Lahr

Auch in Lahr droht ein Ärztemangel

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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05. September 2019
Wie kann der Ärztemangel verhindert werden? Darum ging es bei einer Diskussion in der Stadtmühle.

Wie kann der Ärztemangel verhindert werden? Darum ging es bei einer Diskussion in der Stadtmühle. ©Endrik Baublies

Wie sieht die Zukunft der Kliniken des Kreises und der Ärzte aus? Der SPD-Landtagsabgeordnete Johannes Fechner hatte zu dem Thema in die Stadtmühle geladen. Der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes, der Mediziner Johannes Fechner, stellte dazu Zahlen vor.

Die Namensgleichheit der Referenten bei Vortrag und Diskussion mit etwa 30 Gästen war kein Zufall. Der Arzt ist der Vater des Abgeordneten. Fechner Senior stellte anhand einer Präsentation Zahlen vor, wie es um die medizinische Versorgung im Landkreis im Allgemeinen und besonders im Raum Lahr bestellt ist. In der Raumschaft Lahr leben knapp 119 000 Menschen. Statistisch gibt es dazu 73,5 Hausarztstellen. Das entspreche einem Versorgungsgrad von 108,5 Prozent. Noch besser sieht es derzeit im Norden der Ortenau aus. In und um Achern beträgt der Versorgungsgrad mit Hausärzten 110,8 Prozent. Einzig Kehl und Umgebung fallen mit 90,6 Prozent unter die statistische Maximalversorgung.

Auswanderung in Sicht

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Es gab aber auch andere Zahlen, welche die derzeitige Situation und vor allem die Zukunft anders darstellen: In Lahr und Region sind 30 Hausärzte älter als 60 Jahre. Das sind knapp 40 Prozent. Im Kreis sind Hausärzte derzeit im Schnitt 56,5 Jahre, bei Fachärzten beträgt der Altersdurchschnitt 53,6 Jahre. Diese Zahlen seien alarmierend, da es an Ärzten mangelt und keine Abhilfe in Sicht ist – Stichworte: sehr hoher Numerus Clausus und lange Regelstudienzeiten. Es werde einen akuten Ärztemangel also in absehbarer Zeit geben – in Lahr und im Land.

Fechner stellt vor, wie Kassenärztliche Vereinigung (KV) gegensteuern will. Dazu gehören Werbung für den Beruf des Landarztes oder bessere Strukturen als Anreize zu schaffen. Eine Idee, die Fechner junior ins Spiel brachte, wurde am Ende einer sehr sachlichen und aussagekräftigen Diskussion verworfen. Der Bundestagsabgeordnete stellte die Frage, wie es wäre, wenn man junge Mediziner zu einigen Jahren Landarztpraxis verpflichten würde. Einer der sechs anwesenden Ärzte befürchtete, dass man damit »junge Ärzte garantiert zur Migration motiviert«. Zudem stehe das im Gegensatz zur Freiheit der Berufswahl. Die Ideen der KV, eine Art Ferndiagnose mittels der neuen Medien zu etablieren, um jeden – eventuell unnötigen – Gang zum Arzt zu sparen, stieß bei den Medizinern auf Ablehnung. 

In der Diskussion gab es aber auch Stimmen, dass man derzeit auf einem hohen Niveau jammere – »noch auf einem hohen Niveau«. Einig waren sich alle, dass es im Gesundheitssystem Probleme gebe. Und dass sich Mängel in der Zukunft mit weniger Ärzten steigern würden. Eine Krankenschwester, 40 Jahre im Dienst, beklagte den Umgang der Patienten mit den medizinischen Fachkräften. Warum würden Menschen, die Hilfe suchen und vielleicht auch wirklich brauchen, gleichzeitig den Anspruch stellen, wie in einem Fünf-Sterne-Hotel behandelt zu werden?! Der Arzt Fechner gab dazu an, dass an einem Montagmorgen bundesweit laut einer Zählung etwa acht Millionen Menschen einen Arzt aufsuchen würden.

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