Darsteller gleichzeitig Requisiteure

75 Minuten Spitalmahl-Theater in Lahr

Autor: 
Christine Breuer
Lesezeit 3 Minuten
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14. November 2017

(Bild 1/2) Bei der Kostümprobe des Theaterstücks, das am Donnerstagabend beim Spitalmahl in der Sulzberghalle aufgeführt wird (von links): Heike Wieseke, Michael Krupinski, Regisseur Walter Caroli, Hannelore Caroli und Guido Schöneboom. ©Christine Breuer

Spital Vital, der Freundeskreis des Alten- und Pflegeheims Spital, lädt für Donnerstag, 19 Uhr, zum 10. Spitalmahl in die Sulzberghalle ein. Walter Caroli hat wieder ein Theaterstück mit historischem Bezug zum Spital geschrieben. Der Lahrer Anzeiger hat sich mit ihm unterhalten.

Er ist nicht nur Vorsitzender des Freundeskreises Spital Vital, sondern auch einer der aktivsten Mitglieder. Und er ist der Vater des Theaters beim Spitalmahl: Walter Caroli. Was vor zehn Jahren mit einem einzelnen Auftritt von Bernd Klug als Pfarrer Christian Jamm und im Folgejahr mit Gabriele Bohnert als Heilika von Finstingen begann, hat sich im Lauf der Jahre von szenischen Spielen zu einem richtigen Theaterstück gemausert. In diesem Jahr wird es erstmals 75 Minuten dauern. 

Autor der Stücke ist immer Walter Caroli, der mit seinem hintergründigen Humor historische Fakten mit aktuellen Themen verknüpft und Botschaften vermittelt. »Nach dem Spitalmahl ist vor dem Spitalmahl« lautet für ihn die Devise. Denn schon kurz nach der Veranstaltung fängt er gleich wieder an, Ideen für das Theaterstück im nächsten Jahr zu entwickeln. 

»Ich nehme immer eine historische Begebenheit, die im Spital stattgefunden hat, oder eine Person, die dort gelebt beziehungsweise gearbeitet hat, als Grundlage und bette diese in eine erfundene Geschichte ein«, erklärt der Theaterschreiber seine Arbeitsweise. Sprich: Er verknüpft Tatsachen mit Fiktion, gibt eine gehörige Prise Humor dazu und kreiert auf diese Weise eine vergnügliche Geschichte, die sich immer um die Hauptrolle dreht und auf die sich die Besucher des Spitalmahls immer wieder freuen. 

Stabiler Spielerstamm

»Erst bilde ich ein grobes Netz aus der Grundidee, das dann immer feiner gesponnen wird«, sagt Caroli. »Und meine Frau Hannelore liefert mir immer wertvolle Gedanken dazu.« Sie sei für ihn eine wichtige Stütze, die die Texte gegenlese und weitere Hinweise gebe, die er dann entsprechend anpasse. 

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»Die Rollen werden aber nicht auf bestimmte Darsteller zugeschnitten«, sagt der Regisseur, der in wenigen Tagen seinen 75. Geburtstag feiert. Er suche die Mimen aus, wenn das Stück zum Einstudieren anstehe. Der Spielerstamm ist dabei recht stabil und wächst stetig. Rund 20 Leute sind beteiligt. Ganz wichtig sei auch die Licht- und Tontechnik, betont Caroli. »Jens Burkhard, der Hausmeister der Halle, ist uns immer eine große Hilfe beim Auf- und Abbau und bei der Technik.«

An seine eigene Rolle, die des Autors, kam Caroli mehr oder weniger durch Zufall. Als Verfasser historischer Bücher sei ihm das Amt bei der ersten Idee zum Spitalmahl zugefallen. »Der erste Versuch hat gleich geklappt«, sagt er. Das sei Ansporn gewesen, damit weiterzumachen. Mit Erfolg, wie die Stammgäste des Spitalmahls wissen. In diesem Jahr ist er erstmals nicht nur Autor und Regisseur, sondern auch Choreograf. Denn in diesem Jahr wird auf der Bühne auch getanzt.

Kostüme aus Staufen

Die Kostüme bekommt die Truppe aus dem »Funduz« in Staufen. Eine Woche vor der Aufführung fährt Caroli zusammen mit Diana Dold dort hin, um die Kleidungsstücke abzuholen. Damit diese auch passen, werden die Darsteller vorher genauestens ausgemessen. Acht bis zehn Proben, die jeweils gut drei Stunden dauern, werden vor jeder Aufführung angesetzt. Dabei werden immer wieder Änderungen, die aus den Reihen der Schauspieler kommen, eingebaut. 

Davon abgesehen, dass das Stück in diesem Jahr erstmals länger als eine Stunde dauert, gibt es eine weitere Neuerung. Das Bühnenbild ändert sich nur minimal. Umbauphasen wird es nicht geben. Der Umbau ist ins Stück integriert, die Darsteller sind gleichzeitig Requisiteure.

Stichwort

Die Handlung

Das Bühnenstück des Spitalmahls spielt zur Zeit der Französischen Revolution. Die Spital-Bewohner wollen feiern, fröhlich sein und lachen, was strengstens verboten ist und vor allem dem evangelischen Pfarrer (Tilman Petters) nicht gefällt. Auch die französische Revolutionsarmee kommt in dem Stück vor, die 1796 tatsächlich in Lahr war. Und es geht um die Frau des Bürgermeisters, die auf großem Fuß lebt und deren Gedanken sich nur um neue Kleider und Luxus drehen. Neue Gesichter auf der Bühne sind unter anderem Bürgermeister Guido Schöneboom, der den Lahrer Bürgermeister mimt sowie Spital-Leiter Michael Krupinski und dessen Frau.

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