Lahr/Schwarzwald

Auflösung der Zentralapotheke am Lahrer Klinikum droht

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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20. Juni 2017

Die Mitarbeiter der Klinik-Apotheke des Ortenau-Klinikums Lahr leisten wichtige Arbeit. Eine Zusammenlegung mit der Klinik-Apotheke Offenburg würde die Versorgung der Patienten in Lahr verschlechtern, so die Befürchtung. ©Christine Breuer

In Lahr regt sich Widerstand gegen die geplante Zusammenlegung der Klinik-Apotheken Offenburg und Lahr. Dies würde Einnahmeverluste bedeuten und die Versorgung der Patienten schwächen, heißt es.

Wie kann man die Kosten innerhalb des Ortenauer Klinik-Verbundes senken? Diese Frage beschäftigt seit Wochen die Gemüter auch der politisch Verantwortlichen in den Standortkommunen und im Landratsamt. Ein Vorschlag lautet, die Klinik-Apotheken von Offenburg und Lahr zusammenzulegen. Doch dagegen regt sich Widerstand.

Dienstleister für das gesamte Lahrer Klinikum

Die Zentralapotheke ist Dienstleister für das gesamte Lahrer Klinikum, erläutert leitende Apothekerin Elisabeth Kempf. Ihre Aufgabe besteht primär in der Arzneimittelversorgung der stationären Krankenhauspatienten und der Beratung aller Mitarbeiter der therapeutischen Teams und der Patienten; zudem dürfen auch Ambulanzen im Klinikum vorsorgt, sowie Arzneimittel an Mitarbeiter verkauft werden. Seit 2013 ist ein hochmodernes Sterillabor zur Herstellung von Zyto­statika in Betrieb. Zytostatika hemmen das Zellwachstum und werden vor allem bei der Krebstherapie und bei der Behandlung von Autoimmun-Erkrankungen eingesetzt. 

Medikamente müssen individuell dosiert werden

Diese müssen jedoch vom Arzt sehr individuell dosiert werden, und die Dosierung könne entsprechend den aktuellen Blutwerten des Patienten oft erst kurzfristig festgelegt werden. Die kurzen Wege am Lahrer Klinikum sind nach Ansicht von Kempf daher ein großer Vorteil, weil Infusionen zeitnah hergestellt werden können, was den Patienten, die durch die schwere Krankheit schon genug belastet sind, unnötige Wartezeit erspart. 

Krebspatienten droht schlechtere Versorgung

Die geplante Zusammenlegung mit Offenburg würde eine Schließung der Lahrer Klinik­apotheke bedeuten, da der Versorgungsauftrag Offenburgs wesentlich größer ist, erläutert Kempf. Gegen diesen Vorschlag spreche nicht nur die schlechtere medizinische Versorgung vor allem von Krebspatienten. Auch sei die Offenburger Apotheke zu klein, um das komplette Versorgungspaket der Lahrer Apotheke mit zu übernehmen. Es wären in Offenburg Erweiterungen und Neuanschaffungen nötig, deren Kosten noch nicht feststehen und die nicht gegengerechnet seien. 

Zusatzgewinne würden wegbrechen

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Durch die Versorgung ambulanter Patienten der Onkologie erzeuge die Zentralapotheke Lahr einen Zusatzgewinn von rund 1,5 Millionen Euro im Jahr, so Kempf weiter. Diese Einnahmequelle würde für Lahr wegbrechen.

Stabile Arzneimittelkosten durch Einkaufsverbund 

Die Zentralapotheke Lahr ist ebenso wie die Offenburg Mitglied in einem großen Einkaufsverbund, dem rund 60 Klinik-Apotheken in ganz Deutschland angehören. Nicht zuletzt auch dadurch habe man den Anteil der Arzneimittelkosten ziemlich stabil halten können. Weitere Einspareffekte durch Konzentration von Apotheken seien nicht zu erwarten, so Kempf – im Gegenteil.

Investitionen wären in den Sand gesetzt

Und schließlich sei in die Lahrer Apotheke in den letzten Jahren ein hohe sechsstellige Summe investiert worden – unter anderem in die Nachrüstung des sterilen Zytostatika-Labors nach den aktuellen gesetzlichen Vorschriften. »Kann man es sich leisten, diese hohe Summe in den Sand zu setzen?« fragt Kempf.

»Gewachsene Strukturen« werden zerstört

Rückendeckung erhält Kempf jetzt von den Grünen, vor allem aus dem Lahrer Ortsvorstand und dem Gemeinderat, die sich kürzlich vor Ort über die Arbeit und die Abläufe der Einrichtung informierten. Sie befürchten vor allem, dass trotz denkbarer Kompensationsmaßnahmen wie etwa teuren Shuttle-Diensten zwischen Offenburg und Lahr die Qualität der Patientenversorgung in Lahr deutlich sinken würde. »Da wird mit der Schere durch gewachsene Strukturen gegangen«, meinte Grünen-Stadtrat Sven Täubert.

Die Lahrer Grünen erwarten daher, dass diese Punkte in der weiteren Diskussion nicht zu kurz kommen und die Lahrer Klinikapotheke im Ergebnis erhalten werden kann.

Stichwort

Klinik-Apotheke Lahr in Zahlen

Die Zentralapotheke am Ortenau-Klinikum Lahr wurde 1971 eingerichtet und 1988 erheblich erweitert. Die Gesamtfläche liegt heute bei rund 650 Quadratmetern. 
Außer den Klinik-Standorten Lahr, Ettenheim und Wolfach versorgt sie auch das Herzzentrum Lahr und das Reha-Zentrum Gernsbach mit. 4250 Einzelaufträge von Stationen werden pro Woche in Lahr abgewickelt. Jahresumsatz laut Kempf: rund 10 Millionen Euro.

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