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Mittleres Kinzigtal

Silvester mit Wunderkerzen und neuen Wellblech-Dächern

Der Jahreswechsel auf Haiti bei den Helfern und Waisen von Pwojè men kontre bietet Überraschungen
31. Dezember 2016
&copy Tobias Lupfer&copy Anke Brügmann

Laute Musik auf den Straßen, Wunderkerzen – und die Vorfreude auf eine gehaltvolle Kürbissuppe: Das Offenburger Tageblatt blickt zum Jahreswechsel gut 8000 Kilometer südwestlich nach Haiti zu den Helfern und Waisen von Pwojè men kontre.

Ob »Dinner for One«, Raclette, knallende Sektkorken oder leuchtendes Feuerwerk: Allesamt gehören diese Silvester-Klassiker für viele Kinzigtäler untrennbar zu einem gelungenen Jahreswechsel. Rund 8000 Kilometer südwestlich in der Karibik ticken die Uhren und Gemüter anders: Das Offenburger Tageblatt hakte nach, wie die Helfer und Waisen von Pwojè men kontre in Beaumont ins neue Jahr hinüber »rutschen« – und warum der Neujahrstag im Karibikstaat weit wichtiger ist.

Stilles Funkeln statt laute Böller

Einen hell erleuchteten Himmel und donnerndes Feuerwerk – für viele Europäer Inbegriff des Jahreswechsels – gibt es in Haiti nicht: Selbst die wenigen reicheren Le, die es sich leisten könnten, interessierten sich kaum für Feuerwerk, erklärt Ingrid Bräutigam, Kassiererin des Wolfacher Hilfsvereins. Ganz ohne Pyrotechnik wird die Nacht aber doch nicht bleiben: Wunderkerzen erfreuten sich großer Beliebtheit. »Und die Haitianer tanzen gern zu lauter Musik auf der Straße.«

Die Vorsitzende Anke Brügmann verbringt den Jahreswechsel in Beaumont. Für die Silvesternacht plant sie, mit einigen der älteren Waisenkindern auf einen der Berge im Umland der Stadt zu steigen, um das Funkeln von oben zu betrachten und selbst einige Wunderkerzen anzuzünden. 

Kürbissuppe zum Nationalfeiertag

Weit wichtiger als Silvester ist für die Haitianer der Tag danach: Der 1. Januar ist Haitis Nationalfeiertag, an dem das Land seine Unabhängigkeit von Frankreich feiert. 1804 wurde diese erklärt, 1825 schließlich auch anerkannt. Gefeiert werde die Unabhängigkeit auch gute 200 Jahre später vor allen Dingen kulinarisch: Kürbissuppe mit Fleisch und Gemüse sei das Gericht, das in Haiti fest zum Neujahrstag gehöre, berichtet Bräutigam. Denn erst mit der Unabhängigkeit hätten sich selbst einfache Haitianer endlich Fleisch und Gemüse leisten können. Außerdem sei der 1. Januar in Haiti traditionell ein Tag, an dem sich die Familien treffen.

Der kulinarische Brauch soll im Waisenhaus aufrecht erhalten werden, und so habe Brügmann die nötigen Zutaten fürs Fest besorgt. Obendrein habe die Vorsitzende in der Hauptstadt Port-au-Prince 1000 Decken gekauft, die zusammen mit anderen Kleinigkeiten den Familien der Schüler zugute kommen sollen, die mit den Waisen die Schule von Pwojè men kontre besuchen.

Karibische Nächte werden kühl

Denn auch wenn es tagsüber auch im Dezember gut 20 Grad Celsius hat in Beaumont werden die karibischen Nächte auf 670 Metern Höhe recht kühl. Die einfachen Häuser der bedürftigen Familien hätten keine Fensterscheiben. »Die Fenster sind einfach nur offen«, erklärt Bräutigam. »Und die Leute haben ein völlig anderes Empfinden von warm und kalt als wir Europäer.«

www.menkontre.de

 

Autor:
Tobias Lupfer

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Lage nach Hurrikan »Matthew«

Die Auswirkungen von Hurrikan »Matthew«, der Haiti und damit auch die Region Beaumont am 4. Oktober traf, sind weiter zu spüren. 

Unter anderem habe Vorsitzende Anke Brügmann Wellblech organisiert, mit dem inzwischen die Dächer von 50 Gebäuden in der Nachbarschaft von Waisenhaus und Schule wieder gedeckt worden seien, berichtet Kassiererin Ingrid Bräutigam. Die wenigen Handwerker, die es gebe, hätten alle Hände voll zu tun – und die Preise, auch fürs Baumaterial, stiegen durch die hohe Nachfrage.

Handfeste Arbeit steht den Helfern nach dem Jahreswechsel bevor: Im Januar beginne die Pflanzzeit. »Matthew« hatte auch die Landwirtschaft von Pwojè men kontre hart getroffen. Dennoch gebe der Verein auch Saatgut an die abgelegenen Bergdörfer um Beaumont ab, die von den großen Hilfsorganisationen oft vergessen würden. Für die Schule brauche es zudem Hefte und Bücher. 

Ein Pluspunkt für die Helfer: Der Hilfscontainer, der im August von Schapbach aus nach Haiti verschifft wurde, kam unmittelbar vor dem Hurrikan an – wurde aber erst nach dem Sturm entladen. So blieben die Hilfsgüter unversehrt. Der leere Container diene inzwischen als Lager. Der zweite Container, der im August gepackt wurde, steht allerdings immer noch in Deutschland: Abermals fehlten die nötigen Genehmigungen für die Einfuhr.

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