Serie Kinzigtäler Fanszene (8): Tim Müller fiebert mit den Seattle Seahawks mit

»Völlig egal, Hauptsache Football«

Daniel Wunsch
Lesezeit 4 Minuten
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13. Januar 2018

Tim Müller mit dem Trikot von Richard Sherman, einem der Stars der Seahawks. ©Daniel Wunsch

In einer Serie stellt das OT Fans aus dem Kinzigtal vor, die über ihre Leidenschaft zu einem Verein, einem Künstler oder einer Band berichten können. Heute spricht Tim Müller über seinen Traum, die »Fischadler« einmal in Deutschland anfeuern zu können.

Wie entdeckt ein junger Mann mit 15 Jahren die Leidenschaft zum Football, der zumindest in Deutschland noch immer als Randsportart bezeichnet werden kann? Beim SC Freiburg fiebert der mittlerweile 20 Jahre alte Student der Wirtschaftsinformatik in Karlsruhe bei jedem Heimspiel zwar auch mit, aber Football? »Wir haben im Kastenkeller in Haslach ein Pubquiz veranstaltet, ich konnte die Frage: ›Welche Mannschaften waren im Super Bowl 2012?‹ nicht beantworten.« Zuhause informierte er sich jedoch noch einmal über das Spiel.

Den nächsten Superbowl im Februar wollte er auf jeden Fall sehen. Da Sat 1 das Finalspiel überträgt, schaute er sich den Superbowl 2013 gemeinsam mit seiner älteren Schwester an. »Leider bin ich in der Halbzeit eingeschlafen«, sagt Müller schmunzelnd. Trotzdem hat ihm der Sport so gut gefallen, dass von nun an regelmäßig Football schaute – zugute kam ihm, dass er über den Bezahlsender Sky bei Sport 1 US immer sonntags ein ausgewähltes Spiel der National Football League (NFL) anschauen konnte.

Wahrer Football-Boom

Zuhause mit Freunden oder in Sportsbars werden  Footballspiele in der Gruppe geschaut. Und wenn alle Stricke reißen, hat Müller mit dem PayTV-Game »Pass« der NFL noch eine weitere Option, Spiele live per Laptop zu sehen. Die Spiele im Free-TV haben laut Müller zu einem Football-Boom in Deutschland geführt. Ihn selbst interessiere vor allem der amerikanische Football. Ab und zu habe er sich aber auch schon Spiele der Offenburger Miners angeschaut.

Obwohl er generell Fan der Sportart Football ist, hat es Müller besonders ein Team  angetan: Die Seattle Seahawks, eine Mannschaft, die neben den San Francisco 49ers und den New England Patriots in Deutschland die größte Fanbase hat. Dass die Seahawks bei seinem ersten Superbowl gleich gewonnen haben, tat natürlich sein Übriges dazu bei.
»Spezielle Typen« wie den ehemaligen Spieler Marshawn Lynch oder auch Richard Sherman seien sozusagen das Salz in der Suppe, so Müller. »Entweder man mag sie oder genau das Gegenteil«, lacht er. Derzeit sei Sherman leider verletzt, was den Traum von einer Playoff-Teilnahme in weite Ferne rücken ließ.

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»Das Spiel, das ich nie vergessen werde, war das Conference Championship 2014 (Halbfinale) mit dem Overtime-Sieg gegen die Greenbay Packers. Das Spiel war unglaublich eng, und am Ende haben die Seahawks das Ruder mit Wahnsinnsspielzügen noch rumgerissen.«

Höhepunkte als Fan waren zudem zwei Flugreisen nach London zur NFL-International-Series. Seit Jahren spielen ausgewählte NFL-Teams drei bis vier Ligaspiele in der Hauptstadt Großbritanniens. »Vor zwei Jahren war ich mit meinem Vater bei der Partie Detroit Lions gegen Kansas City Chiefs. Die Tour in diesem Jahr zum Spiel der Arizona Cardinals gegen die Los Angeles Rams hat jedoch alles getoppt.« Schon freitags war Müller mit drei Freunden nach London gereist, um prompt am Abend in einem Pub auf Cardinals-Trainer Bruce Arians zu treffen – inklusive Foto und Smalltalk.

»Stimmung ist super«

Am nächsten Tag stand eine Autogrammstunde auf dem Programm. »Es ist cool, die Spieler so nah zu sehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt.« Am Sonntag stieg dann das große Spiel: »Meine Kumpels sind Cardinals-Fans, mir war es völlig egal, Hauptsache Football.« Das Schöne an den Spielen in Europa sei auch, dass Fans von allen möglichen Mannschaften von überall her im Stadion sind. »Die Stimmung ist einfach super«, schwärmt Müller. 

Einen Traum hat er aber trotzdem noch: Dass die Seahawks eines Tages mal nach Deutschland kommen. »Gerüchte darüber gibt es schon lange, aber ich glaube das erst, wenn ich es sehe«, so Müller lachend am Ende.

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