Musikfest

Wundervolle Konzerte im Wolfacher Schlosshof geboten

Autor: 
Andreas Buchta
Lesezeit 4 Minuten
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20. September 2020
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(Bild 1/3) Der Schlosshof in Wolfach mit seiner illuminierten Linde und seiner bemerkenswerten Akustik waren ein ideales Ambiente für das musikalische Ereignis. ©Andreas Buchta

Frederic Belli lud am Wochenende Spitzenmusiker zu einem dreitägigem Musikfest in den Schlosshof ein.  Geboten wurden wundervolle Konzerte in einem wundervollen Ambiente.

Es war schon ein besonderes Erlebnis, das dreitägige Musikfest am Wochenende im Wolfacher Schlosshof. Der Wolfacher Posaunist Frederic Belli hatte zu diesem musikalischen Ereignis seine guten Beziehungen in der Musikwelt spielen lassen und internationale Spitzenmusiker für einen Auftritt in Wolfach gewinnen können. Die Organisation hatte die Stadtkapelle und der Förderverein Alter Bahnhof und Schlosshalle übernommen. 

Der Schlosshof mit seiner illuminierten Linde und seiner bemerkenswerten Akustik bot für diese musikalischen Ereignisse ein geradezu ideales Ambiente. Die etwa 150 Zuhörer an Freitag- und Samstagabend (über das Abschlusskonzert am Sonntag folgt ein gesonderter Bericht) fühlten sich sichtlich wohl in dieser Umgebung; die meisten waren schon lange vor den Auftritten gekommen und ließen sich von den Helfern der Stadtkapelle bewirten.

Belli zurück in der Heimat

Das „Trio Belli-Fischer-Rimmer“ eröffnete am Freitag das Musikfest. Das Trio besteht aus dem Initiator der Konzerte, dem virtuosen und vor Fantasie nur so sprühende Posaunisten Frederic Belli, dem unglaublich vielseitigen Perkussionisten Johannes Fischer, der sich unermüdlich neue Klangwelten erschließt und dem außerordentlich kunstfertigen Pianisten Nicholas Rimmer.

Die drei eröffneten ihr Konzert „Songs without Words – Waits/Weill/Schubert“ mit Tom Waits’ „All the world is green“, mit dem das Trio gleich den ersten, gewaltigen Applaus erntete, gefolgt von einer Ballade, in der sich Elemente aus der Klangwelt Kurt Weills und Tom Waits’ der von Franz Schubert begegneten und mit dem Perkussionisten in Richtung Persiflage gerückt wurde.

„Ich freue mich riesig, in meiner Heimat zu spielen“, verriet Frederic Belli. Seit 2007 spiele er mit diesem Trio; das Programm des Abends hätten sie 2015 für den „Heidelberger Frühling“ erarbeitet. „Ein Programm über die Liebe und die Abgründe des Lebens“ erklärte er, das sich mit Liedern und Melodien von Kurt Weill und Tom Waits beschäftige und selbst den „Klassiker“ Franz Schubert einbeziehe.

Überwältigender Schlussapplaus

Dann spielten die drei Tom Waits bis ins Mark berührende Abschiedsballade „Jockey full of Bourbon“ mit klangvoll-elegischer Posaune und tiefgründigem Klavier, bei welcher der Perkussionist in fliegendem Wechsel so ziemlich alle nur denkbaren Klangkörper zum Einsatz brachte – in Perfektion und rhythmischer Virtuosität.

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Auch in die schiere Romantik, aber durchsetzt mit chaotisch anmutenden Sequenzen, „verirrte“ sich das Trio, als sie Elemente der Moderne (Weill, Waits) mit denen der Klassik (Schubert) kombinierten. Ein Tango von Waits changierte abenteuerlich zwischen schmachtender Erotik und stringentem Tangorhythmus.

Es wurde ein langer Abend mit außergewöhnlichen Stücken und bemerkenswert unbekümmertem Umgang mit Musik und einem überwältigenden Schlussapplaus. Natürlich gab’s noch eine improvisierte Zugabe um Stings „Moon over Bourbon Street“ und, als das begeisterte Publikum immer noch keine Ruhe gab, wiederholte das Trio das erste Stück des Abends, 

Welt umarmender Weltklasse-Trompeter

Der Samstagabend gehörte dem Karlsruher Weltklasse-Trompeter Reinhold Friedrich, der erst am Abend zuvor beim „Lucerne-Festival“ aufgetreten war und über den Frederic Belli sagte, er habe bei ihm stets das Gefühl, er wolle die ganze Welt umarmen. Er wurde am Flügel begleitet von der großartigen Jhih-Ting Wong aus Taiwan, die mit kunstfertigen Klavier-Soli beeindruckte.

Die beiden eröffneten mit einer in ihrer Klangfülle und -reinheit überwältigenden Intrada von Arthur Honegger: Solche Trompeten- und Klavierklänge hat der Schlosshof wohl noch nie gehört. Wie diese beiden Musiker mit jedem ihrer Töne harmonierten, ist unvergleichlich. Mit elegischen Trompetenklängen, die in detailreichen Verzierungen Hoffnung durchschimmern ließen und unterlegt von hinreißend samtigem Klavierspiel kam George Enescus „Chante“ daher. Mit

„Jetzt sind Sie mich für einen Moment los“ kündigte Friedrich eine Sonate von Richard Strauss als glanzvolles Klaviersolo an. Mit der Rezitation von Hermann Hesses Gedicht „Im Nebel“ eröffnete der Trompeter Toshio Hosokawas gleichnamige Komposition, eine „schöne Musik, die auch mal zur Sache kommt“: Wie die beiden Musiker das komplexe Stück modulierten und unkonventionell ausschmückten, war schon eine Klasse für sich.

„Guten Abend, gut Nacht“ zum Abschluss

Es folgte eine bemerkenswert interpretierte Liebesballade von Robert Schumann, zu der sich die Posaune von Frederic Belli hinzugesellte und Sergej Prokofjews „Romeo und Julia“: Ein kleines Bravourstück in der Kunst des perfekten Zusammenspiels.

Das Konzert ging mit „Behüt’ dich Gott, es wär zu schön gewesen“ von Victor Nessler unter großem Beifall zu Ende. Gleich zwei Zugaben forderte und bekam das begeisterte Publikum: Es wurde mit einem Lied vom Sandmann und dem Wiegenlied „Guten Abend, gut Nacht“ in den lauen Sommerabend entlassen. 

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