Lahr

Auf den Spuren jüdischen Lebens in Lahr

Autor: 
Endrik Baublies
Lesezeit 3 Minuten
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03. September 2019
Interessiert verfolgten die Teilnehmer die Ausführungen von Juliana Bauer.

Interessiert verfolgten die Teilnehmer die Ausführungen von Juliana Bauer. ©Endrik Baublies

Die Geschichte der jüdischen Kultur in Lahr beginnt im Spätmittelalter. Am Sonntag erzählte die Historikerin Juliana Bauer zum Gedenktag der jüdischen Kultur etwas über die 60 Stolpersteine in der Innenstadt, über eine Judengasse, einen Judenbrunnen und die Zusammenhänge mit der Pest und dem Lahrer Bürgerbuch

Sicher ist, vor dem systematischen Pogrom Mitte des 14. Jahrhunderts an Juden, hat es eine – wohl nur kleine – jüdische Gemeinde in Lahr gegeben. Am Ende der Führung stellte Bauer vor, was man darüber heute weiß. Am Westende des Marktplatzes, zwischen Lammstraße und Metzgerstraße, war bis 1876 eine Judengasse bekannt. Über diese Gemeinde nach der Gründung der Stadt bis zum Pogrom weiß man aber kaum etwas.

Amtmann Stein, der erste Lahrer Chronist, berichtet von der Judengasse Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein recht genauer Plan der Stadt von 1791 zeigt ebenfalls die Judengasse und einen Judenbrunnen. Bauer ergänzte, dass es eine Sy­nagoge im 13. Jahrhundert sicher nicht gegeben habe. Dazu sei die Gemeinde zu klein gewesen. Da eine Gasse und der Brunnen so benannt wurden, bedeute, dass es aber mehrere jüdische Familien gegeben haben muss.

Pestwelle

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Einen – allerdings nur noch indirekten – Hinweis auf Juden in Lahr liefert das Bürgerbuch aus dem Jahr 1356. Ein »Michel, der Jude« wird mehrfach aufgeführt. Das sei aber im Rückblick geschehen. Juden konnten kein Bürgerrecht erwerben. Der genannte Michel, Einwohner mosaischen Glaubens, wird aber, das taucht in der Quelle mehrfach auf, ein Haus und Stallungen in der Judengasse gehabt haben. Er muss also zumindest recht vermögend gewesen sein.

Der Pogrom 1349 am gesamten Oberrhein bedeutete sicher auch das Ende der Juden in Lahr. Darüber berichtet das Bürgerbuch allerdings nichts. Bauer verwendet eine zweite Quelle, die berichtet, dass alle Lahrer Juden das Pogrom nicht überlebt hatten. Das »Nürnberger Memorbuch« zählt alle jüdischen Märtyrer vom Ende des elften bis zum Ende des 14. Jahrhunderts auf. Die Lahrer Juden sollen der Quelle zufolge alle Opfer gewesen sein. Namen oder Details sind hier nicht aufgeführt.

Warum aber wurden die Juden damals verfolgt? Ein – vorgeblicher – Grund war die Pestwelle Mitte des 13. Jahrhunderts, die über Marseille eingeschleppt wurde. Die Begründung, die Juden hätten Brunnen vergiftet, daher der Ausbruch der Pest, ist für ein Pogrom in Lahr oder in Baden aber mehr als fraglich. Die Pogrome in Basel, Freiburg oder Straßburg fanden vor dem Ausbruch der Pest statt. Also kann Lahr da auch nicht betroffen gewesen sein. Eine andere Erklärung für die Verfolgung präsentierte Bauer mit einem dokumentierten Treffen in Benfeld (Elsass). Darunter Walter III. »von Geroltzecke und Tubinga« sowie andere christliche, adelige Gläubiger. Amtmann Stein als Quelle zählt die Geroldsecker zu den Teilnehmern des Landtags, in dem das Pogrom beschlossen wurde. Da bleiben nur Schulden als Motiv übrig, die Christen zu den Verfolgungen bewegt hatten.

Info

Stolpersteine

Nach dem Pogrom im 13. Jahrhunderts ist über Juden in Lahr in den folgenden Jahrhunderten nichts mehr bekannt. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstand wieder eine kleine jüdische Gemeinde in Lahr. Um 1900 waren etwa 140 Juden in Lahr. Die Zahl sank rapide nach dem 30. Januar 1933. Am 20. Oktober 1940 wurden die letzten 21 Juden, die in Lahr geblieben waren, zuerst nach Gurs in den Pyrenäen gebracht. Wer da nicht irgendwie entkam, wurde nach der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 nach Auschwitz deportiert. Die 60 Stolpersteine bezeichnen die Stellen, an denen Juden in der Stadt Lahr lebten und starben.

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