Amtsgericht Lahr

62-Jähriger zeigt Polizist Stinkefinger und wird verurteilt

Autor: 
Patrick Schmieder
Lesezeit 3 Minuten
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19. Oktober 2018

©Bert Flint/shutterstock.com

Eine teure Geste leistete sich ein 62-jähriger Mann aus einer Breisgau-Gemeinde. Die Folge: Er landete vor Gericht. Am Mittwoch war die Verhandlung in Lahr. Der mehrfach Vorbestrafte habe seit Jahren kein gutes Verhältnis zur Polizei und wurde nach einem Vorfall wegen Beleidigung angeklagt.

Am 14. März diesen Jahres fuhr der Mann mit seinem Fiat in der Nähe der Lahrer Polizeischule vorbei an einer Gruppe Polizeischüler, die auf dem Gehweg neben der Straße joggten. Als er sich unmittelbar hinter einer Kurve neben den Auszubildenden befand, soll er langsamer gefahren sein und mehrfach den Mittelfinger erhoben haben. Aufgrund der T-Shirts mit der Aufschrift »Polizei« habe er die Gruppe als Polizisten identifizieren können. »Ich habe die Gruppe nicht als Polizisten wahrgenommen. Auch den Mittelfinger habe ich nicht gezeigt. Vielleicht habe ich eine Geste in Richtung meines Sohnes gemacht, die missverstanden wurde«, meinte der Angeklagte zum Sachverhalt.

Extra abgebremst

Zusammen mit seinem Sohn als Beifahrer suchte der angehende Rentner einen Freund und dessen Roller. Dabei wurde laut seinen Angaben lebhaft im Auto diskutiert. »Ich bin ein Mann der Tat, habe Polizisten schon verbal und körperlich angegriffen. Aber den Mittelfinger zeigen ist mit Sicherheit nicht meine Art.«

Allerdings hatten die fünf Zeugen und gleichzeitig Betroffenen den Vorgang anders wahrgenommen. »Wir hatten am Vormittag Sportunterricht und sind wieder zum Gelände zurückgelaufen. Der blaue Pkw kam schnell um die Ecke und hat dann verlangsamt. Er hat offensichtlich mehrfach den Mittelfinger gezeigt und uns in die Augen geschaut«, sagte einer der Betroffenen zum Vorfall. Seine vier Kollegen schilderten den Ablauf auch in Details ähnlich.

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Somit ergab sich für den Richter – unter Berücksichtigung der Vorstrafen des Angeklagten – ein eindeutiges Bild. Dem Beschuldigten wurde empfohlen, Einschränkungen vorzunehmen und auf die Zeugenaussage seines Sohnes zu verzichten, da dieser im Falle einer Verurteilung der Falschaussage bezichtigt werden würde. »Das hier ist Kindergarten. Die Cops lügen nur«, meinte der Angeklagte, der über die komplette Verhandlung die Tat nicht gestand. Auf Anraten seines Verteidigers entschied er dennoch, die Einschränkungen vorzunehmen – die Beweisaufnahme war damit geschlossen.

Schuld erwiesen

»Aufgrund des Verzichts ihrer Zeugen können wir die Schuld als erwiesen ansehen. Der Angeklagte ist vielfach vorbestraft und seine Abneigung gegenüber der Polizei ist bekannt. Die angesetzte Höhe ist unter Beachtung seiner finanziellen Umstände aber viel zu hoch. Ich beantrage 70 Tagessätze á acht Euro«, so das Plädoyer des Staatsanwaltes.

Der Versuch des Verteidigers, in seiner Schlussrede die Tagessatzanzahl zu verringern da die Tat nicht abschließend bewiesen wurde, schlug fehl. Der Richter folgte in seinem Urteil dem Antrag des Staatswalts aus mehreren Gründen: »Ich habe keine Zweifel an der Tat. Das Abbremsen ist eindeutig, der Blickkontakt ist eindeutig, das mehrmalige Zeigen auch. Dass Sie entsprechende Beschränkungen vorgenommen haben, ist als Geständnis zu werten.«

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