Hausach

Thorsten Nesch ist neuer Hausacher Stadtschreiber

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 4 Minuten
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24. Oktober 2014

Thorsten Nesch hat sich zum Entspannen vom Schreiben seine Gitarre ins »Molerhiisle« mitgebracht. ©Claudia Ramsteiner

Er ist da, der neue Stadtschreiber. Thorsten Nesch  aus Leverkusen, der das Leselenz-Stipendiat als Kinder- und Jugendbuchschreiber bekam, wird bis zum 15. Januar als Wahl-Hausacher im »Molerhiisle« wohnen.

Ein Bett, ein Schreibtisch, ein kleiner Tisch mit drei Stühlen, eine Küchenzeile, ein Schrank, ein Bücherregal: Das ist die funktionale Einrichtung der Hausacher Stadtschreiberwohnung im »Molerhiisle«. Und doch schafft es jeder Leselenz-Stipendiat, ihr seine individuelle Note zu verpassen. Thorsten Nesch hat einen Paravent vor die Küchenzeile gestellt, »weil die sonst so nach Arbeit aussieht«. Leise französische Jazzmusik klingt durch den Raum. An der Treppe lehnt seine Gitarre, mit der er sich vom Schreiben entspannt. Dann spielt er »so Singer-/Songwritersachen, drei Griffe und die Wahrheit«. Er hat zwar mit 15 schon Neil Young gehört, aber erst mit 30 Jahren das Gitarrespielen gelernt. Die wichtigste Botschaft deshalb an die vielen Jugendlichen bei seinen Lesungen: »Es ist nie zu spät!«

Am Sonntag wäre es fast zu spät gewesen. So schnell hat Thorsten Nesch noch nie im Leben gepackt: Eigentlich wollte er gegen Mittag gemütlich auf dem Leverkusener Bahnhof in den Zug gen Hausach steigen, als er morgens im Internet an den Lokführerstreik erinnert wurde. So verabschiedete er sich schon früh morgens von seiner Frau und seinen drei Söhnen, im (nicht ganz vollständigen) Gepäck zwei angefangene Jugendromane und die Vorfreude, drei Monate lang völlig ungestört daran arbeiten zu können. Mindestens einen will er hier zum Abschluss bringen.

Bayreuth, Berlin, Hausach

Einen ersten Eindruck von Hausach hatte er bereits beim Leselenz gewonnen. »Eine hochkarätig wie bunt besetzte, fantastisch organisierte internationale Veranstaltung in einer freundlichen Umgebung, die aus meiner Sicht ihresgleichen sucht – quasi was Bayreuth für die Oper ist oder Berlin für Film«, schrieb er damals in seinen Blog. Und heute sagt er, die Ankunft am Hausacher Bahnhof habe sich fast schon wie Heimkommen angefühlt. Zumal ihn die Kinzigtäler Herbstlandschaft an den »Canadian Summer« erinnert.  Fünf Jahre hat er an der kanadischen Westküste gelebt: »Der Vergleich hält stand – nur ohne Meer.«

Seit 2008 kann Thorsten Nesch mit seiner Familie von seinen Geschichten leben. »Seither ist das Leben so, wie es sein soll!« Selbst wenn er plötzlich reich wäre, würde er nichts daran ändern. Außer vielleicht ein eigenes Schwimmbad bauen. »Seine Geschichten«, das sind nicht nur Jugendbücher, sondern auch Filme, Hörspiele und Romane für Erwachsene.

Doch was sind schon Romane für Erwachsene? Schließlich hat er selbst schon als 14-Jähriger mit roten Ohren Mario Puzos »Der Pate« gelesen. Es sei völlig egal, was Kinder lesen, Hauptsache sie lesen überhaupt, und wenn es die Anleitung für einen Motorblock sei. »Wer liest, macht keinen Blödsinn!« Seine Leseleidenschaft hat mit Groschenromanen vom Kiosk begonnen, von denen er zwei pro Woche verschlungen hat. Und heute ist es für ihn das größte Kompliment, wenn Jugendliche bei seinen Lesungen sagen: »Ihr Buch war das erste, das ich zu Ende gelesen habe.«

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Erste Poetikdozentur

Um die Diskussion, was ein Jugendbuch lesenswert macht, wird es auch in Heidelberg gehen. In einer Kooperation des Hausacher LeseLenz’ und der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ist die erste Poetikdozentur für Kinder- und Jugendliteratur an einer deutschen Hochschule entstanden. Thorsten Nesch ist dort der erste Poetikdozent.

Wie er seine eigenen Jungs (5, 10 und 13) zum Lesen bringt oder gebracht hat? Wenn Väter vorlesen, hat das vor allem für Buben eine ganz eigene Qualität. Und seine Frau habe den Kindern noch viel mehr vorgelesen. Sein Ältester hat das Selberlesen mit Jeff Kinneys »Gregs Tagebücher« angefangen. Seine eigenen Romane hat ihm der Autorenpapa erst gegeben, als sein Sohn danach gefragt hat. »Nur anbieten, nichts aufzwingen« rät er allen Eltern. Das gilt auch für den Beruf. Obwohl – »ich hätte gern einen Anwalt, einen Zahnarzt und einen Handwerker, dann hat man alles, was man braucht«, lächelt der Papa, der während seiner Hausacher Stadtschreiberzeit seine Söhne nur beim Skypen sehen wird.

Das Schreiben geht Thorsten Nesch eher handwerklich an: »Erst grübeln, dann dübeln«. Die Figuren, wo die Geschichte hingeht, der Ton, die Erzählstimme – das alles entsteht im Kopf. »Bis ich richtig loslege, dauert es – aber dann bin ich beim Schreiben der Endfassung schon recht nahe«.

Weihnachtsgeschichte

Dann wird Thorsten Nesch vielleicht bald schon über unsere Weihnachtsgeschichte nachgrübeln: Er hat spontan zugesagt, sich in die Tradition seiner Vorgänger einzureihen und den OT-Lesern exklusiv eine Hausacher Weihnachtsgeschichte zu widmen. Irgendwann wird es dann sicher ein Hausacher-Stadtschreiber-Weihnachtsgeschichtenbuch geben.

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