Mittleres Kinzigtal
Dossier: 

Wie sich die Corona-Testpflicht auf Kinzigtäler Friseursalons auswirkt - prev

Autor: 
Martina Baumgartner
Lesezeit 4 Minuten
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12. Mai 2021
Leere Plätze im Geschäft haben die Schiltacher Friseursalon-Inhaberin Tamara Berberich (links) und ihre Mitarbeiterin Jana Flaig in Folge „testfreier“ Tage in Schiltach. Selbst in den Nasen ihrer Kunden zu bohren, sei keine Option, sagt Berberich.

Leere Plätze im Geschäft haben die Schiltacher Friseursalon-Inhaberin Tamara Berberich (links) und ihre Mitarbeiterin Jana Flaig in Folge „testfreier“ Tage in Schiltach. Selbst in den Nasen ihrer Kunden zu bohren, sei keine Option, sagt Berberich. ©Martina Baumgartner

Zwei Wochen nach Einführung der Testpflicht für Friseurbesucher fragt das Offenburger Tageblatt nach den Erfahrungen in Kinzigtäler Salons. Umsatzeinbußen gibt es bei allen Befragten.

„Ich habe einen Friseurtermin und brauche einen Schnelltestnachweis“, heißt es in den vergangenen zwei Wochen immer wieder bei Terminvereinbarungen im Schiltacher Corona-Schnelltestzentrum. Zwischen 80 und 130 Tests schaffen die Tester des DRK-Ortsvereins und der Sozialgemeinschaft Schiltach/Schenkenzell pro Öffnungstag der kommunalen Teststation. Die städtische Bescheinigung des Ergebnisses von Dienstag und Donnerstag ist 24 Stunden lang gültig.

„Das reicht uns gerade mal für Geschäft jeweils am Mittwoch und Freitag. An den restlichen Tagen stehen wir uns oft die Beine in den Bauch“, klagt Tamara Berberich. Sie ist Inhaberin des gleichnamigen Friseursalons in Schiltach und hat der Stadtverwaltung die Misere ihrer Branche geschildert. Doch mehr tun als das öffentliche Schnelltestangebot an zwei Tagen die Woche, könne man dort nicht, hieß es zunächst laut Berberich. Seit Dienstag haben Schiltach und Schenkenzell ihr Testangebot zusammengelegt und bieten Bürgern beider Kommunen so an vier Tagen pro Woche die Möglichkeit zur Testung.
In ihrem Salon spüre sie das lediglich minimal, bilanziert Berberich. „Einige unserer Kunden sitzen die Testpflicht aus und sind nicht bereit, sich überhaupt testen zu lassen und warten offenbar auf andere Zeiten“, sagt sie mit Blick auf die vielen Terminabsagen.

Boykott trifft Friseure

Eine Entschuldigung für die Verweigerung von Corona-Tests sei häufig die Absicht zum Boykott der Maßnahme. „Doch damit treffen meine Kunden nicht die Regierung als oft gemeinten Adressaten, sondern mich als Unternehmerin“, erklärt Berberich und ist enttäuscht über manche Testunwillige, denen sie zuvor entgegen gekommen sei und auch mal Feierabendtermine eingeräumt habe. Für Berberich ist klar, dass es nicht Aufgabe der Friseure sein könne und dürfe, medizinkundige Tests durchzuführen. Zu heikel seien für sie die Fragen nach dem Schutz der Persönlichkeit und der Gesundheit, der Haftung im Schadensfall und des unklaren „Datenschutzkrams“. Sie hat sich entschieden: „Ich mache das zurzeit nicht.“

Beim Landeck City-Friseur in Haslach hagelte es nicht nur Absagen und sogar Beschimpfungen empörter Kunden, es gab zudem auch keine weiteren Terminvereinbarungen – wie bei allen Befragten, schildert Inhaberin Elke Hoch. Ihr Salon profitierte offenbar von den abgestimmten Öffnungszeiten der insgesamt fünf lokalen Teststationen in der Raumschaft Haslach.

Schulung bei Kammer

Die kommunalen Testzeiten deckten jedoch längst nicht alle Friseurtermine ab. Hoch bestellte selbst 200 Schnelltests für den tieferen Nasenabstrich bei der Handwerkskammer und damit auch gleich eine Online-Schulung für sich und alle sechs Kolleginnen. Eineinhalb Stunden ließen sich die Friseurinnen zum Thema unterweisen und machten am Ende einen Abschlusstest. „Da hat man schon konzentriert dabei sein müssen“, sagt Hoch.

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Seit Dienstag überwachen die Friseurinnen die Selbsttestungen ihrer Kunden vor Ort im Haslacher Salon. Die Tests erwerben diese zum Einkaufspreis von rund fünf bis sechs Euro. „Wir überwachen auch die Durchführung der von den Kunden selbst mitgebrachten, handelsüblichen Selbsttests.“

Nicole Oberle vom Salon Oberle in Wolfach „zieht die Sache von Anfang an durch“, sagt sie. Bereits am ersten Arbeitstag nach Einführung der Testpflicht für Friseurbesucher hatte das Wolfacher Team Schnelltests im Angebot. Noch am Wochenende zuvor hätten sie und ihre sieben Kolleginnen eine medizinische Unterweisung durch eine Ärztin in Anspruch genommen.

Circa 15 Tests hat sie Kunden in der vergangenen Woche aus ihrem Vorrat zur Verfügung gestellt. Sie überwacht allerdings alle Kunden bei der Durchführungen von Tests, auch von mitgebrachten. „Das und die Kontaktdokumentation braucht viel Zeit“, sagt sie.

Kunden bleiben weg

Trotz schnellster Umsetzung der neuen Testpflicht im Salon Oberle blieben auch dort einige Kunden weg – vor allem Kinder und Männer. „Die werden sicher wieder kommen, denn die Menschen müssen das mit der Testpflicht auch erst einmal verstehen – und dass sie voraussichtlich noch länger bleiben wird“, vermutet Nicole Oberle.

Sie bemängelt die Kurzfristigkeit von Corona-Beschlüssen und ihre unmittelbare Gültigkeit, wie bei der Testpflicht. Viel Zeit für Vorbereitungen bleibe da nicht und was nicht schnell umgesetzt werden könne, bedeute weiteren Umsatzeinbruch. Das könne sich in der Branche allerdings niemand mehr leisten, denn auch die Rückzahlung von Überbrückungshilfen müsse erwirtschaftet werden, selbst wenn Kunden wegblieben, erklärte Oberle.

Stichwort

Testpflicht: Überwachte Selbsttests von Kunden

Die sogenannte Bundes-Notbremse zur Corona-Pandemie schreibt vor, dass für die Nutzung der zugelassenen Dienstleister wie Friseure eine Impfdokumentation oder ein tagesaktueller negativer Covid-19-Schnelltest erforderlich ist. Maximal 24 Stunden darf dieser Nachweis also alt sein.

Über Handhabung, Durchführung und Art der Schnelltests gibt es aber unter Friseuren Unsicherheiten. Das Bundesministerium für Gesundheit antwortet auf Nachfrage des Offenburger Tageblatts: „Das Infektionsschutzgesetz verlangt, dass ein negatives Testergebnis vorgelegt wird, dementsprechend muss ein von einem Dritten ausgestellter Nachweis über ein negatives Testergebnis vorgelegt werden können. Dies bedeutet, dass Selbsttests in diesem Zusammenhang nur dann zur Erbringung des erforderlichen Testnachweises geeignet sind, wenn sie unter Aufsicht eines Dritten durchgeführt wurden. Möglich ist aber, dass ein Selbsttest unter Aufsicht des jeweiligen Dienstleisters am Ort der Dienstleistung durchgeführt wird. Die Dienstleistung darf erbracht werden, wenn der Dienstleister das negative Testergebnis zur Kenntnis genommen hat. Ob Dienstleister ihren Kunden Tests anbieten, bleibt ihnen überlassen.“

Neben dem Nachweis einer Coronaimpfung oder eines negativen Schnelltests ist das Tragen einer FFP2-Maske bei einem Fiseurbesuch geboten. Eine einfache medizinische Maske (OP-Maske) reicht nicht aus.

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