Inklusion im Kinzigtal (2)

Willkommen im Kindergarten: »Normales Kind mit Handicap«

Autor: 
Katrin Mosmann
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
05. März 2017

Eine von ihnen: Für die Kinder im St. Josef Kindergarten ist Romy Spielkameradin und Freundin. Und wenn Romy Hilfe braucht sind alle für sie da, spüren instinktiv immer, was Romy braucht und sagen möchte. ©Katrin Mosmann

Wenn jeder Mensch mit und ohne Behinderung überall dabei sein kann, dann nennt man das eine gelungene Inklusion. In einer Serie beleuchten wir die Inklusion im Kinzigtal – wo sie gelingt und wo es noch hapert. Heute: Romy Nock besucht den Kindergarten St. Josef in Oberwolfach. 
 

Jeden Morgen um 8.30 Uhr steigt die fünfjährige Romy Nock in den Kindergartenbus und fährt gemeinsam mit ihren Freunden in den Oberwolfacher Kindergarten St. Josef, wo sie gemeinsam mit ihren Freunden viel Spaß beim Spielen, Lernen und Erforschen hat. Dass Romy mit dem Bus in einen Regelkindergarten fährt, und das schon seit sie drei Jahre alt ist, macht sowohl ihre Eltern als auch die Erzieherinnen im Kindergarten sehr stolz auf das quirlige Mädchen. Denn Romy hat Trisomie 21, das Down Syndrom. 

Von Anfang an hatten Lucia und Markus Nock aus Oberwolfach den Wunsch, dass Romy einmal in einen »normalen« Kindergarten gehen kann. »Auch seitens der Frühförderstelle, die der Carl-Sandhas-Schule angeschlossen ist, hat man uns schnell geraten, dass wir Romy in einen Regelkindergarten bringen sollen«, erinnert sich Lucia Nock. 

Nur ein Telefonat später war klar, dass dieser Wunsch greifbar nahe ist, denn: »Ich habe im Kindergarten St. Josef in Oberwolfach, in den damals auch Romys ein Jahre älterer Bruder Theo ging, angerufen und Maria Künstle hat sofort gesagt, dass Romy kommen kann.« Immer wieder reingeschnuppert haben Romy und Lucia Nock dann, anfangs noch sporadisch und je näher der dritte Geburtstag rückte immer öfter: »Romy hat sich sofort so wohl gefühlt, sie kannte den Kindergarten durch Theo halt auch schon von Anfang an.« Und so war schnell klar: Romy wird in diesen Kindergarten gehen.

»Für uns war es nie eine Frage, dass Romy zu uns kommt«

Gemeinsam mit dem Kindergarten wurde die Pädagogische Hilfe beantragt: »Wir arbeiten sehr eng mit dem Landratsamt zusammen«, sagt Maria Künstle, die Leiterin des Kindergartens St. Josef. »Wir haben im Kindergarten langjährige Erfahrungen mit Kindern, die ein Handicap haben. Ein Kind mit Downsyndrom hatten wir zuvor aber noch nie. Für uns war es nie eine Frage, dass Romy zu uns kommt. Bei uns ist der Umgang mit einer Behinderung für die Erzieher, die Kinder und auch deren Eltern ganz normal und das sollte es in der heutigen Zeit auch sein«, macht Künstle klar. »Es gibt nichts, das dagegen gesprochen hat, denn so stellen wir uns ein Leben mit Behinderung vor.« 

- Anzeige -

Zehn Stunden pro Woche mit Betreuerin

Bei einem runden Tisch mit Eltern, Erziehern und dem Landratsamt wurde dann beraten, in welchem Umfang die Pädagogische Hilfe nötig ist. Zehn Stunden pro Woche kommt seit Anfang an daher die Betreuerin, die sich viel Zeit für Romy,  aber auch für ihre kleinen Freunde nimmt: »Romy konnte sich anfangs sprachlich noch nicht so gut ausdrücken, hat hier viel Unterstützung bekommen«, erinnert sich Künstle. Auch ihre Bezugserzieherin und stellvertretende Kindergartenleiterin Simone Schmider hat da einiges mitgenommen: »Wir haben viel über die gebärdenunterstützende Sprache gelernt, überall spezielle Karten angebracht, damit Romy lernen und sich mitteilen konnte. Mittlerweile können wir alle, auch die Kinder, einfache Gebärden«, ist Schmider stolz. Sie weiß: »Als Erzieherin muss man nur offen dafür sein, mehr ist nicht nötig.« 

Für die anderen Kinder ist der Umgang mit Romy das Normalste der Welt: »Romys Mama hat den Kindern während der Einführung erklärt, dass Romy anders ist, manches nicht kann. Und das war für die anderen Kinder nie ein Problem. Romy ist ein normales Kind, einfach eines mit einer Behinderung.« Die anderen Kinder verstehen Romy, kommen ihr immer gern zur Hilfe: »Sie wissen immer, was Romy meint, sie spüren wenn sie Hilfe braucht, dolmetschen, wenn je   mand nicht versteht, was Romy mitteilen will. Diese Nachhaltigkeit tragen die Kinder auch in ihre Familien«, freut sich Schmieder und Künstle ergänzt: »In Oberwolfach stehen alle hinter der Integration von Behinderten. Der Träger, unser Bürgermeister, die Gemeinderäte und natürlich auch die Eltern.«

»Jeder kennt sie und jeder akzeptiert sie. Sie ist da, sie ist normal«

Diese Erfahrung haben Markus und Lucia Nock von Anfang an gemacht: »Romy ist seit jeher überall dabei, in der Krabbelgruppe, im Mutter- und Kindturnen, in der Volkstanzgruppe, jeder kennt sie und jeder akzeptiert sie. Sie ist da, sie ist normal.« 
So normal, wie es für Romy normal ist, morgens in den Bus zu steigen und in den Kindergarten zu fahren, genau wie ihr Bruder Theo das auch immer gemacht hat, dort mit ihren Freunden Zeit verbringt, eine von ihnen ist. Und, so hoffen Lucia und Markus Nock, das Romy 2018 auch gemeinsam mit ihnen die »normale« Schule in Oberwolfach besuchen darf. 

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeigen
  • 12.06.2019
    Storytelling von Reiff Medien
    Exakt bestimmen, wer meine Werbung sehen will und Produkte mit neuen Erzählformen und einflussreichen Gesichtern bewerben: Online-Marketing ist heute so kraftvoll wie nie – und die Experten von Reiff Medien Digital Natives unterstützen regionale Firmen auf diesem Weg.
  • Die Profis für Werbeanzeigen auf digitalen Plattformen (von links): Sebastian Daniels (Abteilungsleiter Digital Natives), Serkan Nezirov und Andreas Lehmann von Reiff Medien.
    12.06.2019
    Interview mit drei Experten
    Wie können sich Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung ihren Kunden präsentieren? Die neue Abteilung »Reiff Medien Digital Natives« bietet maßgeschneiderte Lösungen an und hievt regionale Firmen auf Plattformen wie Facebook und Instagram.
  • 30.05.2019
    Größtes Volksfest der Ortenau
    Vom 30. Mai bis 2. Juni läuft in Kehl wieder der »Messdi«. Das größte Volksfest der Ortenau mit seinen etwa 160.000 Besuchern wartet in diesem Jahr mit einigen Neuerungen auf.
  • 13.05.2019
    »Schöne Zeit« – der zeitlose Weingenuss
    Fruchtig, farbenfroh und voller Lebensfreude – so zeigt sich der neue »Schöne Zeit«-Weißwein der Durbacher WG. Der Name ist Programm und steht für zeitlosen Genuss für jedes Alter – aus dem Herzen des Durbachtals.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kinzigtal

vor 2 Stunden
Schwarzwald-Krimi
Kommissarin Isabella Bahler ermittelt wieder. Den Start unseres »Schwarzwaldkrimis zum Mitschreiben« ersann der Hausacher Stadtschreiber 2010, Christoph W. Bauer. Die vierte Fortsetzung schrieb ein Leser aus Hausach.
vor 5 Stunden
Wolfach
Der offizielle Start der 23. Schwarzwald Biker-Weekend ist heute. Das Offenburger Tageblatt sprach mit einigen Stammgästen über ihre Lieblingsbeschäftigung. Was zieht sie Jahr für Jahr ins Kinzigtal?
vor 5 Stunden
Waltraud und Josef Carosi hören auf
Das Datum 29. Juni ist schon einigen Wolfachern aufgefallen, denn schon seit mehreren Wochen ist bekannt: Waltraud und Josef Carosi schließen ihren Schreibwarenladen in der Vorstadtstraße und gehen in den Ruhestand. Damit endet eine 165-jährige Ära in der Stadt. 
vor 8 Stunden
Oberwolfach/Bad Rippoldsau-Schapbach
Zwei Minigolfanlagen im Wolftal sind aktuell geschlossen: Während die Gemeinde Bad Rippoldsau-Schapbach nachdrücklich einen Betreiber sucht, werden in Oberwolfach bereits Ideen gesammelt, wie der Platz der Minigolfanlage auch anderweitig genutzt werden könnte.
vor 11 Stunden
Fotograf Christopher Reuter stellt aus
Der international bekannte Street-Fotograf Christopher Reuter wird seine Werke von Juli bis Ende August in Hofstetten ausstellen. Der Kölner und Hofstettens Bürgermeister Martin Aßmuth kennen und schätzen sich seit mehr als 20 Jahren.
vor 14 Stunden
Hofstetten
Über eine sehr gut besuchte Vernissage hat sich Angelika Bühler anlässlich ihrer ersten Ausstellung in der kleinen Kunst-im-Dorf-Galerie in Hofstetten gefreut.   
vor 14 Stunden
Hausach/Schwenningen
Der Mietvertrag ist unterschrieben, Andreas Faths »Haus des Wassers« kommt in den Mostmaierhof (wir berichteten). Aktuell kann man sich die Geräte und Versuche schon mal auf der Südwestmesse in Villingen-Schwenningen ansehen.
vor 17 Stunden
Gutach
Am Donnerstag wird um 11 Uhr das Handballturnier zur 45. Dorfsportwoche des TuS Gutach angepfiffen. Der Gründer dieses Turniers ist Manfred Moser, der auch heute noch, mit 81 Jahren, als Schiedsrichter auf dem Platz steht.
vor 19 Stunden
Neu am Ratstisch
Mehr als 60 neue Gesichter wurden bei den Kommunalwahlen im Mai in die Gemeinderäte des Kinzig-, Wolf- und Gutachtals gewählt. Wir stellen sie in einer täglichen Serie vor. Heute: Davide Tamburello (FW) aus Haslach.
vor 19 Stunden
Schenkenzell
In einer Serie stellen wir die Gemeinderäte vor, die erstmals ins höchste Gremium ihrer Kommune gewählt wurden. In Schenkenzell sind es gleich sechs von insgesamt zehn Mitgliedern. Heute: Felix Hauer (CDU).
vor 19 Stunden
Hofstetten
Die »gute Stube« im Hofstetter Rathaus war am Sonntag Bühne für Hofstettens erfolgreichste Sportler, die sich auf Einladung von Bürgermeister Martin Aßmuth einem breiten Publikum präsentierten. Auch der Präsident des Südbadischen Ringerverbands Martin Knosp war gekommen um den Sportlern seinen Dank...
vor 19 Stunden
Wolfach
Es war am Sonntag das 51. Fußbühlfest in Folge, zu dem die Kameradschaft Langenbach/Übelbach (KLÜ) auf den Fußbauernhof hoch über dem Übelbach eingeladen hatte. Nicht wenige nutzten das Fest zu einer ausgedehnten Wanderung hinauf auf den Fußbühl.