Seit 90 Jahren

Seit 1829 prägt Pfarr- und Wallfahrtskirche Bad Rippoldsau

Autor: 
Franz Schmid
Lesezeit 5 Minuten
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09. Oktober 2019

So sah es im Inneren der Bad Rippoldsauer Kirche um 1922 aus. ©Repro: Franz Schmid

Seit 190 Jahren steht die Bad Rippoldsauer Kirche, gebaut von 1827 bis 1829 vom Architekten Christoph Arnold ganz im Stil der Zeit – bestimmt also von Symmetrie, Solidarität, Zweckmäßigkeit und klaren Proportionen.

Vor 190 Jahren wurde die katholische Kirche  in Bad Rippoldsau an der Stelle gebaut, wo vor rund 800 Jahren die erste Kapelle des Benediktinerpriorats St. Nikolaus erstellt wurde. Nach der Auflösung des Klosters in der Säkularisation 1802 vergingen einige Jahre bis zur Einrichtung einer selbständigen Pfarrei.

Die Anfänge von Rippolds­au gehen sehr weit zurück, ein genauer Gründungszeitpunkt ist aber nicht bekannt. Fest steht, dass das Kloster Rippolds­au seinen Ursprung den Mönchen der 1083 gestifteten Abtei St. Georgen verdankt. Vor 1139 wurde die „Cella St. Nicolai“– Zelle des heiligen Nikolaus – aber nicht gegründet. In diesem Jahr bestätigte Papst Innozenz alle Besitzungen des Klosters „St.Georgen“, von Rippolds­au ist noch nicht die Rede. Dagegen wurden bei der erneuten Schirm­urkunde durch Papst Alexander III. 1179 schon an dritter Stelle die Besitzungen auf dem Gebiet von Rippoldsau aufgeführt. Die Mönche, die vom Abt von St. Georgen in das entlegene Kloster entsandt wurden, hatten im Oberen Wolftal die kleine Gemeinde mit Taglöhnern seelsorgerisch zu betreuen.

Die Klosterpfarrei gehörte zum Dekanat „Kirnbach sive Sulz“ in der Diözese Kon­stanz, wie aus Aufzeichnungen von 1275 zu entnehmen ist. 100 Jahre später gehörte die Rippoldsauer Klosterpfarrei zum schwäbischen Dekanat Rottweil. Im Geroldsecker „Brüderstreit“ hatten die Mönche und Rippoldsauer Talbewohner von 1430 bis 1434 Misshandlungen, Brandschatzungen und Räubereien zu erdulden. Dem Gotteshaus wurde ein hoher materieller Schaden zugefügt.
1540 unter Graf Wilhelm von Fürstenberg wurden die Mönche in Rippoldsau enteignet, die Klostergüter an Private verkauft und die Benediktiner vertrieben. Selbst die Glocken ließ der Graf zu Geschützen umgießen. Der Bruder und Nachfolger von Graf Wilhelm unternahm verschiedene Rückkäufe, und das Priorat kam bald wieder zu seinem alten Besitzstand.

Eintrag in Kirchenbücher ab 1658

Während die wirtschaftlichen Sorgen behoben waren, fehlte es an Mönchen, sodass sich der Abt 1591 gezwungen sah, die Verwaltung und die Seelsorge dem Geistlichen von Schapbach zu übertragen. 1577 zogen in das erneuerte Kloster wieder Benediktiner ein. 1658 beginnen die Eintragungen in die Kirchenbücher. Zu der Klosterpfarrei gehörten die Familien im Reichenbach, zwei Häuser im Obertal, zwei Taglöhnerfamilien beim Kapuzinerfelsen und dazu noch Taglöhner im Seebach. Nicht dazu gehörte der Holzwald, beginnend mit dem Bad, und das Untertal. Somit mussten die Holzwälder sonntags nach Schapbach zur Messe.

Der verfaulte Holzturm musste 1746 erneuert werden. Er erhielt ein quadratisches Fundament und war im oberen Drittel in einem Achteck weitergeführt. Ein schmiedeeisernes Kreuz krönte die barocke Kuppel. Auch die Kirche wurde renoviert und bekam 1762 einen neuen Hochaltar. 1768 hatte der Abt sieben neue Glocken genehmigt. 1769 stiftete er noch ein neues Uhrwerk. 20 Jahre lang wurde nicht mehr gebaut, so war die Kirche 1791 in einem bedenklichen baulichen Zustand.Mit der Säkularisation ging die Sorge um den baulichen Zustand des Kloster und Pfarrei in andere Hände über. Die großherzoglich badische Regierung hat dann 1813 den Turm mit Schindeln eindecken lassen.

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Pfarrgrenze seit 1822

1819 traf man sich in Rippolds­au erneut zu einer Konferenz. Die Holzwälder klagten über den Zustand, dass sie immer noch am „Klösterle“ vorbei nach Schapbach zur Kirche gehen müssen. 1822 setzte das badische Innenministerium die Pfarrgrenzen Rippoldsau fest, wie sie heute noch bestehen. 

In einer 1820 verfassten Denkschrift hieß es: „Schon dermalen ist das Kirchlein von Rippoldsau, welches kaum 200 Seelen fasst, für die Pfarrgemeinde von 600 Seelen viel zu klein. Eine Vergrößerung ist, auch wegen der vielen ‚Kurgäste‘, ein dringendes Bedürfnis.“ Eine neue Kirche musste also gebaut werden. Man beauftragte den Weinbrennerschüler Christoph Arnold, geboren 1779, mit der Planung und übertrug ihm die Bauleitung.

Typischer Bau des Spätklassizismus

Der einschiffige Bau mit klaren Konturen und dem polygonalen, plastisch wirkenden Chor ist charakteristisch für seine Epoche und den Erbauer: geometrisch-kühl, ein typischer Bau des Spätklassizismus. Die Fassade wird beherrscht von den beiden mächtig hohen Türmen, die die zweigeschossige Halle umrahmen. 1829 wurde das Werk vollendet. 1953 begann Pfarrer Bernhard Zink mit einer großen Kirchen-Restaurierung, und die Beschaffung neuer Glocken erfolgte 1952. Die Gestaltung der Decke in Holz und die Erneuerung des Wandputzes waren am dringlich­sten. Die Beichtstühle, die bisher im Chor standen, wurden unter den Fenstern der Südseite untergebracht, und die übermäßig hoch gelegene Empore gesenkt und vom Kirchenraum ein Zugang geschaffen. Ein neues Orgelwerk, mit drei Manualen und 35 Registern, wurde genehmigt. 

Nach Abschluss der Restaurierung erhielt das Gnadenbild seinen Platz im Chorraum über dem Hochaltar. Ursprünglich befand sich die Statue in einem auf der Epistelseite abgelegten „Chörle und Rondell“. Seit 1956 steht Bad Rippoldsau unter dem Patronat der Mater Dolorosa, der Schmerzensmutter. Nebenpatron ist, allerdings kaum mehr gefeiert, der heilige Nikolaus.

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