Hausach

Wie der elektrische Strom ins Kinzigtal kam

Autor: 
Christiane Agüera Oliver
Lesezeit 4 Minuten
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15. Dezember 2018

Helmut Meyerhöfer hat erneut zwei Chroniken erstellt über die Stromversorgung im Kinzigtal und die Haslacher Firma Bauer und Schoeneberger.  ©Christiane Agüera Oliver

Nach seinen Bergbau-chroniken legte Helmut Meyerhöfer nun zwei weitere heimatgeschichtliche Werke vor, über die Stromversorgung im Kinzigtal sowie eine Chronik über die Schnellinger Firma Bauer und Schöneberger. 

Ausführlich befasste sich Heimatforscher Helmut Meyerhöfer hauptsächlich in den vergangenen drei Jahren mit der Stromversorgung im mittleren und oberen Kinzigtal. Außerdem erinnert er in der Chronik über Bauer und Schoenenberger, über die Anfänge, den Aufstieg und Niedergang der Schnellinger Firma. Bei einem Pressegespräch informierte Meyerhöfer am Donnerstag im Kultur- und Tourismusbüro über sein Schaffen und gewährte Einblicke in die beiden umfassenden Werke.

Auf 142 Seiten schildert der Autor, wie der Strom in Hausach und im Kinzigtal Einzug hielt, »und wie chaotisch es teilweise zuging«. Aber auch mit der Geschichte der vielen kleinen lokalen E-Werke in dieser Pionierzeit befasste sich der Hausacher. »Deshalb ist das Buch auch für Leser ab Berghaupten, aus dem Harmersbachtal über Steinach, Haslach bis ins Wolftal an die württembergische Grenze bei Schapbach/Bad-Rippoldsau hin interessant«.

Den größten Augenmerk legte er allerdings auf Hausach, dort gewährten ihm der inzwischen verstorbene Helmut Spinner und später dann Stadtarchivar Michael Hensle Einblicke ins städtische Archiv. »Das hat vieles erleichtert«, dankte Meyerhöfer. Schon im Jahr 1898 sei das erste Angebot über die Stromversorgung in Hausach eingegangen. »Die Stadt zögerte, wahrscheinlich aus Unkenntnis der Materie«, vermutet der Autor. 

Erster Strom für die Bahn

Erst in den Jahren 1910/11 kam der Strom in Hausach an. »Aber nicht in der Stadt, zuerst am Bahnhof für die damalige Reichsbahn. Geliefert wurde der Strom durch Bauer und Schoenenberger mittels einer eigenen Leitung von Schnellingen aus«, informierte er. Kurz darauf, 1911, installierte der damalige Stadtmühlen-Müller Benjamin Uhl eine Stromerzeugungsanlage und versorgte einige wenige Häuser. »Angeschlossen waren bis Mitte 1912 gerade mal 112 Kohlefaser-Glühlampen à etwa 28 Watt und Motoren mit insgesamt drei Pferdestärken, vermutlich drei Motoren mit jeweils einer PS«. 

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Die wechselvolle Geschichte der Hausacher Stadtmühle, die bis ins Jahr 1554 lückenlos zurückverfolgt werden konnte, ist bis Ende der 1970er-Jahre, als die Engstelle beseitigt wurde, übrigens in einem eigenen Kapitel dokumentiert. 1913 entschloss sich Hausach, ein Stadtnetz zu installieren mit Holzmasten, Dachständern, Kupferleitungen. »Strom lieferte die Stadtmühle, bei Bedarf wurde er über die Überlandleitung von Bauer und Schoenenberger zugekauft.

Zeitlebens habe die Firma Bauer und Schoenenberger den in Schnellingen aufgewachsenen Meyerhöfer fasziniert. Sein Großvater war dort als Obermonteur beschäftigt, die Großmutter in der Zündholzfabrik. »Es gab kaum eine Schnellinger Familie, die nicht mit dem Unternehmen in irgend einer Weise verbunden war«, so Meyerhöfer. Auch er selbst hatte sich dort als 15-Jähriger die ersten Mark und Pfennige in den Sommerferien verdient und sich damit eine Fahrradtour nach Österreich finanziert. »Die Geschichte von Bauer und Schoenenberger ist so spannend, dass es sogar zu mehr als dem 161 Seiten umfassenden Band gereicht hätte«, blickt Meyerhöfer auf sein zweites Werk.

Nächstes Projekt: Höfe

»Diese Arbeit hat mich so manchen Nerv gekostet«, fasst der Autor zusammen, doch es sei ein liebes und nettes Hobby, das ihm viel Spaß bereite. Alte Dokumente übersetzte er von der Kurrentschrift in verständliches Deutsch. »Da waren ganz schöne Sauklauen dabei«, schmunzelt er. Auch habe es immer wieder Widersprüche gegeben, die erst einmal aufgeklärt werden mussten. Nicht immer sei ihm das gelungen.

»Im Kopf spielt sich schon wieder eine Idee ab«, blickt der 77-Jährige auf sein nächstes Projekt. Doch seine Frau würde dann bestimmt mit ihm schimpfen, ergänzt er lachend. Nun bleibt abzuwarten, ob Helmut Meyerhöfer die Geschichte der Einbacher Höfe zu Papier bringen wird. »Meine gesammelten Unterlagen reichen bis ins Jahr 1500 zurück«, verrät er.
 

Stichwort

Chroniken

◼ »Die Einführung des elektrischen Stroms in Hausach sowie im mittleren und oberen Kinzigtal« ist in einer Auflage von 80 Stück erschienen und kostet 22 Euro.
◼ »Bauer & Schoenenberger in Schnellingen – Anfänge, Aufstieg und Niedergang eines Unternehmens« hat eine Auflage von 40 Stück und kostet 24 Euro.
Beide Bände, im Eigenverlag erschienen, kosten zusammen 42 Euro und sind im Kultur- und Tourismusbüro Hausach, in der Buchhandlung Carosi in Wolfach und bei Helmut Meyerhöfer nach telefonischer Vereinbarung unter • 0 78 31/14 55 in Hausach, Friedensstraße 36 erhältlich.

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