Schiltach

Szenisches Spiel vom Holländer Michel in "Das kalte Herz"

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
21. August 2017

Klaus Grimm und Linda Tsardakas zeigen Szenen aus "Das kalte Herz". ©Martina Baumgartner

Der Regen machte am Freitagabend einen Strich durch die Rechnung der Veranstalter von »Kultur im Stadtgarten«. Schade war’s, denn die szenische Darbietung der Geschichte »Das kalte Herz« des Dichters Wilhelm Hauff hätte das mystische Flair der Natur unter der Friedenslinde bei hereinbrechender Dämmerung gut unterstrichen. So bedauerte Organisator und Touristinfo-Chef Christian Jäckels das schlechte Wetter und verlegte die Veranstaltung inklusive der für die Ausleuchtung des Gartens gedachten Illuminierung in den Lesesaal des Lehengerichter Rathauses – ein bescheidener Kompromiss, dem miserablen Wetter geschuldet. Dementsprechend begrüßte er auch nur wenige Zuschauer dort. 

Bereits mehrere Veranstaltungen zum Dichter Wilhelm Hauff

Wilhelm Hauff sei in Schiltach kein Unbekannter, verwies er auf vorangegangene Literatur- und Theaterveranstaltungen. Und auch die Darsteller am  Freitag waren es nicht: Linda Tsardakas begleitete mit der Gitarre ihren Ehemann Klaus Grimm, Stadtführer in Schiltach, bei seiner Erzählung vom kalten Herz des Köhlers Peter Munk und dessen Begegnung mit dem Holländer Michel.
In zehn Etappen berichtete Grimm eindrucksvoll und in verschiedenen Verkleidungen als Schlüsselfigur die Geschichte von Peter Munk und über seine Habgier und Läuterung. Grimm illustrierte seine Erzählabschnitte um auf die Leinwand des Lesesaals projizierte Bilder einer Kinderbuchausgabe der Geschichte. Begleitet wurde der Erzähler dabei vom einfühlsamen Gitarrenspiel Tsardakas’, was die Aufführung besonders stimmungsvoll machte. Sie hatte passende Stücke im Repertoire und überraschte mit einer Improvisation des Herzschlags Munks. 

- Anzeige -

Hoher Preis für Reichtum bezahlt

Um dessen Herz ging es in Hauffs Erzählung, die im Schwarzwald spielt. »Warm« war es emphatisch, aber der Köhler arm, und »kalt« war es mitleidlos – und Munk reich. Sein Herz war der Preis, den er für seinen Reichtum, den er an den unheimlichen und schlauen Flößer Holländer Michel bezahlen musste. Das Geld machte Munk attraktiv und stellte ihn gleich mit denen von ihm bewunderten Vorbildern wie den Tanzbodenkönig und dem reichen Spieler Ezechiel sowie dessen kühnem Kumpanen, dem langen Schlurker. Doch die Gier ließ Munk zu Fall kommen, denn wer braucht ein empfindungsloses Herz, wenn er Liebe fühlen möchte. Das Schicksal hatte Eineinsehen, und Munks Charakter erfuhr eine Katharsis. Mit der Hilfe des mystischen Glasmännleins und einer List bekam Munk sein Herz und damit sein Empfinden, seine Frau und deren Liebe sowie die Aussöhnung mit der Mutter zurück. 

Publikum belohnt musikerzählerisches Talent

Die beiden Spieler und Fachleute für osteuropäische Tänze zeigten mit dieser Inszenierung viel musikerzählerisches Talent, was vom Publikum mit einem langen Applaus belohnt wurde.Wie Grimm anschließend erklärte, kann Hauffs Geschichte nicht nur als moralisch zeitloses Thema »Geld verdirbt den Charakter« gewertet werden. Vielmehr ist es auch ein historisches Abbild der Berufe des Glasmacher, Flößer und Harzer im 19. Jahrhundert im Schwarzwald. »Hauff lebte zu dieser Zeit in Stuttgart und besuchte Raumünzach und Klosterreichenbach im Murgtal des Öfteren. Er bildete in seiner Geschichte ab, was er dort sah«, so Grimm

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 14 Minuten
Wolfach
Zwei Wochen Namibia sollten an diesem Wochenende hinter der Reisegruppe des Katholischen Bildungswerks Wolfach/Oberwolfach liegen. Doch die Corona-Krise machte die lang geplante Tour zunichte – vorerst.
vor 15 Stunden
Hausach
Baustellenbesuch Kinzigtalbad (29): Nachdem die Eröffnung verschoben wurde, ist in der Halle nun alles fertig. Die Baustellenbesuche werden fortgesetzt, bis auch das Freibad fertig ist.
27.03.2020
Ein Jahr im Schwarzwald
Vor genau einem Jahr, Mitte März 2019, wurden 350 Zedern im Oberwolfacher Gemeindewald gepflanzt. Und das erste Jahr war schon mal witterungstechnisch sehr herausfordernd. Förster Markus Schätzle zieht Bilanz.
27.03.2020
Interview
Eigentlich sollte Clemens Neumaier am Freitag in der vergangenen Woche als Gesamtkommandant der Steinacher Feuerwehr verabschiedet werden. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus wurde die Hauptversammlung jedoch abgesagt. Im Gespräch mit dem Offenburger Tageblatt blickt er auf die Jahre als...
27.03.2020
Wolfach
Die Mundschutz-Aktion von Feuerwehr und Stadt Wolfach stieß auf reges Interesse: Die ersten Pakete sind inzwischen abgeholt und kommen unter anderem in der Lebenshilfe zum Einsatz. 
27.03.2020
Kinzigtal
Städtetag und Kirchen haben den Kommunen eine klare Empfehlung zu Kita-Gebühren in Zeiten der Corona-Krise gegeben. Rechtlich bindend ist die allerdings nicht. Wir haben bei den Kommunen im Raum Haslach nachgefragt: Werden die Gebühren im April ausgesetzt?
27.03.2020
Rettungsaktion
Circa 20 Kröten haben in der Schenkenzeller Mattenweiher eine neue Heimat gefunden und das nach eines spontanen Aktion. Hans Kurt Rennig hatte sie von der Straße gerettet. 
27.03.2020
Haslach im Kinzigtal
In Haslachs Partnerstadt Lagny-sur-Marne wird drastisch gegen die Verbreitung des Coronavirus vorgegangen. Für die Bürger wurde eine Ausgangssperre verhängt. 
27.03.2020
Hausach
Hausacher Stadtgeschichte (16): Stadtarchivar Michael Hensle berichtet über interessante Funde im Archiv. Heute vor 87 Jahren beschloss der Gemeinderat die Ehrenbürgerschaft Hitlers
27.03.2020
Mittleres Kinzigtal
Zwischen Vorsicht und Fürsorge: In Zeiten der Corona-Krise gewinnt auch die häusliche Pflege massiv an Bedeutung – unter anderem, weil Tausende Kräfte aus Osteuropa plötzlich fehlen.
27.03.2020
Heimatgeschichte
Auf dem Kniebis stand einst ein Kloster – erstmals erwähnt im 13. Jahrhundert. Heute ist nicht mehr viel davon übrig. Eine Ruine erinnert an vergangene und fast vergessene Zeiten. 
26.03.2020
Hornberg/Gutach
Kundenfrequenz und Einkaufsmengen „normalisieren“ sich. Lebensmittelmarktleiter kämpfen mit Verhaltenskodex und Schutzmaßnahmen.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • 19.03.2020
    Neuer Service: Alles, was die Karte bietet, kann ab sofort abgeholt oder geliefert werden
    Mitten im Herzen Gengenbachs lädt das italienische Lokal „Michelangelo“ seit elf Jahren zum Genießen ein. Das bleibt auch weiterhin so, denn ab sofort werden Gerichte und Eisspezialitäten entweder geliefert, oder die Kunden holen ihre Bestellungen vor Ort ab.
  • Pizza, Salat oder Pasta - alles wird frisch zubereitet.
    19.03.2020
    Das mediterrane Restaurant in Hohberg
    Gerade in diesen turbulenten Tagen will das Team des mediterranen Restaurants Casamore in Hohberg für seine Gäste auch weiterhin da sein. Zu diesem Zweck wurde ab sofort ein besonderer Service eingerichtet und das „to go“-Angebot erweitert. Fast alle Gerichte auf der Speisekarte können nun auch...
  • Leckere Pizzavariationen, Salate und Getränke werden ab sofort geliefert oder können auch nach der Bestellung selbst abgeholt werden..
    18.03.2020
    "Wenn die Gäste uns nicht besuchen können, kommen unsere Spezialitäten zu ihnen"
    „Wenn die Gäste in nächster Zeit durch die Coronavirus-Pandemie nur eingeschränkt zu uns kommen dürfen, dann kommen unsere Spezialitäten eben zu Ihnen“, erklären Sülo und Aslan Keles, Inhaber der bekannten Ruster Pizzeria „Garibaldi“, mit Nachdruck. Ab sofort kann telefonisch und online bestellt...
  • a2 Unikat hat alles, was das Leben und Wohnen noch schöner macht.
    11.03.2020
    a2 Unikat: Ihr Partner rund um Gartendeko und mehr
    Frühlingszeit – eine wunderbare Zeit, es sich in Heim und Garten besonders schön zu machen. Wer dafür pfiffige und individuelle Gestaltungsideen sucht, ist bei a2 Unikat in Oberwolfach genau richtig.