Kinzigtal

Von Steinach in die USA

Autor: 
Maria Benz
Lesezeit 5 Minuten
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08. Februar 2014

(Bild 1/2) Georg Schöner als junger Vikar (Assistant Pastor) um 1893 im Raum Pittsburgh. Erst einige Jahre später zog er nach Oregon um und begann, sich der Pflanzenzucht zu widmen. ©Repro: Peter Schwörer

Georg Schöner war der wohl bekannteste Sohn Steinachs. In den USA machte sich der Pfarrer als Rosenzüchter einen Namen. In diesem Jahr wäre er 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass plant der Historische Verein Steinach in den kommenden Monaten mehrere Veranstaltungen.

Steinach. Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Mitgliedergruppe Steinach, und frühere Rektor der Steinacher Schule Peter Schwörer beschäftigt seit fast 50 Jahren mit dem Leben und Wirken des »Rosenpfarrers« Georg Schöner. »Als ich nach Steinach zog, habe ich in der Georg-Schöner-Straße gewohnt.« Darüber hinaus habe er 1966 einen Bericht über Georg Schöner in der »Badischen Heimat« gelesen – und daraufhin angefangen, sich mit Georg Schöner zu befassen.
Geboren wurde Schöner am 21. März 1864 im Steinacher Ortsteil Lachen. Nach seiner Schulzeit in Steinach besuchte er mit 19 Jahren zunächst die Klosterschule der Benediktiner in Engelberg (Schweiz) und wechselte nach drei Jahren bis 1889 in die Klosterschule Einsiedeln (Schweiz). Am Willibaldinum-Seminar in Eichstätt (Bayern) studierte er zwei Semester Philosophie. Eigentlich galt sein Interesse aber der Theologie.
Goldmedaille erhalten
1890 wanderte Georg Schöner in die USA aus, wo bereits seine Bollenbacher Tante Rosalia Schmitt lebte. Nach seinem Theologiestudium in Latrobe (rund 40 Meilen südöstlich von Pittsburgh) und seiner Primiz verschlug es ihn für sieben Jahre in fünf kleinere Gemeinden im Raum Pittsburgh. Nach einigen Jahren in der Pfarrei St. Cäcilia in Rochester am Ohio kam er nach Oregon – zunächst für ein Jahr nach St. Louis und danach nach Brooks im Williamette-Tal. Dort erlebte sein Leben einen Wendepunkt. Im Alter von 47 Jahren begann er, sich intensiv der Rosen- und Pflanzenzucht zu widmen, angeregt durch das jährliche Rosenfestival in Portland. Schon bald machte er sich vor allem als Rosenzüchter einen Namen. 1915 erhielt er eine erste Goldmedaille, aber im gleichen Jahr wurden Kirche, Pfarrhaus und der Rosengarten durch ein Feuer vernichtet. 1917 verließ er Portland und zog nach Santa Barbara in Kalifornien. Dort gelangen ihm in der Züchtung von Rosen, Früchten, Beeren und anderen Pflanzen Höhepunkte seines Schaffens. Sein besonderer Verdienst war es, die Mendelschen Regeln auch an Rosen und Obstsorten zu beweisen. 1936 gelang Georg Schöner seine berühmteste Züchtung: die schwarze Rose. Sie überdauerte jedoch nicht lange, weil sie schon kurze Zeit später aus seinem botanischen Garten in Santa Barbara gestohlen wurde. 1939 folgte er dem Ruf der Universität Santa Clara südlich von San Francisco, wo er am 10. Februar 1941 im Alter von 77 Jahren starb.
In Steinach erinnert heute noch einiges an den »Rosenpfarrer«. Außer der Georg-Schöner-Straße wurde am 20. März 1984, am Vortag des 120. Geburtstags Georg Schöners, auch die Steinacher Schule nach ihm benannt.  Fürs Jubiläumsjahr 2014 hat der Historische Verein eine ganze Reihe von Veranstaltungen geplant (siehe Termine), und auch in den USA wird dem »Rosenpfarrer« an seinem Geburtstag, dem 21. März, gedacht werden.

 

Hintergrund:

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Um 1936 züchtete Georg Schöner die schwarze Rose mit dem Namen »Justice Oliver Wendell Holmes«. Damals wurde auch ein Farbfilm über ihn gedreht, nach dessen Verbleib Peter Schwörer seit 1983 forschte. »Wir haben sogar mehrere Stunden in einem Filmarchiv in Los Angeles gesucht, aber leider vergeblich«, schildert er. »Schließlich hatten wir schon alle Hoffnung aufgegeben, dass wir ihn jemals finden.«
Der Steinacher Michael Schöner ist weitläufig mit dem »Rosenpfarrer« verwandt und hat sich ebenfalls mit dessen Biografie auseinandergesetzt. Er forschte im Internet nach dem Film – zunächst jedoch auch vergeblich. Einige Jahre später versuchte er es erneut und: »Mithilfe der heute möglichen Recherchetechnik im Internet gelang es, den Film ausfindig zu machen«, erzählt Schöner. Unterstützung fand er in einem hilfsbereiten Archivar in den USA, der ihm den entscheidenden Kontakt vermittelte. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen ganzen Film, sondern den Teil einer amerikanischen Wochenschau handelte. Dieser Film tauchte schließlich in einem Privatarchiv in Kalifornien auf. Der Historische Verein wird die 1.05 Minuten  lange Sequenz am 21. März erstmals der Öffentlichkeit präsentieren (siehe Termine).

 

Termine:

Programm fürs
Jubiläumsjahr
◼ Für Freitag, 21. März, lädt der Historische Verein, Mitgliedergruppe Steinach, zu einem festlichen Abend ins Haus der Vereine in Steinach ein. In einer Fotoschau lässt Peter Schwörer die wichtigsten Stationen des Lebens von Georg Schöner Revue passieren. Dabei wird erstmals der jahrelang verschollene Kurzfilm gezeigt, worin die legendäre schwarze Rose Georg Schöners zu sehen ist.
◼ Von Sonntag, 4. Mai, bis Sonntag, 19. Oktober, wird eine Sonderausstellung über Georg Schöner im Heimat- und Kleinbrennermuseum Steinach zu sehen sein. Öffnungszeiten: mittwochs 10 bis 12 Uhr sowie jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 16 bis 18 Uhr, Eintritt frei, Führungen von Gruppen unter • 0 78 32 / 52 94.
◼ Am Samstag, 5. Juli, wird in der Baumschule Schöner ein Rosenseminar zum Thema »Vermehrung und Züchtung von Rosen« angeboten. Anmeldungen sind bis zum 28. Juni unter LaBelleRose@t-online.de möglich. Unkostenbeitrag: zehn Euro.
◼ In Kooperation mit dem Katholischen Bildungswerk lädt der
Historische Verein für Freitag, 17. Oktober, zu einem Fachvortrag ein. Ute Wölfle von der Universitäts-Hautklinik
Freiburg wird  im Steinacher Pfarrheim zum Thema »Die Rose in
Medizin und Heilkunde« referieren. Der Eintritt ist frei. mb

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