Hausach

»Zukunftswerkstatt« angehender Mediziner zu Gast im Kinzigtal

Autor: 
Claudia Ramsteiner
Lesezeit 3 Minuten
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19. März 2018

Intensiv diskutieren angehende Mediziner der Bundesvertretung der Medizinstudierenden ihre Zukunft und damit auch die Zukunft der Medizinischen Versorgung. ©Claudia Ramsteiner

Acht Medizinstudierende und ein Pharmaziestudent trafen sich im »Gesunden Kinzigtal« zu einer Zukunftswerkstatt. Dabei lernten sie bei Hospitationen auch die Arbeit von Landärzten kennen und diskutierten über die Zukunft ihres Berufs.

»Soll ich mich niederlassen oder das Niederlassen lieber lassen?«, das war eine von vielen Fragen, mit denen sich neun junge Frauen und Männer der Bundesvertretung der Medizinstudierenden am vergangenen Wochenende in der »Gesundheitswelt« intensiv beschäftigten. Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer der Gesundes Kinzigtal GmbH, hatte sie eingeladen, ihre »Zukunftswerkstatt« hier im Kinzigtal zu veranstalten. 

Hintergedanke war dabei durchaus auch, dass die angehenden Mediziner die Region und das Leben von Landärzten kennenlernen. So kam die Hospitation am Freitagmorgen bei Ärzten der Region besonders gut an. Vanessa Ruan aus Aachen hat den Steinacher Arzt Thomas Deschler begleitet. Sie fand es »wahnsinnig bereichernd«, die integrative Versorgung im »Gesunden Kinzigtal« kennenzulernen , aber auch die kritische Sicht auf einen Landarzt zu sehen.

Vergütungssystem in der Kritik

Auch Juliane Springer aus Mainz nahm »sehr schöne Einblicke in die ländliche Allgemeinmedizin« mit und stellte fest, das »viele Dinge, mit denen ich mich außerhalb meines Berufsalltags beschäftige – wie etwa Prävention – ins Berufsleben integriert werden können«.

Am Samstag wurden verschiedene Themen etwa zur Niederlassung oder zur »Medizin 4.0« intensiv diskutiert. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte sahen in den Vergütungssystemen für die ambulante Medizin keinen wirklichen Anreiz, sich niederzulassen, um dem »klinischen ökonomischen Zwang« zu entkommen. »Das, was wir machen wollen, ist im aktuellen Vergütungssystem gar nicht vorgesehen«, sagte einer der Studenten. 

Bild der Zukunft

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Eine wichtige Frage war auch, wann man auf die Selbstverwaltung und das Unternehmertum, die eine eigene Praxis mit sich bringt, vorbereitet werden soll. Im Medizinstudium, in dem es viele gar nicht betrifft? Zwischen dem Ende des Studiums mit 25 und dem Durchschnittsalter der Niederlassung von 42 Jahren brauche man »sinnvolle Strukturen, die dieses Lernen dann ermöglichen, wenn man’s baucht«.

Am Tisch »Medizin 4.0« malten die Studenten ein Bild der Zukunft, in dem die Sammlung von Daten (inklusive Datenschutz und Datensicherheit)  eine große Rolle spielt, und in dem beispielsweise ausgebildete Gesundheitscoaches mit dem Patienten erörtern, wofür er welchen Fachmann braucht. 

»Ich nehme von diesem Treffen die Zuversicht mit, dass es Möglichkeiten gibt, Konflikte im Gesundheitswesen anzugehen«, sagte Pharmaziestudent Constantin Hauser aus Heidelberg am Samstagnachmittag, und auch der künftige Arzt Daniel Pichler aus München hat die Erkenntnis gewonnen, »dass man etwas verändern kann, wenn man will«. 

»Auffrischung im Kopf«

Diese »Zukunftswerkstatt« angehender Mediziner hat aber auch durchaus hier ihre Spuren hinterlassen. »Die junge Generation denkt viel weiter als das, was mir von denen entgegenkommt, die schon in den Praxen sind«, freute sich Helmut Hildebrandt darüber, dass sich bei den jungen Leuten »Medizin, Pflege, Pharmazie und Physiotherapie auf Augenhöhe begegnen – zum Vorteil des Patienten«. 

»Dies jährlich  zu wiederholen, wäre für beide Seiten wertvoll«, fand der Steinacher Arzt Thomas Deschler. Auch für ihn habe die Begegnung mit den Studierenden eine »Auffrischung im Kopf« gebracht.

Hintergrund

Landarzt?

Was müsste eine Region bieten, damit Sie sich dort niederlassen würden?
Juliane Springer aus Mainz: »Sozialstruktur wäre wichtig. Dass ich meine Lebensplanung mit dem Ort, in dem ich lebe, verbinden kann und die Möglichkeit habe, meine Projekte zu realisieren.« 
Constantin Hauser aus Heidelberg: »Da müsste eine Menge geschehen. Die Natur hat zwar einen hohen Freizeitwert, aber Ich habe den Eindruck, hier verliert man viel Lebenszeit im Auto!«
Daniel Pichler aus München: »Die Infrastruktur ist wichtig wie Internet, Nahverkehr, kulturelle Angebote!«
 

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