach müssten naturwissenschaftliche Räume mit gymnasialem Niveau eingerichtet werden.

◼ Ganztagsstrukturen:

Mensa, »Chill«- und Bewegungsräume« sind in Hausach vorhanden und könnten auf für die Klassenstufen neun und zehn im »Schichtbetrieb« bei unterschiedlicher Mittagsbandtaktung genutzt werden.

◼ Verwaltung:

In Wolfach steht derzeit für die Graf-Heinrich-Schule nur ein Zimmer mit 15 Quadratmetern zur Verfügung. Bei Beschulung von sechs Klassen, darunter drei Abschlussklassen, müssten Rektorat, Skretariat, Lehrerzimmer, Sozialräume und Infrastruktur meden an beiden Standorten eingerichtet werden.

◼ Schülerbeförderung:

Da besteht jetzt schon Handlungsbedarf. Simone Giesler spricht von einem »Kollaps«, wenn 160 Schüler mehr allein zwischen Hausach und Wolfach befördert werden müssten. Die zumutbaren Beförderungs- und Wartezeiten müssten für das gesamte Einzugsgebiet neu beleuchtet werden. 

Stichwort

Hausach

Hausach steht am Beginn der Planung für die Erweiterung der Graf-Heinrich-Schule. Jetzt kann die Unterbringung der neunten und zehnten Klassen noch in das Baukonzept eingearbeitet werden. Dadurch werden laut Sitzungsvorlage der Stadt Hausach allerdings sechs weitere Klassenzimmer notwendig. 
Das bedeutet auch höhere Folgekosten und zunehmende Schwierigkeiten, auch den Sportunterricht unterzubringen. Hausach wird für die Dauer von zwei Jahren zwei weitere Schulcontainer benötigen.

Stichwort

Wolfach

In Wolfach könnten die Klassen neun »und wohl auch zehn« vorerst nur in Containern unterrichtet werden, es fehlt an Fachräumen. Auch in Wolfach muss – auch wenn die Gemeinschaftsschule nicht kommt – erheblich investiert werden für den Ausbau der Realschule mit neuem Konzept und für die Grundschule, für die der Ausbau zu einer Ganztagsgrundschule im Raum steht. 
Die abgeschlossene Vereinbarung über die Werkrealschule soll bis zum Auslauf dieser Schulart an beiden Standorten erhalten bleiben. Anschließend würde die Herlinsbachschule zur Grundschule. In Wolfach gibt es aber die Möglichkeit, an der Realschule den Hauptschulabschluss oder den Mittleren Bildungsabschluss abzulegen. 

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