Schiltach

Traditionspflege bedeutet für Schiltachs Flößer Schwerstarbeit

Autor: 
Hans Harter
Lesezeit 3 Minuten
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22. August 2019

(Bild 1/2) Erwin Wolber und Thomas Kipp an den Rudern des Schiltacher Drau-Floßes. Die insgesamt 60 Kilometer lange Fahrt, aufgeteilt in mehrere Etappen, erforderte Konzentration und Muskelkraft. ©Hans Harter

25 Vereine aus zehn Ländern trafen sich vergangene Woche zu den Internationalen Flößertagen, die von Donnerstag bis Sonntag im Drautal in Kärnten stattfanden. Mittendrin: Die Schiltacher Flößer, die mit einem eigenen Floß 60 Kilometer auf der Drau zurücklegten.

Dass vergangene Woche eine starke Gruppe der Schiltacher Flößer an der Drau in Kärnten weilte, hatte einen doppelten Grund: Schon seit Jahren beteiligen sie sich mit einem eigenen Floß an den Oberdrautaler Flößertagen. Dieses Mal fielen diese mit den Internationalen Flößertagen zusammen. Zu ihnen trifft sich, jährlich wechselnd, die Internationale Flößereivereinigung. 25 Vereine aus zehn europäischen Ländern, von Finnland bis Slowenien, von Polen bis Spanien, gaben sich dazu in Österreich ein Stelldichein.

Im Herbst Holz vorbereitet

Unter ihnen waren die Schiltacher besonders gefordert: Schon im vergangenen Herbst hatten sie vor Ort das Holz »gerüstet«, das jetzt am Ufer lagerte, um in einem Arbeitstag in ein Drau-Floß verwandelt zu werden. Seine Bauart ist ganz anders als das vielgliedrige Kinzigtäler Gestör-Floß mit Frontruder und Sperren. Der 3,50 Meter tiefen, schnellen Drau angepasst, besteht es aus drei durch Wieden und Krampen verbundenen »Stoß«, jeder vier Meter breit und lang. Mit zwei Ruderpaaren vorne und hinten wird das Gefährt durch Strömungen und Brückenjoche gesteuert. Für die vierköpfige Rudermannschaft bedeutet das Schwerstarbeit.

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Die Flößerei begann an der Drau im 17. Jahrhundert. Sie ließ den viertlängsten Nebenfluss der Donau zur »Kärntner Holzstraße« werden, die Sägewerke und Zellulosefabriken von Villach bis Klagenfurt und Maribor mit alpenländischem Holz versorgte. Dass dies bis 1951 andauerte, zeigt die Bedeutung des Holztransports auf dem Wasser. Die Flößerei lebt bis heute: Am Oberlauf der Drau erhalten mehrere Vereine das Flößerhandwerk und seine Tradition.

Zu ihren fünf Flößen stieß das der Schiltacher hinzu. Sie bewältigten die 60 Flusskilometer bis Spittal etappenweise in drei Tagen. Unterwegs wurde in Flößerorten angelandet, was jeweils Volksfestcharakter annahm. Zu den Passagieren aus den teilnehmenden Nationen entwickelten sich hilfreiche Kontakte – ein kollegiales Verständnis und Miteinander, das Sprachbarrieren, etwa mit Letten, Bosniaken, Italienern und Franzosen vergessen ließ. 

Immer wachsam bleiben

Trotz des scheinbar friedlich fließenden Flusses durfte sich die Mannschaft um Floßmeister Thomas Kipp keine Unaufmerksamkeit leisten: Immerfort waren die günstigste Fahrrinne zu suchen und die Wasseroberfläche im Blick zu behalten – ihr Kräuseln zeigte Steine, Kies- oder Sandbänke an, denen ausgewichen werden musste. Einmal doch festgesessen, mussten die Männer in den Fluss, um das Floß mit Eisenstangen flott zu machen. Schwierig waren auch die Anlandungen: Ohne Bremsmöglichkeit durch Sperren wurde im Wasser stehenden Abfangern ein Seil zugeworfen, die das Floß mit Leibeskräften zum Halten brachten.

Stichwort

Versammlung

Zum Flößertreffen gehört auch die Hauptversammlung unter Präsident Jaroslav Camplík (Prag), die ein besonderes Projekt beriet: Nachdem die Flößerei bereits in mehreren Ländern als nationales Immaterielles Kulturerbe gilt, wird nun ihre Anerkennung als Kulturerbe der Menschheit durch die Unesco angestrebt. In das Projekt ist auch Thomas Kipp eingebunden. Er tritt in einem für die Bewerbung verlangten Image-Video auf, wofür ein Team aus Tschechien an der Drau filmte. Das unermüdliche Engagement des Schiltachers für das Kulturgut Flößerei würdigte die Internationale Flößerei-Vereinigung anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens mit einer Medaille. 

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