Hornberg/Gutach

Schlechte Zeit für „Herr Zeit“: Zu wenig Kunden für Gutach

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03. Juni 2020

Jürgen Herr hat in Niederwasser gut zu tun mit der Bedienung des Internetgeschäfts. Die Eröffnung der „Herr Zeit“ in Gutach wird ohne große Feier nach und nach an den Wochenenden erfolgen. ©Claudia Ramsteiner

Eigentlich wollte Jürgen Herr sein Uhrengeschäft mit Schauwerkstatt zum Saisonbeginn des 
Freilichtmuseums Vogtsbauernhof in Gutach eröffnen. Wir fragten nach, was aus den Plänen geworden ist. 

Die Corona-Pandemie hat viele Pläne durcheinandergewirbelt. Auch die von Jürgen Herr, der vor das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof ein Gebäude erstellt hat, das wohl im ganzen Schwarzwald seinesgleichen sucht: 1200 Quadratmeter Grundfläche, vier Stockwerke bis zum First, 850 Kubikmeter Holz sind dort verbaut. Zunächst hatte sich durch die Genehmigungsbürokratie vom Schall- über den Brandschutz bis zum geologischen Gutachten der Baubeginn ordentlich verzögert.
Im August 2018 wurde der erste Spatenstich gefeiert, im November vergangenen Jahres die Eröffnung von „Webers Esszeit“. Christian und Martina Weber wollten, dass hier „alle Rädchen wie geschmiert ineinander laufen“, bevor die täglichen Bustouristen von „Herr Zeit“ kommen. Und zur Saisoneröffnung des Freilichtmuseums Vogtsbauernhof sollte auch hier groß Eröffnung gefeiert werden.

Und dann hat ein kleines Virus die großen Pläne in die Zukunft verschoben. „Uns geht’s noch gut, wir kämpfen“, sagt Jürgen Herr im Telefonat mit dem Offenburger Tageblatt und klingt angesichts der Lage sehr entspannt. Das Geschäft in Gutach sei fertig, aber er werde dort noch nicht einziehen. Auch der Laden in Triberg sei derzeit geschlossen. „Von den deutschen Touristen können wir nicht leben. Nicht einmal von den Europäern. Wir brauchen die Asiaten und die Amerikaner“, sagt der Kuckucksuhrenexperte. 

Busse bleiben aus

Jürgen Herr ist die siebte Generation der Schwarzwalduhrendynastie Herr. Die Familientradition aus Schonach wird seit 1977 im „Haus der Schwarzwalduhren“ in Hornberg-Niederwasser fortgesetzt. Vater Adolf Herr entwickelt immer wieder neue Designs und erfindet neue Bewegungen. Jede Uhr wird im Haus der Schwarzwalduhren konzipiert, von Hand zusammengebaut und anschließend von Adolf Herr handsigniert. 
Normalerweise kommen täglich Busse voller Gäste von den Kreuzfahrtschiffen am Rhein, bekommen bei Herr eine Vorführung, eine Verköstigung und machen nach dem Einkaufsbummel wieder Platz für die nächsten. Viele Reisegesellschaften mussten allerdings wegen des beengten Platzes abgelehnt werden. Diesem Problem wollte Herr mit dem Neubau in Gutach entgegenwirken.

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Und nun ist der prächtige Bau fertig – und es gibt weder Kreuzfahrten auf dem Rhein noch Busfahrten. „Bis Weihnachten ist alles storniert“, sagt Jürgen Herr. Es sei wirtschaftlich Unsinn, Verkaufspersonal in Gutach und in Triberg einzusetzen: „Es hat zwar Leute, aber nur die, die schauen, nicht die, die kaufen“, so seine Erfahrung.

„Pech gehabt“, stellt der Herr der Kuckucksuhren lapidar fest. Der Grund, weshalb er dennoch sehr zuversichtlich in die Zukunft blickt, ist das Internetgeschäft, das „sehr gut läuft und uns über die Zeit trägt“. Das Geschäft in Niederwasser ist noch geöffnet, „da sind wir ja eh da“. Dort befindet sich die Produktion, von dort aus werden das Internet und normalerweise auch die Läden bedient. Und das wird auf jeden Fall auch so bleiben, auch wenn die „Herr Zeit“ in Gutach geöffnet ist.

Keine Eröffnungsfeier

„Wir werden vielleicht ab und zu am Wochenende dort mal öffnen, um zu testen. Unter der Woche ist auch im Museum derzeit nichts los“, sagt Jürgen Herr. Eine Eröffnung werde aktuell aber auf jeden Fall nicht gefeiert. „Webers Esszeit“ steht wieder täglich für die Gäste offen. Familie Weber habe es zum Glück sehr gut verstanden, die Einheimischen der ganzen Region für ihre Gastronomie zu begeistern, ist er froh, dass auch sie nicht zwingend auf die vorerst ausbleibenden Gäste der Kreuzfahrtschiffe angewiesen sind.  

www.haus-der-schwarzwalduhren.de

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