»Es besteht Handlungsbedarf«

Steinacher Bürger gegen B-33-Abfahrt

Autor: 
Maria Benz
Lesezeit 5 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
07. März 2014
Seit mehr als zehn Jahren kämpft der Zweckverband »Gewerbegebiet Interkom Steinach / Raumschaft Haslach« für einen direkten Anschluss an die B 33.

Seit mehr als zehn Jahren kämpft der Zweckverband »Gewerbegebiet Interkom Steinach / Raumschaft Haslach« für einen direkten Anschluss an die B 33. ©Maria Benz

Der Steinacher Bürgermeister Frank Edelmann wehrt sich gegen Vorwürfe, dass das Interkommunale Gewerbegebiet ein reines Prestigeprojekt für ihn sei. Er ist davon überzeugt, dass Gewerbe- und Wohnentwicklung das Fundament für eine gesunde Gemeinde sind.

In Steinach kursiert derzeit ein Schreiben, indem sich Bürger an Staatssekretärin Gisela Splett im Landesverkehrsministerium wenden und Bedenken gegenüber einer Anbindung des Gewerbegebiets »Interkom« an die B 33 äußern. Dies und die immer wieder aufkommenden Proteste gegen eine Erweiterung des Gewerbegebiets waren für Bürgermeister Frank Edelmann Anlass, gestern zu einem Pressegespräch ins Rathaus einzuladen.

In dem Schreiben an die Staatssekretärin heißt es: »Beim anvisierten B-33-Anschluss geht es nicht um eine Verbesserung der Verkehrssituation in Steinach, sondern vorrangig darum, eine Option für die Erweiterung des Gewerbegebiets zu schaffen. Diese liegt vor allem im Interesse der Nachbargemeinden, welche ihr Gewerbe gewinnbringend auf Steinacher Gemarkung ansiedeln wollen, und im Interesse des Steinacher Bürgermeisters Edelmann, für den das Interkom ein Prestigeprojekt ist.« Diese Aussage deckt sich auch mit einigen Äußerungen von Bürgern bei Bürgerversammlungen und Gemeinderatssitzungen, die sich gegen eine Erweiterung des Gewerbegebiets ausgesprochen und sogar eine »Rückkehr zum Kirchturmdenken« gefordert hatten (wir berichteten).

Die grundsätzliche Ablehnung gegen das Konstrukt »Interkom« habe ihn überrascht, sagte Edelmann gestern. Dass darüber diskutiert werden müsse, wieviel Landschaft zugunsten der Industrie geopfert werden müsse, sei völlig klar – aber dass das ganze Konzept in Frage gestellt werde, sei etwas anderes. Ihm gehe es deshalb darum, zu zeigen, dass es notwendig sei, die Gemeinde durch die Entwicklung von Wohnen und Gewerbe voranzubringen.

Anhand umfangreicher Zahlen des Statistischen Landesamts hat der Rathauschef Steinach mit anderen Gemeinden des Oberen und Mittleren Kinzigtals verglichen – teilweise mit verheerenden Ergebnissen. Im Zeitraum zwischen 1992 und 2013 ist die Einwohnerzahl der Gemeinde um 5,2 Prozent gestiegen. Doch was sich grundsätzlich positiv anhört, relativiert sich beim Blick auf die anderen Kommunen. So hat Biberach, das ähnliche Grundvoraussetzungen hat, im selben Zeitraum eine Steigerung der Einwohnerzahl von 21,4 Prozent zu verzeichnen. Haslach bringt es auf 11,1 Prozent, Hofstetten auf 8,1 Prozent, Mühlenbach auf 7,7 Prozent und Fischerbach auf 6,1 Prozent. Lediglich Hornberg, Nordrach, Oberharmersbach, Oberwolfach und Wolfach haben Einwohner verloren und stehen damit schlechter da als Steinach. 

Noch gravierender sieht es bei dem Blick auf die Pendlerbilanz der Kommunen aus – sie errechnet sich aus der Differenz zwischen Beschäftigten am Wohnort und Beschäftigten am Arbeitsort. Eine ausgeglichene Pendlerbilanz bedeutet, dass gleich viele Arbeitskräfte von außerhalb zur Arbeit in die Gemeinde kommen, wie ihren Lebensunterhalt außerhalb der Gemeinde verdienen. Eine positive Pendlerbilanz haben Biberach, Haslach, Hausach, Hornberg und Nordrach. Steinach ist in dieser Statistik absolutes Schlusslicht – noch weit hinter Kommunen wie Oberwolfach, Mühlenbach und Oberharmersbach, die für die industrielle Entwicklung nur sehr schlechte topografische Voraussetzungen haben.  1459 Steinacher von insgesamt 1726 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Dorf arbeiten außerhalb. Im Gegenzug kommen nur 634 Auswärtige in die Gemeinde, um hier zu arbeiten. »2012 gab es in Steinach 901 Arbeitsplätze«, so Edelmann. Selbst wenn nur Einheimische in Steinach arbeiten würden, würden die Arbeitsplätze im Ort also bei Weitem nicht ausreichen.

- Anzeige -

Ebenfalls aufschlussreich ist der Blick auf die Geburten- und Umzugsbilanz der Gemeinde. Von 1992 bis 2012 gab es in Steinach 291 mehr Geburten als Sterbefälle. Allerdings sind in dem Zeitraum auch 94 Bürger weggezogen, sodass das Plus nur noch bei knapp 200 Einwohnern liegt.

»Unsere Eigenkraft, Einwohner zu generieren, ist positiv. Aber es muss alarmieren, wenn eine Gemeinde es nicht schafft, zumindest den Geburtenüberschuss als Mehreinwohner im Ort zu halten«, betonte Edelmann. In den vergangenen Jahren sei hinzugekommen, dass die Geburten massiv zurückgegangen seien. Die Auswirkungen werden in einigen Jahren zu spüren sein: Kindergarten und Schule werden nicht mehr ausgelastet sein, Vereine werden Probleme haben, Nachwuchs zu finden – und je weniger Einwohner es gibt, umso mehr leiden auch die Geschäfte im Ort darunter. Der Kindergärten habe beispielsweise Kapazitäten für 134 Kindern, fürs kommenden Jahr sind aber nur 82 Kinder dort angemeldet.

»Als Kommunalverantwortlicher muss ich mir überlegen, wie wir uns in Zukunft aufstellen. Es besteht Handlungsbedarf«, betont Edelmann. »Zwar sind das rein statistische Betrachtungen, aber sie lassen nur einen Schluss zu: Wenn man was verbessern will, muss man was machen.«

Das Baugebiet »Mittelgrün« und das Gewerbegebiet »Interkom« seien Schritte in die richtige Richtung. So zeigt eine weitere Statistik, dass die Zahl der Arbeitsplätze in Steinach seit 2003 deutlich zugenommen hat. Damals gab es nur um die 700 Arbeitsplätze im Dorf – heute sind es rund 200 mehr.  »Wenn jemand fragt, ob es bei der Entwicklung des Gewerbegebiets wirklich nur um die Interessen der Steinacher geht, dann kann ich nur sagen: Ja, natürlich!« Die Wohn- und die Gewerbeentwicklung seien das Fundament für eine gesunde Gemeinde.

Zur Abfahrt von der B-33-ins »Interkom« wies Edelmann darauf hin, dass der Zweckverband schon seit zehn Jahren versuche, eine entsprechende Anbindung zu verwirklichen. Es gehe vor allem auch darum, die bestehende Verkehrssituation zu entspannen. Nichts desto trotz habe der Zweckverband aktuell nichts mehr unternommen, um die Abfahrt zu forcieren – und auch die Entscheidung über eine Erweiterung des Gewerbegebiets werde erst nach den Gemeinderatswahlen am 25. Mai fallen.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 37 Minuten
Haslach im Kinzigtal
Für Jürgen Kern wird ein Traum wahr: Der Wahl-Haslacher ist einer von zwölf Finalisten der RTL-Sendung „Das Supertalent“. Nun fiebert er der großen Live-Sendung am Samstag, 21. Dezember, entgegen. In dieser entscheidet die Wahl der Zuschauer, wer sich den Titel holt.  
vor 3 Stunden
Hornberg
Jeder Rotary-Präsident hat ein Sozialprojekt. Edith Chrobok, Präsidentin des Rotary Clubs Wolfach, hat sich die Tafel ausgesucht. Sie sorgt nicht nur für bedeutende Spenden, sondern arbeitete auch einen Nachmittag im Tafelladen mit, um ein Gespür für diese Arbeit zu bekommen. 
Annemarie Maack aus Haslach will mit dem Verkauf ihrer Aquarelle krebskranke Kinder unterstützen. Dieses gerahmte Bild soll 50 Euro kosten.
14.12.2019
Benefizaktion
Annemarie Maack aus Haslach stellt 24 Bilder zur Verfügung, die zugunsten der Benefizaktion „Leser helfen“ verkauft werden. Haben Sie Interesse? Hier gibt es eine Bilder-Vorschau und alle weiteren Infos.
14.12.2019
Wolfach
Die Baustelle Auf der Kanzel in Wolfach wird nun winterfest gemacht: Alles in allem sei die Firma Bonath bislang auf der Baustelle mit den Verlegearbeiten der Wasser- und Abwasserleitungen gut vorangekommen, heißt es in einer Mittelung der Stadtverwaltung.
14.12.2019
Raumschaft Haslach
In der ökumenischen Trauerbegleitgruppe engagieren sich in der Raumschaft Haslach insgesamt 21 Frauen und ein Mann ehrenamtlich. Sie besteht seit 30 Jahren. Wer Interesse hat, auch als Trauerbegleiter  mitzuarbeiten, ist jederzeit willkommen.
14.12.2019
Mittleres Kinzigtal
Das Talgeflüster ist ein ironischer Wochenrück- und -ausblick der Kinzigtal-Redakteure jeden Samstag.
14.12.2019
Haslach im Kinzigtal - Bollenbach
Ereignisreich war das Jahr für die Feuerwehrabteilung Bollenbach.
13.12.2019
Fischerbach/Mühlenbach
Vor gut zwei Jahren wurde der Mühlenbacher Friedhof umgestaltet und neue Bestattungsformen geschaffen. Dass diese bislang noch nicht genutzt wurden, hängt damit zusammen, dass die Friedhofsatzung noch nicht angepasst wurde. Damit ist Mühlenbach aber nicht allein.  
13.12.2019
Wolfach
Rund sechs Millionen Euro hat Wolfach Ende des Jahres als liquide Mittel auf der „hohen Kante“. Wie viel davon 2020 ausgegeben werden soll, und vor allem für was, legt der Rat im Finanzhaushalt fest, der am Donnerstag im Rathaus vorberaten wurde.
13.12.2019
Markthalle/Grundschule
Enorme Kosten kommen auf die Stadt Schiltach zu, denn die Sanierung der Parkanlage Markthalle und der Tiefgarage Grundschule sind unausweichlich, wie am Mittwoch in der Ratssitzung deutlich wurde. 
13.12.2019
Kinzigtal
Am Ende der Gemeinderatssitzung am Mittwoch informierte Bürgermeister Siegfried Eckert über einen Briefwechsel und Gespräche zu den Bahnhalten in Gutach. Ein Halt der Nahverkehrszüge in der Ortsmitte erscheint möglich – und Gutach will darum kämpfen.
13.12.2019
Seniorenadvent
Mehr als 300 Teilnehmer feierten im Rahmen des Schiltacher Seniorenadvents am zweiten Adventsonntag in der Friedrich-Grohe-Halle. Die Stadt Schiltach lud am Sonntag alle Schiltacher Bürger ab 73 Jahren zur Adventsfeier ein.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • a2 Metallbau Armbruster sucht Verstärkung im Team.
    12.12.2019
    Metallbauer und Projektleiter
    a2 Metallbau Armbruster in Oberwolfach gilt als Experte rund um Metall- und Edelstahlverarbeitung. Das Familienunternehmen hat sich mit seinen individuellen Lösungen im Schlosserhandwerk weit über das Wolf- und Kinzigtal einen breiten Kundenstamm erarbeitet. Die Metallspezialisten suchen...
  • 11.12.2019
    KF Kinzigtaler Fenster GmbH - Der Experte in Gengenbach
    Winter – die Tage werden wieder kürzer und dunkler, die beste Saison für Einbrecher. Gut, wer da sichere Türen und Fenster hat. Die KF Kinzigtaler Fenster GmbH in Gengenbach hat sich genau darauf spezialisiert und ist in der Region Experte für die Sicherheit zu Hause.
  • 10.12.2019
    Triberger Weihnachtszauber 2019
    Wenn die Weihnachtsmärkte schon abgebaut sind, lädt der „Triberger Weihnachtszauber“ vom 25. bis 30. Dezember zu einem romantischen Weihnachtsspektakel ein. Mehr als eine Million Lichter verwandeln den Schwarzwald an Deutschlands höchsten Wasserfällen in ein funkelndes Wintermärchen!
  • 09.12.2019
    Gravuren, Reparaturen, Anfertigungen
    Bei Juwelier Spinner dreht sich alles um Schmuck und Uhren. Aber nicht nur edle Accessoires lassen sich hier finden – es gibt auch einen ausgezeichneten Service mit vielen weiteren Dienstleistungen.