Hausach

Die Hausacher Stadtkapelle ist älter als geglaubt

Autor: 
Michael Hensle
Lesezeit 4 Minuten
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17. Januar 2019

Quittung für eine Trommel­reparatur 1800. ©Michael Hensle

Dem Hausacher Stadtarchivar Michael Hensle kommen immer wieder interessante Vorgänge in die Hände. Heute geht es um Belege für eine Hausacher Stadtkapelle, die älter sind als der Trommelfund, der zum 200. Jubiläum im vergangenen Jahr geführt hat.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen, heißt es im Volksmund. Und davon machte die Stadtkapelle Hausach bei ihrer 200-Jahr-Feier im vergangenen ausgiebig Gebrauch. Zurecht: Stützt sich die Stadtmusik doch auf in einer Trommel gefundenes Schriftstück von 1927, auf dem es heißt: »Diese Trommel ist verfertigt worden durch Sebastian Zederle, Sieb- und Trommelmachermeister in Freyburg am 28. März 1818.« Mit dem Jahr 1818 hatte man endlich eine Datierung für ein Gründungsjahr, das sich auch für Gründungsfeiern eignete. So zum Beispiel das 110-jährige Stiftungsfest und zugleich 6. Gaumusikfest des Kinzigtalgau-Verbandes 1928 in Hausach.

Nun ist das mit dem »Trommelfund« von 1927 so eine Sache, da damals schon die Stadtmusik als älter gehalten wurde. Es gibt einen weiteren »Trommelfund« vom 30. September 1800 in Form eines Quittungszettels für die Stadtrechnung 1800/01. In diesem mit »Conto« überschriebenen Zettel bescheinigt Weißgerber Bartholomeus Haas aus Wolfach: »Endts under schriebener hat zu der löblichen Statt Hausachen einen Trommelboden abgeben, welchen den Statt Tambor Joseph Ilg abgehollet«, und für den von Bürgermeister Severin Wernhör »anordirter Maßen 2 Gulden und 12 Kreuzer bezahlt worden ist«. 

Städtische Rechnungen

Also schon wieder ein Musikinstrument, eine Trommel, die nachweislich die Stadt bezahlt hat. Aber diesmal sind sogar Empfänger und Bestimmungszweck genannt: Stadttambour Joseph Ilg. Dieser hatte als Stadttambour öffentliche Bekanntmachungen und Nachrichten mit Trommelschlägen anzukündigen. Diese »Stadttrommler« wurden später durch die »Ausscheller« ersetzt. 

Dass die reparierte Trommel von 1800 nicht nur zur Verkündigung von Nachrichten, sondern als Musikinstrument benutzt wurde, sei dahingestellt. Viel wichtiger als die »Trommelfunde« von 1800 und 1927 sind weitere Belege aus den städtischen Rechnungen und auch Spitalrechnungen, die auf eine frühere Existenz der Stadtmusik verweisen. 

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Da ist zunächst ein Beleg von 1774 zu nennen, wonach vier Gulden »an Musikanten geben und verzöhrt« worden sind. Kontinuierliche Belege setzen jedoch erst in 1790er-Jahren ein. Sie stehen insbesondere im Zusammenhang mit der Abhaltung der Cäcilien- und Mauritiusfeste, wobei wiederum die Cäcilienfeiern sehr mit Kirchen-Musik verbunden waren. So wird in der Spital-Rechnung 1794/95 eine Ausgabe von Präceptor (Lehrer) Bredelin verbucht, »für die Musikanten am St.-Cäcilien-Tag« einen Gulden. Laut Stadtrechnung 1794/95 kostet die Verpflegung »fremder Musikanten« zum Mauritius-Fest zwei Gulden.

Weitere Belege

Der Begriff »fremde Musikanten« legt nahe, dass es auch einheimische gegeben haben muss. Und in der Tat rechnete gemäß Stadtrechnung 1798/99 Präceptor (Lehrer) Joseph Knupfer »für Ordnung der Musikalien auf dem dahiesigen Chor« drei Gulden ab. Mit dem Lehrer Joseph Knupfer betritt einer der wirkmächtigsten Persönlichkeiten für die Entwicklung der Stadtmusik Hausach die Bühne. 

In der Nachfolge von Präceptor Georg Anton Bredelin übernahm laut Stadtrechnung 1796/97 die Lehrerbesoldung in Höhe von 37 Gulden für Praeceptor Bredelin »In Abwesenheit des Bredelins – sein Sohn, der jetzige Lehrer Joseph Knupfer«. Dieser Quittungszettel von 1797 belegt nebenbei erstmals die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Joseph Knupfer und Georg Anton Bredelin, der 1778 die 40-jährige Witwe des Lehrers Aegydius Knupfer geheiratet hatte.

Joseph Knupfer wird ab 1796 treibender Motor der Hausacher Fest- und Stadtmusik. Knupfer bestreitet nicht nur, wie aus den Stadtrechnungen zu ersehen, den musikalischen Teil der Cäcilien- und Mauritiusfeste, sondern zeichnet auch fürderhin für die »Ordnung der Musikalien auf dem dahiesigen Chor« verantwortlich. Spätestens ab 1800 wird in den städtischen Rechnungen neben der dürftigen Lehrerbesoldung ein Zusatzbetrag für die »Besorgung der Musikalien« oder des »hiesigen Chors« angeführt. Präceptor Joseph Knupfer ist defacto zum ersten –  quellenkundlich nachweisbaren – Organisator und Leiter der Stadtmusik Hausach geworden. 

Mögen die Feste gefeiert werden wie bisher, eingedenk des »Trommelfunds« von 1927. Dank des Wirkens von Lehrer Joseph Knupfer könnte auch einige Jahre früher gefeiert werden. Und ein »Trommelfund« macht noch kein Gründungsjahr.

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