Schiltach

Was Schiltach vor 150 Jahren bewegte

Autor: 
Andreas Morgenstern
Lesezeit 3 Minuten
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18. Mai 2021
Ansicht auf Schiltach im 19. Jahrhundert. Noch liegen die Flöße in der Kinzig.

Ansicht auf Schiltach im 19. Jahrhundert. Noch liegen die Flöße in der Kinzig. ©Andreas Morgenstern

Im Jahr 1871 war die Flößerstadt geprägt von der großen Politik. Der Sieg über die Franzosen wurde ausgiebig gefeiert und die Vereinheitlichung der Maße sorgte für viel Aufregung

Was bewegte eigentlich vor 150 Jahren die Schiltacher? Ein Blick in die Lokalzeitung „Der Kinzigtäler“ gibt darüber Auskunft. Das Jahr 1871 beginnt in Schiltach mit einer Bürgermeisterwahl am 5. Januar: Wilhelm Rösch wird mit 115 von 161 Stimmen wiedergewählt. Einen Bericht liefert „Der Kinzigtäler“ aber erst zwei Wochen später. Auch die Gegner Röschs melden sich zu Wort. In ihrem Vers, abgeleitet vom anti­französischen Lied „Die Wacht am Rhein“, reimen sie: „Stehe fest o Wacht am Rain/Fall nicht in den Bach hinein.“

In diese Tage hinein fällt die Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Die anstehende Reichstagswahl sorgt aber für mehr Gesprächsstoff: Der nationalliberale „Kinzigtäler“ fordert von den Parteianhängern dafür eine Geschlossenheit, wie sie „unsere tapferen Truppen“ im Krieg zeigten. Als ihr Kandidat Friedrich Kiefer gewählt wird, jubelt das Blatt geradezu kriegerisch: „Der Sieg ist unser!“

Freude über den Sieg

Gleichzeitig laufen in Schiltach die Vorbereitungen für „würdige Siegesfeiern“ nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg. Das Schiltacher „Sieges- und Friedensfest“ mit Böllerschüssen und Weihe in der Kirche, Festzug auf den Schlossberg zur Pflanzung einer Friedenseiche, Freudenfeuer und Feuerwerk wird am 22. März begangen. Am Ostermontag folgt ein Konzert des Gesangvereins für die heimgekehrten Söhne. Opfer gibt es nicht zu beklagen.

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Die alltäglichen Sorgen drücken aber auch 1871. Kritisiert wird die Rückseite der Häuser am Marktplatz. Nicht allein eine Geruchsbelästigung wird beklagt. Sie sollen auch endlich „tapeziert“ werden. Gemeint ist wohl, dass auch hier die Fachwerkkulisse hinter Putz verschwinden soll. Am 10. Juni liest man dann von der Mahnung zur Pockenimpfung. Die Maßnahme zum Gesundheitsschutz ruft nämlich noch immer Skepsis hervor. Gefeiert wird aber auch, so am 29. Juni zum „Jahrmarkt“ und am 10. September zum Geburtstag des Großherzogs im „Rössle“. Zwei Jahre später wird das Gasthaus abbrennen und durch einen Neubau ersetzt werden. Nicht dabei sind mehrere Flößer, die im Juli in Siebenbürgen verunglücken. Vier Männer werden im Schlaf von einem Hochwasser überrascht.

Noch immer kämpft das obere Kinzigtal um einen Bahnanschluss. Das moderne Verkehrs- und Transportmittel soll die Kutschen und die Flößerei ersetzen. Auf Widerspruch stößt aber die Idee des Baus einer Schmalspurbahn. Der Langholztransport sei eine „Lebensfrage“ und allein die dann nötige Umladung in Hausach auf normalgleisige Waggons verteuere die Fahrt viel zu stark. Bis die erste Lokomotive Schiltach erreicht, sollen aber noch 15 Jahre vergehen. Regelmäßig verkehrende Postwagen verbinden derweil Schiltach mit dem nächstgelegenen Bahnhof in Hausach.

Zum Jahresende steht ein neuer Aufreger vor der Tür: die Vereinheitlichung der Maße im Deutschen Reich. Gefordert werden zukünftig geeichte Gläser. Den alten Schoppengläsern droht das Aus. Anfang Januar 1872 wird man in vielen Wirtschaften höhere Bier- und Weinpreise zahlen müssen.

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