Schiltach

Trauer- und Hochzeitsredner Michael Harter im Porträt

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
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23. September 2015
Michael Harter ist gern im Friedwald in Schenkenzell und hält dort seine Trauerreden für Hinterbliebene.

Michael Harter ist gern im Friedwald in Schenkenzell und hält dort seine Trauerreden für Hinterbliebene. ©Michaela Harter

Schreinermeister und Bestatter Michael Harter begegnet dem traurigsten und glücklichsten Moment im Leben anders: Er ist freier Redner und hat sich auf Bestattungen und Hochzeiten spezialisiert. Wie es dazu kam und was ihn daran fasziniert, berichtet er heute.

Schiltach. Der glücklichste Tag im Leben anderer ist für den freien Redner Michael Harter aus Schiltach ein normaler Arbeitstag. Bei manchen Trauungen gestaltet er und nicht der Pfarrer das Ritual. Dazu gehört immer ein Ja-Wort und der Ringtausch – alles andere wird besprochen. Gern macht er den Paaren Vorschläge, wie das Ritual gestaltet werden kann. Mittlerweile hat er einen großen Ideenfundus gesammelt.

Was er nicht gut findet, macht er nicht. »Hokuspokus, wie in die Ringe sprechen oder ähnliches, ist nicht mein Ding«, hat Harter für sich entschieden. Alternativen und Möglichkeiten gibt es viele. Die Anfragen kommen meistens per E-Mail, denn die Paare recherchieren im Internet nach passenden Hochzeitsrednern. Ohne ein persönliches Kennenlernen und Gespräch geht nichts. Schließlich ist eine Hochzeitsrede sehr persönlich und die Love-Story will in schönste Worte gefasst werden.

In Kontakt bleiben

Manchmal bleiben der freie Redner und die Paare in Kontakt – auch über die Zeremonie hinaus. »Dann folgt ein Gruß aus den Flitterwochen oder ein Besuch mit dem ersten Kind«, freut sich der Zeremonienmeister. Sein Kundenkreis erstreckt sich über den süddeutschen Raum – in den meisten Fällen. Im kommenden Jahr hat er einen ersten Auslandstermin im Plan. Dann reist Harter zu einer Trauungsrede nach Südfrankreich. Nicht immer findet er bei seinen beiden Söhnen Verständnis für Wochenendarbeitszeiten wie diese. Er versucht den Spagat zwischen Beruf und Familie zu schaffen und fehlende Familienzeit der Wochenenden auszugleichen.

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Neben seiner Schreinerei betreibt Harter zusammen mit seiner Frau Michaela Harter ein Bestattungsunternehmen. Bei Beerdigungen sieht der Zeitplan des Redners anders aus. Gestorben wird eben nicht nach Plan, und innerhalb kurzer Zeit muss Harter persönliche Sätze finden. Dort geht ohne ein Gespräch mit den Hinterbliebenen ebenfalls nichts, denn auch die Trauer will in tröstende Worte gefasst werden. »Ich schreibe für die, die bleiben, nicht für die, die gehen«, sagt Harter. Der rote Faden seiner Reden ist die weiterlebende Seele bei einer vergänglichen Hülle. »Daran glaube ich fest«, so Harter.

Lebensbild zeichnen

Sein Anspruch ist es, nicht nur die Lebensgeschichte des Verstorbenen zu biographieren, sondern dessen Lebensbild mit Worten zu zeichnen. »Das regt die Zuhörer an, ihr eigenes Leben zu reflektieren«, sagt Harter. Die schönste Rückmeldung der Hinterbliebenen nach der Bestattung ist für ihn: »Man hätte meinen können, sie kannten den Verstorbenen.«

Seine heutige Aufgabe fand Harter eher durch Zufall. Nachdem er die Schreinerei mit Bestattungsunternehmen von seinem Vater übernahm, häuften sich  die Anfragen der Kunden nach einem freien Trauerredner. Leider kannte Harter keinen und machte selbst eine Fortbildung bei einem erfahrenen freien Redner für Bestattungen und Hochzeiten. Dort fand er seine Profession. »Schreiben, fällt mir leicht – eigentlich wollte ich mal Journalist werden«, gesteht er.

In der Schreinerei ist Harter heute in der Organisation tätig. Die handwerklichen Arbeiten führen dort Mitarbeiter durch. Seine Frau organisiert die Bestattungen und Harter selbst hat sich seit drei Jahren auf die freien Reden spezialisiert. Ob er die Trauer- oder die Hochzeitsrede bevorzuge, könne er nicht sagen: »Ich mache beides gleich gern«, sagt der Mann der richtigen Worte.

Stichwort

Podiumsdiskussion

Der Wandel in der Besattungs- und Trauerkultur ist auch ein Seismograph für einen sozialen Wandel in der Gesellschaft. Welche Chancen und Risiken er birgt, soll in einer Podiumsdiskussion besprochen werden. Die Teilnehmer sind Festredner Michael Harter, die Pfarrer Christoph Glimpel (evangelisch) und Bernd Müller (katholisch), Anke Rose von der Hospizgruppe und Ute Diesbach von der Friedwald GmbH. Die Moderation übernimmt Claudia Ramsteiner, Chefredakteurin Kinzigtal beim Offenburger Tageblatt. Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 29. September, um 19.30 Uhr im Schlossbergsaal des Gottlob-Freithaler-Hauses, Vor Ebersbach 1. 

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