Hausach

Wie jeder die Insektenvielfalt fördern kann

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13. Februar 2020

Fabian Ladwig ist in der Beratungsstelle des Landratsamts für Obst- und Gartenbau als Nachfolger von Heidrun Holzförster für die Obst- und Gartenbauvereine im Kinzigtal zuständig. Auf der Leinwand eins von vielen Insektenbildern unseres Leserfotografen Wolfgang Ott. ©Claudia Ramsteiner

Der massive Rückgang der Insekten sei vielfach belegt, überbrachte Gartenbauingenieur Fabian Ladwig bei seinem Vortrag beim Bezirksobst- und Gartenbauverein im Hausacher Feuerwehrgerätehaus die schlechte Nachricht – um dann mit vielen Tipps aufzumuntern, dagegenzuhalten. 

Auf der Kreisscheibe, die Gartenbauingenieur Fabian Ladwig zu Beginn der Veranstaltung des Bezirks-obst- und Gartenbauverein zeigt, nehmen die Insekten unter allen lebenden Organismen der Welt 80 Prozent ein. Und er erläutert mehrere Studien, die deren rapider Rückgang wissenschaftlich belegen. Jede Tierart benötige eine Mindestpopulation, damit der Bestand nicht zusammenbricht. Deshalb seien auf der roten Liste aussterbender Arten auch Tiere, die in einigen Regionen noch zahlreich vertreten seien.

Folgen für das ganze Ökosystem

Das Aussterben einer Art habe Folgen für das gesamte Ökosystem. „Lebewesen erobern sich Nischen – und wenn eine Nische frei wird, wird sie von einem anderen Lebewesen besetzt. Und das ist nicht immer erfreulich“, sagt er. Wanzen seien beispielsweise sehr flotte Nischenbesetzer. Das Aussterben von Insekten könnte dramatischer und folgenreicher als der Klimawandel sein, gibt er zu bedenken und verweist auf China, so bereits Menschenkolonnen das Bestäuben der Pflanzen übernehmen müssen.

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Die Gründe für den Insektenrückgang reichen vom Landschaftsstrukturwandel (mehr Versiegerlung, weniger Vielfalt) über Närstoffeinstärge, Pflanzenschutzmittel, Klimawandel (immer mehr Trockengebiete) und  Gewässerqualität bis zu den erneuerbaren Energien (nicht insektenfreundlicher Biomassenanbau für Biogasanlagen). Schlechtere Ernten, mehr Insektenplagen einzelner Arten, Rückgang der genetischen Vielfalt und der Quellen für Nahrungsmittel und Medikamente seien die Folgen.

Auf diese schlechten Nachrichten folgten viele Tipps für die Hobbygärtner, wie sie in ihren Gärten die Insektenvielfalt unterstützen könnten. Hier einige Beispiele. 

◼ Abschied vom Rasen, Anlegen einer Wildblumenwiese, für die es einige Jahre Geduld braucht (die Anleitung dafür gibt es in der Beratungsstelle).
◼ Freiwilliger Verzicht auf insektenschädigende Pflanzenschutzmittel.
◼ Anlegen von Lebens- und Nisträumen für Arten, besonders für Insekten. Insektenhotels aus gebohrtem Holz, Schilf- und Bambusstengel selbst herstellen, die gekaufen seien nur Deko.
◼ Mut zu „wilden Ecken“ im Garten wie Totholzhaufen oder Brennesselecken und diese mit Argumenten gegenüber den Nachbarn verteidigen. 
◼ Flächenversiegelung weitmöglich vermeiden.
◼ Stauden und Büsche pflanzen, vor dem Blumenpflanzen informieren, welche Insekten Freude machen. 
◼ Wiesen in Abschnitten mähen, damit immer etwas blüht: „Nichts verdängt Blühpflanzen so gründlich wie Mähroboter“.
Zum Abschluss gab es viele interessante Insektenbilder des Gutacher Naturfotografen Wolfgang Ott – und einen dankbaren Beifall der rund 20 Besucher samt kleinem Präsent für den Referenten. 

Zur Person

Fabian Ladwig

Fabian Ladwig ist in der Beratungsstelle Obst und Gartenbau des Landratsamts als Nachfolger der inzwischen pensionierten Heidrun Holzförster für die Betreuung der Vereine und der Gemeindegärtner zuständig. Der 43-Jährige leitet einen Gartenbaubetrieb in Waldkirch und hat beim Landratsamt eine 50-Prozent-Stelle. Er hat nach dem Abitur Gemüsegärtner gelernt und dann in Weihenstefan Gartenbau Fachrichtung Gemüse, Zierpflanzen und Automatisierung studiert. Danach arbeitete er als Gartenbauingenieur in einem großen Betrieb in der Schweiz, „wo ich das Gemüse, das ich produzieren musste, lieber nicht selbst gegessen habe“. Vor elf Jahren machte er sich selbstständig und schätzt in der Region unter anderem die kleinbetrieblichen Strukturen. 

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