Steinach - Welschensteinach

Teil des Kirchturms zeugt von früher

Autor: 
Anika Maldacker
Lesezeit 3 Minuten
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19. Oktober 2013

(Bild 1/2) Bei der Postkarte aus dem Jahr 1910 (oben) erstaunen Perspektive und Schnitt des Bildes. Im Lauf der Jahre hat sich zwar der Anstrich der Peter-und-Paul-Kirche geändert, nicht aber der stattliche Aufgang und die massive Ummauerung. ©Anika Maldacker

Schon vor vielen Jahrzehnten haben Urlauber gern Ansichtskarten an ihre Freunde und Angehörigen verschickt. Das Kinzigtal war damals bereits eine beliebte Ferienregion. Viele der damaligen Motive gibt es nicht mehr, weil die entsprechenden Gebäude abgerissen oder umgebaut wurden. In unserer Serie »Zeitsprung« betrachten wir, was im Lauf der Zeit aus diesen Standorten geworden ist. Heute: die Peter-und-Paul-Kirche in Welschensteinach.
 

Diese Karte musste keinen langen Weg auf sich nehmen, denn sie wurde 1910 nach Zell am Harmersbach geschickt.
Auf den ersten Blick verwundert den Betrachter mit Sicherheit die Perspektive und der Schnitt des Bilds. Doch die geschichtlichen Daten geben dem Fokus auf einen Teil des Kirchturms der Welschensteinacher St.-Peter-und-Paul-Kirche einen Sinn. Denn neben dem Friedhof ist ein Teil des Kirchturms das einzige Zeugnis des frühen Gebäudes.
Wann erstmals eine Kirche im Örtchen Welschensteinach stand, lässt sich nicht sicher bestimmen. Eine Formulierung aus dem Jahr 1275 beweist jedoch, dass es zu jenem Zeitpunkt schon eine Pfarrei in Welschensteinach gab. Und auch das Alter des an der Nordseite des Chors stehenden viereckigen Turms ist annähernd bekannt und auf das zwölfte oder 13. Jahrhundert zurückzuführen.
Der erste bekannte Pfarrer Welschensteinachs wird 1314 unter dem Namen Dietricus urkundlich erwähnt.
Sehr wahrscheinlich ist, dass Kirchturm und Ummauerung des Friedhofs auch eine Wehrfunktion zukam. Eine Untersuchung für den südwestlichen Teil Deutschlands ergab, dass die im Mittelalter gebauten Dorfkirchen nicht selten Religions- und Wehrcharakter vereinten.
Das heutige Bild der Welschensteinacher Kirche wurde vor allem durch einen Umbau im 18. Jahrhundert geprägt. Der Turm an der Nordseite des Chors sowie das Uhrgeschoss sind die einzigen Zeugen des alten Baus.
Der zuständige Architekt des Umbaus war damals im Kinzig- und Wolftal längst kein Unbekannter mehr. Franz Joseph Salzmann hatte schon mehrere Kirchen in den Tälern umgebaut. Steinach verdankt ihm den charakteristischen Zwiebelturm, auch die Gotteshäuser in Hausach und Oberwolfach tragen seine architektonische Signatur. Der Auftrag der Neugestaltung der Kirche unter Berücksichtigung des alten Turms und des Friedhofs ging an den Maurermeister Johannes Weber in Hausach.
1771 wurde die Pfarrkirche Welschensteinach fertiggestellt und den Aposteln Petrus und Paulus gewidmet. Das einschiffige, im romanischen Stil erbaute Gebäude steht am Abhang des nach ihm benannten Kirchbergs.
Ab 1840 musste die Kirche zehn Jahre wegen Fehlern beim Umbau erneut restauriert werden und knapp 60 Jahre später abermals. Der aus Hart in Hohenzollern stammende Kunstmaler August Pfister übernahm die Bemalung. Die beiden Deckengemälde, die von dem Künstler stammen, zeigen Szenen aus dem Leben der beiden Kirchenpatrone.
1959 beschäftigten sich unter anderem der Bildhauer Angelo Valentin aus Offenburg und Restaurator Josef Geschöll aus Freiburg über ein Jahr mit einer weiteren Renovierung der Kirche. Ein neuer Hochaltar im Barockstil wurde erstellt. Die Restaurierung wurde größtenteils durch Spenden und freiwillige Arbeit ermöglicht.
Erst im vergangenen Jahr wurde das Gotteshaus abermals umfassend saniert – wieder unter dem Einsatz vieler ehrenamtlicher Helfer und auch Spender.
Heute ist die Pfarrgemeinde St. Peter und Paul Mitglied der Seelsorgeeinheit Haslach. Und noch immer thront die Kirche auf dem Kirchberg – mit verändertem, zartrotem Anstrich.
In der nächsten Folge am Mittwoch geht es um die ehemalige Brauerei Kälble in Steinach.

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