Georgstag, 23. April

Wiedendrehen: Schiltacher Flößer haben den Bogen raus

Martina Baumgartner
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
08. April 2018

Holger Wöhrle (links) und Obmann Thomas Kipp arbeiten beim Wiedendrehen Hand in Hand. ©Martina Baumgartner

Vor dem Beginn der Flößersaison am Georgstag, 23. April, stellen die Schiltacher Flößer das Bindematerial, das die Stämme zu Flößen zusammenhält, her – bereits seit 15 Jahren. Am Samstag trafen sie sich für die Arbeit beim Floßschopf, ihrem Lagerplatz und Vereinshaus. 

Bereits um acht Uhr heizen sie den Wied- oder Bähofen auf rund 400 Grad dafür ein. Profi an der Ofenklappe ist Erwin Wolber. Er hat den Bogen raus, wie das Feuer einen schönen Flammenkranz um die zuvor gewässerten Haselnussstecken legt und das Wasser darin so gleichmäßig auf die richtige Temperatur bringt (bäht), ohne es zu verbrennen. Immer wieder zieht er eine Stange heraus, biegt sie und prüft, ob sie bereits flexibel genug ist, um sie zu einer Wiede zu verarbeiten.

2002 haben sich die Schiltacher Flößer einen eigenen Wiedofen mit rund fünf Metern Länge gebaut. »Das Vorbild dafür gibt es noch im Wald in Reinerzau«, informiert Flößerobmann Thomas Kipp, der im Schwarzwald keinen weiteres Wiedofen aus Flößerzeiten kennt. Das Wiedendrehen haben die Schiltacher Flößer von den Kameraden in Wolfach gelernt und weiterentwickelt. Zusammen mit den Fößerfreunden in Reinerzau und einer Gruppe in Thüringen sind sie die einzigen in Deutschland, die dieses Handwerk noch ausüben. 

Flößern haben selbst keine Wieder gedreht

»In damaliger Zeit haben Dienstleister die Flößer mit Wieden beliefert. Die Flößer selbst haben keine Wieden gedreht«, erklärt Kipp. Schriftliche Quellen belegen beispielsweise den Verkauf von Wieden im Gasthaus »Zum Zähringer« in Oberwolfach.
Eine Holzstange nach der anderen zieht Wolber immer wieder aus dem Ofen und prüft ihre ausreichende Biegsamkeit, die sie durchs Erwärmen bekommt. Dann werden sie angespitzt und in ein Loch in den Wiedstock – ein Holzstamm –  gesteckt und dort mit Holzkeilen fixiert. Früher wären die Wiedstöcke in die Erde eingegraben gewesen. Heute hätten die Flößer die Stämme in schwere gusseiserne Kanaldeckel gestellt, um stellplatzflexibel zu sein, informiert Kipp.

- Anzeige -

Die Kameraden drehen die fixierte Wiede mithilfe eines Rundholzes um die eigene Achse, sodass die Rinde abplatzt und die längs gewachsenen Pflanzenfasern zwar getrennt, jedoch nicht durchtrennt, werden. Es entsteht ein starkes und flexibles Holzseil, das sich im nassen Zustand wie ein Lasso aufwickeln und später zum Zusammenbinden der Stämme und mehrerer Floßtafeln zu einem Floß verarbeiten lässt. 

Geeignetes Material wächst entlang des Flusses

Wiede sei auf keinen Fall gleich Wiede, achtet Kipp auf die Auswahl der hölzernen Ruten. »Es wird geeignetes Material, was entlang des Flusses wächst, genutzt. An der Kinzig ist es Haselnuss, in der Region um Nagold eher Tanne und Fichte. Die Spanier würden Schneebeerbaum und Birke verwenden, weiß Kipp. Die geschnittenen Ruten müssen gerade gewachsen, ast- und verzweigungsfrei sein. Ausgebrauchte Wieden wurden früher von der ärmeren Bevölkerung als Heizmaterial verwendet.

Rund 300 Wieden produzieren die Schiltacher am Samstag. Das reicht aus, für den eigenen Floßbau, zum Verkauf oder Geschenk als Souvenir bei Veranstaltungen im Jahr und für die Bestellungen, die die Flößer beispielsweise von Kollegen an der Elbe oder Museen haben. 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

Am Fischerbacher Rathaus wird es eine Betonwand unterhalb des Straßenbelags Halt geben.
gerade eben
Fischerbach
Im Gemeinderat in Fischerbach wurde am Montag über den aktuellen Stand der Bauarbeiten am Rathaus gesprochen. Es wurden außerdem Arbeiten vergeben.
Original: Das Heiligtum "Mutter vom Guten Rat" in Genazzone (Italien).⇒Foto: Failer
vor 40 Minuten
Haslach im Kinzigtal
Das Gnadenbild "Mutter vom Guten Rat", das Heinrich Hansjakob einst dem Kapuzinerkloster in Zell vermacht hatte, steht im Mittelpunkt des Patroziniumsgottesdiensts am Freitag in der Haslacher Klosterkirche.
Abschied und Ehrungen (von links): Wunnibald Lehmann, Franz Günter, Bernhard Waidele, Kurt Schmieder, Jasmin Kern, Beate Belz, Armin Zimber und Ramon Kara. 
vor 2 Stunden
Bad Rippoldsau-Schapbach
92 Jahre kommunalpolitische Erfahrung wurden am Dienstag in der konstituierenden Sitzung des Bad Rippoldsau-Schapbacher Gemeinderats mit viel Lob aus dem Gremium verabschiedet.
Das Bankhaus Faisst blickt einer internationalen Zukunft entgegen: Die Übernahme durch die türkische Yapi Kredi ist perfekt.
vor 5 Stunden
Wolfach
Zwei Jahre prüften die Regulierungsbehörden – jetzt ist der Deal perfekt: Die türkische Großbank Yapi ve Kredi Bankasi übernimmt das um ein Vielfaches kleinere Wolfacher Bankhaus J. Faisst. Und mit ihm die Vollbanklizenz für den Einstieg in den deutschen Markt.
Bürgermeister Thomas Schneider mit dem neuen Gremium (von links) Joachim Sum, Michael Schmid, Silvia Faißt, Ralf Kammerer, Stefan Heizmann, Marko Vollmer, Tanja Schonhard, Patrik Keller, Robin Allgeier und Michael Kohmann.
vor 5 Stunden
Fischerbach
Der Fischerbacher Gemeinderat ist seit Montagabend konstituiert. Drei langjährige Ratsmitglieder wurden verabschiedet, die sich nicht mehr der Wahl gestellt hatten.
Jede Menge Betrieb herrschte beim Zwölf-Stunden-Schwimmen des Fördervereins Freibad Hornberg am Samstag.
vor 8 Stunden
Hornberg
Der Förderverein Freibad Hornberg verbuchte mit seinem sechsten Zwölf-Stunden-Schwimmen einen riesigen Erfolg. 251 Teilnehmer schwammen insgesamt 654,60 Kilometer.
Trotz guter Erfahrungen mit dem neuen Hebeplattformaufzug in der Schulstraße sah der Rat dieses System ungeeignet für das Gesundheitszentrum.
vor 11 Stunden
Schenkenzell
Das vormalige Haus des Gastes in Schenkenzell soll noch in diesem Jahr durch einen neuen Aufzug barrierefrei werden. Für ein geeignetes Modell greift der Gemeinderat tief in die Tasche.
Friedhelm Bals wird wieder in Haslach singen.
vor 12 Stunden
Haslach im Kinzigtal
In der evangelischen Kirche Haslach erklingt am Samstag wieder Fado. Dabei sind Friedhelm Bals, Maria Thereza Bliss und Hartmut Preyer.
Heinz Winkler (von links) mit Franz Xaver und Brunhilde Giesler sowie Kassierer Helmut Bächle.
vor 12 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Die Überraschung ist Franz Xaver und Brunhilde Giesler am Samstagvormittag gelungen. Neben der Spende eines mittleren vierstelligen Betrags an den Förderverein des Haslacher Tafelladens erklärten sie sich zur Übernahme einer festen Patenschaft bereit.
Am Freitagabend ist Bänkelfest in Haslach.
vor 13 Stunden
Haslach im Kinzigtal
Die Haslacher KJG lädt für Freitag, 26. Juli, auf 20 Uhr zum Bänkelfest auf die Kinderwiese in Richtung Waldsee ein. Seit der Premiere am 16. Juli 1999 hat sich das Fest beständig weiterentwickelt und findet in diesem Jahr bereits zum 24. Mal statt.
Der Kegelclub Matten holte sich beim Quattroball-Turnier im Rahmen der Sportwoche den Titel. 
vor 13 Stunden
Oberwolfach
Vielfältige Wettbewerbe und Abwechslung waren bei der Sportwoche in Oberwolfach geboten. Von Donnerstag bis Sonntag spielten die Sportler auf dem Rasen.
Das neue Ortschaftsratsgremium mit Ortsvorsteher Alexander Hock (von links), hintere Reihe Christin Albach, Eugen Feiertag und Franz-Josef Kaltenbach sowie vorn, von links, Hannelore Schurt und Bernd Hock. Ortschaftsrätin Petra Streif wurde verabschiedet.
vor 13 Stunden
Hornberg - Niederwasser
Der Ortschaftsrat in Niederwasser konstituierte sich am Montagabend und wählte Alexander Hock erneut zum Ortsvorsteher. Dieser kündigte allerdings seine letzte Amtsperiode an.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Kinder, Kinder! Jetzt starten die Sommerferien und es gibt in der Region richtig viel zu erleben. 
    vor 2 Stunden
    Mit dem Magazin "Schöne Ferien" werden es wunderbare Tage
    Im Dampfzug durch die Täler schnaufen, sich im Besucherbergwerk auf die Spuren der Bergleute begeben, bei Sagenwanderungen staunen: In der Region ist im Sommer extra viel los. Entdecken Sie die Ortenau, die angrenzenden Kreise, den Schwarzwald und das Elsass.
  • Spitze in Sache Beratung und Service: Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll, freuen sich über die Auszeichnungen zum 1a-Küchen und Möbel Fachhändler.
    14.07.2024
    Möbel und Küchen Seifert heimst zwei Auszeichnungen ein
    Kunden bestätigen erneut ihre Zufriedenheit:: Möbel und Küchen Seifert in Achern zum 5. Mal in Folge als 1a-Küchen und Möbel Fachhändler ausgezeichnet. Geschäftsführer Emanuel Seifert und Küchenfachberaterin Fabienne Röll sind sehr stolz auf die Auszeichnungen.
  • Mehr als 300 Gäste feierten in festlichem Ambiente bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam mit den Familien Benz. @ST-Benz
    26.06.2024
    400 Jahre „Firmengeschichte“ in Berghaupten
    Stimmungsvolles Ambiente, bewegende Reden, atemberaubende Akrobatik, edles Menü und viel gute Laune – 300 Gäste feierten den Erfolg des traditionsreichen Unternehmens, das bereits in der vierten Generation Fortbestand hat.
  • Die Geschwister Paul (von links) und Anna Seebacher führen das Geschäft expert oehler derzeit gemeinsam mit ihren Eltern Dagmar und Ralf Seebacher.
    07.06.2024
    Neueröffnung in Offenburg-Bühl
    Expert oehler in Offenburg-Bühl eröffnet am Montag, 10. Juni, nach umfangreichen Renovierungsarbeiten die neue Miele-Welt. Das gesamte oehler-Team freut sich die Kunden im Gespräch persönlich zu beraten. Wer will, kann die neuesten Geräte direkt vor Ort ausprobieren.