175. Kirchenjubiläum in Schiltach

Stadtkirche hält Gläubige beider Ortsteile zusammen

Autor: 
Andreas Morgenstern
Lesezeit 3 Minuten
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16. Mai 2018

Immer wieder wurde die Stadtkirche modernisiert. Die letzten Umbaumaßnahmen kam 2017 zum Abschluss. ©Archivfoto/Martina Baumgartner

Vor genau 200 Jahren spaltete sich Lehengericht von Schiltach ab. Eine neue, eigenständige Gemeinde erstand. Die evangelische Stadtkirche blieb allerdings stets die Klammer der Gläubigen beider Ortsteile - seit 175 Jahren.

Nach der Trennung 1817/18 von Schiltach bauten sich in Lehengericht nach und nach selbstständige Ortsstrukturen auf. Rasch hatte man nicht nur einen eigenen Bürgermeister und Gemeinderat, sondern durfte einige Jahre später stolz auf gemeindeeigene Schulen – je eine in Vorder- und Hinterlehengericht – verweisen. Die Kinder aus der Gemeinde und der Stadt Schiltach lernten sich nun nicht mehr in den Schulklassen kennen. So war Potential für ein Auseinanderleben zwischen Stadt und Umland gegeben.

Doch einige wertvolle Klammern für den Zusammenhalt blieben erhalten. So trafen sich die Bürger nicht nur auf dem Märkten und handelte vielfach miteinander, gerade der gemeinsame evangelische Glaube verband. Die Kirchengemeinde blieb vereint – der Pfarrer betreute weiterhin beide Orte. Die Kinder trafen sich in der Sonntagsschule und zum Gottesdienst begegneten sich weiterhin regelmäßig alle Gemeindeglieder in der Kirche. Feste wurden gemeinsam gefeiert und Probleme gemeinsam angepackt. Hier waren die Gesichter wieder zueinander gewandt.

Trennung der Gläubigen durch den Bau einer weiteren Kirche war nie Thema

Eine wirkliche Bewährungsprobe war der Neustart nach dem Kirchenbrand 1833. Im Grunde hätte sich Lehengericht nun ja trotz der gemeinsamen Gemeinde für eine eigene Kirche entscheiden können, da die Kirchenbaupflicht nicht bei der Kirchengemeinde, sondern bei der Kommune lag. Doch war diese weitere Trennung kein Thema, auch weil sich bei der weitläufigen Streugemeinde Lehengericht die Standortfrage einmal mehr schmerzlich gestellt hätte.

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Schiltach blieb das Zentrum in dem eine neue Kirche erstand. 1843, vor genau 175 Jahren, stand es dann da: das neue Gotteshaus, welches bis heute Schiltachs Stadtbild mitprägt. Wenigstens seine Glocken waren auch in Lehengericht weithin hörbar.

Immer wieder wurde die Kirche mit Modernisierungen auf den neuesten Stand der jeweiligen Zeit gebracht – wie die Umgestaltung des Altarraums, die nach den Kriegsverlusten neuen Glocken oder auch eine Erneuerung des Heizsystems. Gemeinsame Aktionen von Stadt und Land. So gedenken die Bürger in diesem Mai sowohl der kommunalen Trennung als auch der kirchlichen Einheit mit Jubiläen.

Trennung und Zusammenhalt liegen im Jubiläumsjahr nah beieinander

Auf das Lehengerichter Ortsfest folgt am Pfingstsonntag die Geburtstagsfeier der evangelischen Kirche. Das Zusammenfallen beider Daten ist Zufall, symbolisiert jedoch  das Spannungsverhältnis zwischen Gemeinschaft und Trennung zwischen Land und Stadt. Neben Distanz trat so immer auch Gemeinschaft. Schiltach und Lehengericht bewahrten sich ein Gemeinschaftsgefühl. Die evangelische Kirche ist so nicht allein ein Gotteshaus, sondern auch ein Symbol für den Zusammenhalt aller Gemeindeglieder. 

Info

175. Kirchenjubiläum

Der Festtag beginnt um 10 Uhr mit dem Festgottesdienst und endet mit einem musikalischen Ausklang um 16 Uhr. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es einen Sektempfang im Stadtgarten, mit Gratulanten aus der Zeit des Kirchenbaus und einem Interview mit Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, moderiert von Pfarrer Norbert Großklaus.

Zuvor predigt Cornelius-Bundschuh im Gottesdienst, dessen liturgische Leitung Dekanin Jutta Wellhöner hat. Das weitere Programm findet in der Kirche und um sie herum statt, es gibt kurze Kirchenführungen, ein Kirchenquiz, eine Fotoausstellung, die Gelegenheit für Kinder und Junggebliebene eine Kirche zu errichten und Kaffee und Kuchen sowie kühle Getränke auf dem Kirchenvorplatz.

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