Meißenheim

Als der Apfelwein ein edles Getränk war

Autor: 
Hans Spengler
Lesezeit 4 Minuten
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10. Oktober 2019

Georg Kleis (99) erinnert sich noch gut an das Mosten der Äpfel und Birnen, wie es früher war. ©Hans Spengler

Auch das Mosten von Äpfel und Birnen hat seine Geschichte, vieles hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Daran erinnert sich noch lebhaft Obstbaumwart Georg Kleis (99).

In diesen Frühherbsttagen werden im Ried wieder überall Äpfel und Birnen geerntet. Mancher Apfelwein soll früher besser gewesen sein als der in der Vorgebirgszone hergestellte Rebwein. Etliche Bürger hatten hier ein besonderes Geschick, den Apfelwein zu veredeln, wie der 99-jährige Obstbaumwart Georg Kleis noch weiß. 

Edler Stoff

Die Bauerfamilien nahmen dann diesen Apfelwein mit zur Feldarbeit und die Arbeiter nahmen dieses damals edle Getränk mit in die Fabrik oder in die Werkstätten. Auch daran erinnert sich Georg Kleis, dessen Vater und Großvater (beide hießen Jakob Kleis) wie er schon Baumwarte waren. Georg Kleis hat im ganzen Ried Tausende von Apfel- und Birnenbäume veredelt und es kamen immer wieder tolle Ergebnisse mit immer neuen Sorten zum Vorschein. 

Selbst aus dem Schuttertal kamen Bürger zu ihm, um die Kunst er Obstbaumveredlung zu lernen und von ihm Veredlungsreisig mitzunehmen und in ihren Bereichen Bäume mit besonderen Sorten zu veredeln. Um neue  Bäumchen zu bekommen, lagerte man die ausgepressten Treber an den Rändern von Grundstücken mit Hecken und dann konnte man kleinere Pflänzchen im Frühjahr aus dem Treber Haufen gewinnen und wieder anpflanzen. 

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Georg Kleis war auch viele Jahre Vorsitzender des OGV Meißenheim und übergab diesen Posten dann an Adolf Klotz, der heute neben ihm noch Ehrenvorsitzender dieses Vereines ist. 
Aber Georg Kleis hatte auch größere Grundstücke mit Obstbäumen bepflanzt und auf dem Lahrer Wochenmarkt war er als praktisch erster Bio-Obstbauer bekannt und beliebt und hatte dort guten Absatz. Seine Apfel- und Birnensorten waren immer etwas Besonderes. Spaßhaft nannte man Georg Kleis den „Apfelkönig aus dem Ried“ und er hatte viele Stammkunden, die bei ihm Äpfel und Birnen kauften. Als Fuhrwerk hatte er einen Einachsschlepper. Aber Georg Kleis war auch elf Jahre im Lahrer Stadtpark beschäftigt und veredelte dort viele Ziersträucher und Bäume. 

Danach arbeitete er noch sieben Jahre bei der Gemeinde Meißenheim und die Spuren, die er zusammen mit dem Bauhofleiter und Förster Helmut Klotz in den Anlagen in Meißenheim und rund um Meißenheim und Kürzell gelegt hat, sind bis heute zu sehen. Er legte in dieser Zeit auch eine kleine Baumschule mit allerlei Pflanzen und Bäumchen an und dies war auch finanziell für die Gemeinde ein großer Gewinn, denn man  hatte zum Verschönern der Dörfer immer etwas Blühendes zum Anpflanzen. Sehr stark beteiligt war er bei der Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“ und Meißenheim machte hier auf Landesebene den ersten Platz und bekam eine Goldmedaille und nahm beim Bundeswettbewerb auf der Grünen Woche in Berlin eine Silbermedaille in Empfang. Dies war im Jahre 1979. 

Heute lebt Kleis zufrieden im Feierabendhaus in Nonnenweier. Georg Kleis ist trotz seines hohen Alters, noch sehr klar im Kopf und in seinen Aussagen. Beim Besuch gab der Verfasser von mehreren Mundartbüchern und einer CD folgendes von sich: „Bisch zfriede im Läwe, dann bisch glücklich, bisch du bescheide dann bisch rich“.

Hintergrund: Wenn derzeit Äpfel und Birnen geerntet werden, wird dieses Obst teilweise zum Verbrauch in den Häusern gelagert. Aber ein großer Teil des Obstes wird bei der Süßmosterei abgeliefert und dafür werden dann  das ganze Jahr über dort gegen einen kleinen Aufpreis Säfte eingetauscht. Jedoch gibt es auch heute noch Bürger, die in einer Mosterei die Säfte der Äpfel und Birnen auspressen lassen und der Süßmost wird dann zur Gärung in Fässern in den teilweise naturbelassenen Kellern gelagert und es gibt tollen Apfelwein. Früher gab es natürlich noch viel mehr Obstbäume, denn auf jedem kleinen Grundstück stand mindestens ein Baum und es wurden auch große Mengen an Apfelwein eingelagert. Das war der Haustrunk des kleinen Mannes. 

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