Kinzigtal

Was macht eigentlich...Rose Marie Dähncke?

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 7 Minuten
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19. August 2009
Rose Marie Dähncke hat nach Hornberg auf La Palma eine zweite Pilzlehrschau aufgebaut und empfängt Pilzfreunde und Mykologen aus der ganzen Welt.

(Bild 1/3) Rose Marie Dähncke hat nach Hornberg auf La Palma eine zweite Pilzlehrschau aufgebaut und empfängt Pilzfreunde und Mykologen aus der ganzen Welt.

Sie standen einst im Rampenlicht und sind so gut wie verschwunden – aus dem Kinzigtal oder aus dem Rampenlicht. In unserer Reihe »Was macht eigentlich...« spüren wir jeden Dienstag einstige Kinzigtal-Promis auf. Heute: Rose Marie Dähncke, die in Hornberg die Pilzlehrschau aufbaute.

Hornberg. Das Interesse an Pilzen wurde Rose Marie Dähncke wohl in die Wiege gelegt. Schon ihre Großmutter ging mit den Mägden in den ostoberschlesischen Wald zum Pilzesammeln – dabei trug sie Seidenhandschuhe, wie es sich für eine Dame gehört. Ihre Mutter fuhr dann mit ihr mit dem Fahrrad in der Märkischen Heide herum, um Speisepilze zu suchen.
Die Leidenschaft und der Wunsch, tiefer in die Pilzkunde einzutauchen, begannen, als Rose Marie Dähncke mit 19 Jahren vor den Russen nach Lübeck flüchtete und dort zwei ernsthaft arbeitende Pilzkundler kennenlernte – ausgerüstet mit aufwendiger Pilzliteratur, guten Mikroskopen und bereit, sie eingehend zu unterrichten. Nachdem sie in Lübeck bereits in der Pilzberatung tätig war, zog sie nach Hornberg, im Gepäck über 500 Farbdias ihrer gefundenen Pilze.
Dort übernahm Rose Marie Dähncke die Schwarzwälder Pilzlehrschau von ihrem Begründer Rektor a.D. Hetzel und baute sie zu einem Lehrinstitut aus. Sie schuf das Pilzbrutlabor, legte den Hornberger Pilzgarten mit Kulturen der bekannten Zuchtpilze an, bildete im Auftrag der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie.) über 500 Pilzberater aus und begann, Pilz- und Kochbücher zu schreiben.

Die Schwarzwälder Pilzlehrschau ist das Aufbauwerk von
Rose Marie Dähncke

»Sie hat diese werbewirksame Einrichtung Jahr um Jahr ausgebaut und nicht zuletzt durch ihre Bücher in aller Welt bekannt gemacht«, stand im November 1980 im Offenburger Tageblatt. Tausende Besucher strömten damals nach Hornberg – 1980 beispielsweise allein in der Nachsaison 3000. Von den rund 700 Pilzberatern, die 1980 in der Bundesrepublik lebten, haben etwa 500 die Pilzberaterprüfung bei Rosa Maria Dähncke in Hornberg abgelegt.
Dass in Hornberg ihr Name verschwiegen wird, wenn von der unter Mykologen weltbekannten Pilzlehrschau gesprochen wird, liegt wohl daran, dass sie Hornberg 1980 im Unfrieden verließ. Schon damals hatte sie einen Zweitwohnsitz auf La Palma, war aber jedes Jahr zur Pilzzeit in Hornberg, wo sie Pilzunterricht erteilte und die Pilzberaterprüfungen abnahm. Für die Zeit ihrer Abwesenheit hatte sie als Helfer Walter Pätzold angestellt, der später die Pilzlehrschau übernahm.
Intrigen und Verleumdungen führten dazu, dass sie Ende 1980 die Pilzlehrschau in Hornberg aufgeben musste. Man habe ihre Abwesenheit benutzt, um sie beim Bürgermeister anzukreiden und ihn zur Kündigung regelrecht zu zwingen. Sie selbst habe von diesen Vorgängen erst erfahren, als sie die Kündigung erhielt. Die angebotene Rehabilitierung schlug sie jedoch aus, ließ ihr Lebenswerk zurück, zog ganz nach La Palma – und hat es nie bereut. Die selbstbewusste alte Dame hat sich dort ein neues Lebenswerk aufgebaut, auch ihre Tochter wohnt ganz in der Nähe.
Als sie vor 30 Jahren hierher kam, widmete sie sich sofort der sehr notwendigen pilzfloristischen Arbeit, da die Pilze auf dieser Insel bisher kaum Beachtung gefunden hatten. Auch einige »Weltneuheiten« hat sie dort schon gefunden. Dem Pilzstudium treu geblieben, hat sie in ihrem Haus ein Mykologisches Zentrum geschaffen, wo internationale Mykologen empfangen und ihre Forschungsergebnisse bearbeitet und archiviert werden. Bisher sind etwa 1300 Pilzarten auf La Palma aufgelistet. Für eine wissenschaftliche Dokumentation des Pilzvorkommens auf La Palma beobachtet die gezielt 35 Biotope nun schon 30 Jahre lang: »Das Resultat ergibt eine beeindruckende Arbeit«, so die 84-Jährige.
»Und hier sitze ich immer noch und genieße das Wohlergehen auf diesem paradiesischen Fleckchen, woran ich gerne auch meine Pilzfreunde teilhaben lasse«, sagt die Pilzexpertin. Ihre persönlichen Freunde dürfen sich über ihre legendäre Gastfreundschaft freuen und über die Unterkunft in ihrem heimeligen Gäs-tehäuschen direkt am Meer, das sie beziehen dürfen.
Tatsächlich blieben ihr auch viele der alten Pilzfreunde aus Deutschland treu und kommen immer wieder zu ihren Lehrgängen und Exkursionen. Auch die Koryphäen unter den Mykologen sind ihr willkommen – schließlich ist sie begierig, immer auch selbst noch etwas hinzuzulernen. Die »Gran dama de las setas« (Große Dame der Pilze), wie sie auf den Kanarischen Inseln bezeichnet wird, hat das Pilzparadies La Palma zu einem Eldorado gemacht. Der passionierte Pilzler kann nämlich gerade dann, wenn in Mitteleuropa die Pilzzeit vorüber ist, hier im Monat November den Beginn des reichen Pilzvorkommens genießen – und das mit Garantie, weil das Wetter auf der Insel konstant und voraussehbar ist. »Nach dem regenlosen Sommer beginnen die ersten Regenfälle Ende Oktober/Anfang November und gleich danach erscheinen die Pilze und halten bis Ende Dezember an: Das wiederholt sich jedes Jahr«, sagt Rose Marie Dähncke.
Unter Mithilfe ihrer Tochter Sabine hat sie ihr ausführliches Fotomaterial nun auf CD-ROM gebrannt: 2200 Farbfotos mit mehr als 1800 Pilzarten.  Die gesamte Insel La Palma sei inzwischen als Biosphärenreservat erklärt worden, und die Naturschützer »Medio Ambiente« und »Unesco« hätten Interesse am hiesigen Pilzvorkommen. So bringt sie nun ihre gesamte Biotoparbeit auf CD – mit GPS-Ortung der einzelnen Gebiete und somit für jeden auffindbar und nachvollziehbar. 
Heute noch wird nach ihrem Inselkochbuch gefragt, das es schon lange nicht mehr gibt. Zu ihrem eigenen Vergnügen, aber auch, um vielleicht eines Tages damit viele Leser zu ergötzen, haben Rose Marie und Sabine Dähncke den Stoff etwas geändert und mit 95 eingeflochtenen wahren, mehr oder weniger haarsträubenden Geschichten aus dem unglaublichen Inselalltag ein richtiges Erlebnisbuch daraus gemacht. Durch die Beschreibung der Hauptstädte, des Landlebens, der Feste und Sportmöglichkeiten lernt man die Insel richtig kennen. »Wir bringen erst einmal alles auf CD, woraus sich dann leicht ein Buch herstellen lässt«, so die Autorin.

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Viel Bewegung an der frischen Luft und gesunde Ernährung

Rose Marie Dähncke hat eine Power, von der andere nur Träumen können – jeden Tag viel Bewegung an der frischen Luft, eine gesunde Ernährung – wer sie nicht kennt, würde sie glatt 20 Jahre jünger schätzen, sagen ihre Freunde. Die Perfektionistin lernte perfekt Spanisch (inzwischen sind auch schon Bücher von ihr in Spanisch erschienen) und im hohen Alter hat sie sich noch in die völlig neue Materie Internet hineingekniet – das Ergebnis sieht man auf
www.mycopalma.com/Pilzeldorado/.

Zur Person: Rose Marie Dähncke
Rose Marie Dähncke wurde am 10. Februar 1925 als Einzelkind in Ostpreußen geboren. Der Vater war Ingenieur für Vermessungstechnik. Ihr Vorfahren waren höchst abenteuerlustig – sie sind mit den Goldgräbern nach Australien ausgewandert und auf Neuseeland sesshaft geworden. Ihre Urgroßmutter segelte bei jeder Schwangerschaft in ihre Heimat Ostpreußen zurück, um das Kind dort zu kriegen, die Fahrt dauerte jedesmal sechs Monate. Nur das sechste Kind kam auf Neuseeland zur Welt, das war ihre Großmutter Rosi, die einen Rittergutsbesitzer heiratete und mit den Mägden Pilze suchen ging. Rose Marie Dähncke machte eine Spezialausbildung in Berlin und wurde nach der Flucht vor den
Russen Chefarztsekretärin an der Lübecker Hautklinik bis zur Heirat. Ihr einziges Kind Sabine ist ebenfalls Pilzberaterin. 1972 kam Rose Marie Dähncke nach Hornberg, seit 1979 lebt sie auf La Palma.

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