30 Jahre Städtepartnerschaft Geising-Schiltach (2):

Volksfest-Einladung für Schiltacher als Dank

Autor: 
Andreas Morgenstern
Lesezeit 2 Minuten
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25. Mai 2020
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(Bild 1/2) Ein sichtbares Zeichen der Aufbauhilfe nach dem Hochwasser in Geising: Eine Brücke mit dem Wappen von Schiltach. ©Stadtarchiv Schiltach

Die Stadt Schiltach wurde 1990 auf der Suche nach einer Partnergemeinde südlich von Dresden fündig. Ab 1991 nehmen Besuche an Fahrt auf.

„Zurück, aber auch einen Blick voraus“ werfen wir in einer zweiteiligen Serie zum 30-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Geising (Sachsen) und Schiltach. Heute: Der Weg in die Gegenwart. 

1991 nehmen die Besuche zwischen Geising und Schiltach spürbar Fahrt auf. Nicht allein, dass diesmal die Geisinger in den Schwarzwald reisen, mancher Schiltacher nutzt seine Urlaubstage, die Erzgebirger kennenzulernen. In Geising kämpft man mit dem Neuaufbau der wirtschaftlich so wichtigen Beherbergungsmöglichkeiten. Schlagzeilen machen die Querelen mit der damals in der ehemaligen DDR beinahe allgegenwärtigen Treuhandanstalt, die die Verpachtung des schönen Ratskellers erschweren. 

Grünes Bier genossen

Heute ist das längst Vergangenheit – dafür konnte rund um Ostern auch schon mancher Schiltacher dort eine Besonderheit genießen – das grüne Bier aus dem nahen Tschechien. Im gegenseitigen Kennenlernen weiten sich die Horizonte. Eine Einladung zum Geisinger Volksfest 1992 verbinden die Erzgebirger mit einem Dankeschön für die „gute und ehrliche Unterstützung“.

Kontakte knüpfen auch die Vereine. Von besonderer Bedeutung ist die Zusammenarbeit der Feuerwehren. Und auch hier gehört der Techniktransfer nach Sachsen dazu. Ein Mannschaftstransportwagen und ein Löschgruppenfahrzeug steuern 1993 und 1995 aus dem Südwesten das Osterzgebirge an.

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Aber auch Gesangvereine sowie Faschings-   und Fasnetsvereine kommen zusammen. In den Gewerbevereinen gibt es „legendäre“ gemeinsamen Abende.  
Geising entwickelt sich positiv, spielt touristische Stärken aus. 1997 öffnet der beliebte Wildpark, in der Eishalle findet 2000 die Junioren-Weltmeisterschaft im Curling statt. 

Hilfe nach Hochwasser

2002 dann der schwere Rückschlag: das Hochwasser trifft die Gemeinde schwer. Reißende Wassermassen der Bäche hinterlassen einen Schaden von 22 Millionen Euro – eine Katastrophe, auch, weil nach den Aufbaujahren Reserven knapp sind.

Für die Schiltacher, selbst 1990 von einem Kinzighochwasser getroffen, ist Unterstützung selbstverständlich. Bei einer, von einer lokalen Zeitung koordinierten, Spendenaktion kommen 270.000 Euro zusammen, auch aus zahlreichen anderen Schwarzwälder Städten. 

Zwei Beispiele: Die Schiltacher Feuerwehr bricht einen Bahnschuppen ab, die gesparten Kosten gehen ebenso wie die Erträge einer Oldie-Nacht in Oberkirch in den Wiederaufbau. Sachspenden und die Angebote kostenfreier Urlaubswochen im Schwarzwald kommen dazu. 

Ein sichtlich ergriffener Geisinger Bürgermeister Frank Gössel möchte bei seinem Besuch im Herbst 2002 am liebsten jedem einzelnen Spender danken. Erneut hat sich die Partnerschaft bewährt.
 

Info

Aus Aufbauhilfe wurde ein Miteinander

30 Jahre sind vergangen. Schaut man auf eine Liste von einstigen Kontakten zwischen sächsischen und baden-württembergischen Gemeinden, sind inzwischen viele Partnerschaften eingeschlafen. Doch zwischen Schiltach und Geising haben sich verschiedene private Kontakte herausgebildet – aus der Aufbauhilfe wurde ein Miteinander. Geisings Ortsvorsteher Silvio Nitschke betont heute auch nach der Eingemeindung nach Altenberg und verschiedenen personellen Wechseln den Wert der Partnerschaft, welche man gern „fortführen und wieder etwas aufleben lassen“ möchte. Schiltachs Bürgermeister Thomas Haas sagt: „Die einstigen Akteure der Städtepartnerschaft sind zwischenzeitlich im Ruhestand. Es gibt nach wie vor Kontakte auf der persönlichen Ebene. Wir hatten eine Einladung nach Geising zum Stadtfest 2020 gesandt, das jetzt leider ausfallen muss. Vielleicht gibt sich nächstes Jahr hier ein Anknüpfungspunkt.“Die einstige Hilfsbedürftigkeit ist nicht mehr gegeben. So wie man heute über manche Geschichte der Anfangszeit schmunzeln kann und zwischen Ost und West manches Vorurteil noch nicht verschwunden ist, so kann man doch mit Freude und Zuversicht nicht nur auf die vergangenen 30, sondern auch die nächsten Jahre der Partnerschaft schauen. Und die Gemeinschaft auf Landesebene hilft auch ganz aktuell: Baden-Württemberg und Sachsen hatten gemeinsam eine Luftbrücke für Corona-Schutzausrüstung aus dem chinesischen Shanghai eingerichtet. 
 

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