Mühlenbacher »Stuttgart 21« beklagt

Weitere Kostensteigerung bei Hausbau in der Hauptstraße

Autor: 
Lars Reutter
Lesezeit 3 Minuten
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25. Januar 2018
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Sozialer Wohnungsbau: Das alte Gebäude in der Hauptstraße weicht einem neuen Mehrfamlienwohnhaus. ©Archivfoto: Andreas Buchta

Der geplante Bau des Hauses in der Mühlenbacher Hauptstraße kostet immer mehr. Der Ärger darüber und die Furcht vor einer weiteren Kostensteigerung war nun so groß, dass der Bau am Mittwoch im Gemeinderat in Frage gestellt wurde. Eine große Mehrheit entschied sich aber für einen Weiterbau.

Bereits in der Frageviertelstunde der Mühlenbacher Gemeinderatssitzung  lenkte ein Bürger den Fokus auf den geplanten Hausbau in der Hauptstraße 48.  Er fragte, wie es zu der Kostensteigerung kommt und verwendete die Schlagworte »Elbphilharmonie« und »Stuttgart 21« als Beispiele für Großprojekte, die auch immer teurer werden.

Der Verdruss über immer höher gehende Kostensteigerung war anschließend auch Bürgermeisterin Helga Wössner, die allerdings nicht von einer »Elbphilharmonie« sprechen wollte, und den Gemeinderäten anzumerken. Ursprünglich hatte  das Gremium dem Bauprojekt für 650 000 Euro Kosten zugestimmt, aktuell geht Architekt Martin Hättich inklusive aller jetzt bekannten Kosten von 879 000 Euro brutto aus.

»Normales Wohnhaus ohne Schnickschnack«

Hättich erklärte, warum es zur Preissteigerung gekommen sei. So sei das Haus um 200 Kubikmeter vergrößert worden und eine Wohnung sei dazu gekommen. Die Preissteigerungen in der Baubranche wären sehr groß. »Es kann ja auch niemand sagen, was das Benzin im August kosten wird«, machte er deutlich, dass dies so nicht berechenbar war.

Zudem könne man im öffentlichen Bereich nur sehr bedingt mit Firmen verhandeln. »Man bekommt oft nicht einmal mehr Skonto«, sagte er. An unnötigen »Luxus« könne man die Kosten dagegen nicht festmachen. »Wir bauen ein ganz normales Wohnhaus ohne Schnickschnack«, sagte der Architekt.

Man kämpfe darum, dass die Kosten nicht weiter steigen. So habe die Gemeinde ein aus statischen Gründen gefordertes Baugrundgutachten zu einem sehr günstigen »Wahnsinnspreis« bekommen. Dieses Gutachten war nötig, weil die Situation vor Ort über Gründungstiefen, Beschaffenheit der Wände und verdeckte Stützmauern völlig unklar war. 

Haus muss näher zur Straße rücken

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Festgestellt wurde eine Grundbruchgefahr. Beim Wohnhaus sollen nun die bergseitige Kellerwand und die orthogonalen Außenwände stehen bleiben. Zudem müssen Absprießarbeiten der Wand während des Baus ausgeführt werden.

Um hinten mehr Platz zum Arbeiten zu haben, wird das Haus um zehn bis 15 Zentimeter zur Straße gerückt. Somit hat der Gehweg dann laut Hättich noch eine Breite von rund 1,50 Meter. Die Mehrkosten betragen hierfür bis zu 12 000 Euro. Dem stimmte der Gemeinderat geschlossen zu.

Thomas Keller (FWV) hatte zuvor erklärt, dass man rückblickend besser auf der grünen Wiese hätte bauen sollen.  Hätte er zu Beginn gewusst, was es am Ende kostet, hätte er nicht zugestimmt. Nun habe er Bedenken, dass sogar eine siebenstellige Zahl noch erreicht werde. Das Projekt werde zu einem »finanziellen Grab«. 

Auch sein Fraktionskollege Klaus Armbruster fragte sich, ob man noch einen »Nothalt« einlegen könne oder nun da durch müsse. Helga Wössner regte an, in der nächsten Sitzung aufzuzeigen, was ein Rücktritt angesichts einiger schon vergebener Aufträge kosten würde. »Man soll vorsichtig mit den Steuergeldern umgehen«, sagte sie.

Mehrheit gegen ein »Nothalt« des Projekts

Obwohl die Bürgermeisterin betonte, dass die kein »Stopp-Signal« wäre, sondern man dann auch entscheiden könnte, dass man lieber weiter baut, stimmten nur sie sowie Keller und Armbruster für die Option des Durchkalkulierens eines Projektendes. 

Die Mehrheit der Räte fand, dass man dafür schon viel zu weit sei. Auch befürchteten sie, dass bei den nun anstehenden Ausschreibungen ansonsten erst recht keine guten Preise zu erzielen seien. 

Laut Hättich hätte man das bestehende Haus ansonsten irgendwann abreißen müssen und nicht ohne weitere Maßnahmen einfach einen Parkplatz hätte hinsetzen können.

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