Hausach

Vereinspatrozinium wohl einmalig in Deutschland

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21. August 2019

Das Archivfoto zeigt die wertvollen alten Fresken des ehemaligen Klösterles St. Sixt und Kurt Klein (rechts), der als Vorsitzender des Historischen Vereins und Sprecher der Hausacher Vereine einen großen Anteil daran hatte, dass diese Zeugen sakraler Kunst freigelegt und erhalten wurden. Er gründete auch das vermutlich einmalige Vereinspatrozinium, das seit seinem Tod 2016 in seinem Gedenken gefeiert wird. ©Claudia Ramsteiner

Die katholischen Kirche begeht den Gedenktag des Heiligen Sixtus am 7. August. In Hausach wird das in Deutschland wohl einmalige Vereinspatrozinium mit dem Märthyrer verbunden – weil der Tag mitten in den Ferien liegt, feiern die Vereine erst am 6. September.

Das Klösterle St. Sixt beim Hausacher Klosterplatz hat eine mehr als 500 Jahre alte Geschichte (siehe »Hintergrund«). Es war der ehemalige Vereinssprecher und damalige Vorsitzende des Historischen Vereins, Kurt Klein, der auf der Suche nach einem Heimatmuseum gemeinsam mit einem Architekten und einem Vertreter des Denkmalamts den ehemaligen Altarraum des kleinen Klösterles St. Sixt besichtigte – jenes war 1907 an die Familie Durach (später Kaiser) verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut worden – und im Altarraum lagerten Most und Äpfel.

»Die Besitzerin hat es nicht einmal für den doppelten Preis an die Stadt zurückverkauft. Doch sie hat diesen ehemaligen Altarraum zur Restauration zur Verfügung gestellt«, erzählte Kurt Klein beim Vereinspatrozinium zum 30. Jahrestag. Unter dem Verputz konnten wertvolle Fresken freigelegt werden, die nach Schätzung von Fachleuten ins 14. Jahrhundert zurückweisen. 

Dies allerdings würde es widerlegen, dass St. Sixt erst 1475 erbaut wurde, wie der Chronist Emil Bischoff schrieb. In einem Stiftungsprotokoll der Franziskaner in Villingen steht auch, dass »uns 1475 ein Klösterlein nahe der kleinen Kapelle des heiligen Sixtus vom Grafen von Fürstenberg geschenkt wurde«. Auch das ist ein Indiz dafür, dass die Kapelle älter ist.

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Vereine stiften Glockentürmle

Was nun die Vereine mit diesem Klösterle zu tun haben? Am 27. August 1973 wurde der renovierte Kapellenraum feierlich eingeweiht. Die Vereine haben für das Klösterle den Glockenturm auf dem Dach wiederhergestellt. So ging auch das jährliche »Vereinspatrozinium« auf die Initiative des ehemaligen Vereinssprechers Kurt Klein zurück. Jedes Jahr – in diesem Jahr am Freitag, 6. September – treffen sich die Hausacher Vereine vor dem Klösterle (der Altarraum selbst wäre dafür zu klein) zu einem Gottesdienst und einem anschließenden gemütlichen Hock.

46-jähriger Brauch

Diesen 46-jährigen Brauch haben auch die nachfolgenden Vereinssprecher, heute Reinhold Reichenauer und Manfred Müller, übernommen. Sie rufen alle Vereinsangehörigen auf, das Patrozinium am Freitag, 6. September, um 19 Uhr mitzufeiern. Dazu wird auch das Glöcklein im Turm wieder läuten. Die Traditionsvereine werden zudem gebeten, möglichst in der Uniform oder Tracht ihres Vereins zu kommen. Den Gottesdienst bereitet der ehemalige Stadtbaumeister Horst Rupp vor. Anschließend trifft man sich wie immer zu einem gemütlichen Vereinshock im Feuerwehrgerätehaus, für den die beiden ortsansässigen Geldinstitute abwechselnd die Getränke spendieren.

Hintergrund

Das Kösterle St. Sixt ist mehr als 500 Jahre alt

»Im Jahre 1475 wurde unter der Regierung des baulustigen Grafen Heinrich VI. durch das Barfüßerkloster Villingen das Klösterlein St. Sixt bei Hausach erbaut und mit einigen Patres besetzt«, heißt es in dem 1935 erschienenen Band »Die alte Kirche in Hausach zur Zeit des Umbaues« von Emil Bischoff. Sie war das einzige Gotteshaus der Stadt, die Dorfkirche gehörte zu Einbach. Während sich die Katholiken Ende des 19. Jahrhunderts um den Bau einer eigenen Kirche mühten, wollten die gut 100 Protestanten 1888 die St.-Sixt-Kapelle für ihre Gottesdienste pachten. Sie bissen zunächst auf Granit – selbst als die Katholiken 1894 ihr eigenes Gotteshaus beziehen konnten. 
Das stetige Bohren hatte aber zur Folge, dass die Besitzverhältnisse geklärt wurden: Es stand auf fürstlich-fürstenbergischem Boden. Die Stadt Hausach kaufte das Kirchlein 1896 und bot es im Jahr darauf der Evangelischen Kirchengemeinde zur Pacht an. Doch dies wurde, wie der evangelische Pfarrer Nuzinger aus Gutach schrieb, »als trauriges Zeugnis der Verblendung und des Eigensinns eines großen Teils der Diasporamitglieder« abgelehnt. Diese wussten sehr wohl, warum: Sie wollten nämlich das Kirchlein selbst kaufen – und die evangelische Kirchenbau-Inspektion hatte erkundet, dass sich das Gebäude in einem »äußerst verwahrlosten Zustand« befand. Der Gutachter schätzte es auf 200 Mark – kosten sollte es das Zehnfache. 

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