Lahr/Schwarzwald

Aufnahmestopp bei der Lahrer Tafel

Autor: 
Mark Alexander
Lesezeit 3 Minuten
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02. Dezember 2015
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(Bild 1/2) Lilia Berns (links) und Betina Lüke bereiten Lebensmittel für den Verkauf vor. Insgesamt wird die Lahrer Tafel von rund 130 Ehrenamtlichen unterstützt, am Dienstag waren 30 im Einsatz. Pro Tag kommen derzeit etwa 140 Kunden. ©Mark Alexander

Die Lahrer Tafel wird bis Ende Januar keine neuen Kundenkarten mehr ausgeben. Allein im November sind 120 hinzugekommen, insgesamt sind es nun 720 – so viele wie nie. »Mehr schaffen wir im Moment nicht«, sagt Leiterin Ingrid Schatz.

Vor der Tür des Geschäfts in der Schwarzwaldstraße hat sich am Dienstagmittag eine Schlange gebildet. Johannes Barth spricht mit den Menschen, koordiniert den Ablauf. Drinnen huschen Helfer eilig durch die Gänge. Bei der Lahrer Tafel herrscht Hochbetrieb.

»Wir können im Dezember und Januar leider keine neuen Kundenkarten mehr ausstellen«, sagt Leiterin Ingrid Schatz. Es ist der erste Aufnahmestopp seit 2008, damals noch in der Friedrichstraße. Noch vor einem Monat hätte sie damit nicht gerechnet. Mittlerweile sind weitere Flüchtlinge in Lahr einquartiert worden – der Bedarf steigt rasant: »Wir haben allein im November 120 neue Berechtigungskarten ausgegeben.« Insgesamt sind es rund 720 Karten, hinter denen noch deutlich mehr Bedürftige stehen – so viele wie nie. 34 Prozent der Kunden beziehen Asylleistungen. »Ein Stopp kann nur das letzte Mittel sein«, sagt Schatz. Nun bleibe aber keine andere Wahl mehr.

»Wir müssen auch an die Ehrenamtlichen denken«, sagt die Leiterin. Etwa 130 sind es insgesamt. Allein am Dienstag waren 30 Helfer im Einsatz. Mit einem zusätzlichen Öffnungstag am Montag hatte die Tafel vor einigen Wochen auf den Ansturm reagiert. »Wir dachten, an diesem Tag wäre es dann etwas ruhiger. Aber gestern war fast genauso viel los.«

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Für die Ehrenamtlichen ist es eine Herausforderung. Da sind die Sprachbarrieren, da sind aber auch kulturelle Unterschiede, gerade bei neuen Kunden. »Zu vermitteln ist oftmals nicht einfach.« Ganz abgesehen davon, dass auch nicht immer alle gewünschten Waren zur Verfügung stehen.

Immerhin: Im November hat die Einrichtung mehr Spenden erhalten als im Monat zuvor. »Mit Obst und Gemüse sind wir recht gut versorgt. Es mangelt eher an Kühlwaren. Das sind aber auch immer nur Momentaufnahmen«, so Schatz. Bei der Tafel gebe es ein Rotationsprinzip, damit die Waren gerecht an die Bedürftigen verteilt werden können.

»Im Moment kann niemand genau sagen, wie sich die Situation entwickeln wird«, blickt Schatz in die Zukunft. Sie übt sich dennoch in Optimismus: »Wir hoffen, dass sich das einpendeln wird.« Vielleicht gebe es mehr Luft für die Helfer, wenn die Flüchtlinge im geplanten Containerdorf auf dem Flugplatz Catering erhalten. Unverändert wichtig sei jedenfalls, dass genügend Spenden eingehen. Sie appelliert: »Wer gute Lebensmittel übrig hat, sollte sie auf keinen Fall wegschmeißen – sondern sie einfach vorbeibringen.«

Hintergrund

Lebensmittel für Bedürftige

Die Lahrer Tafel in der Schwarzwaldstraße 6 ist eine Einrichtung des Diakonischen Werks, die Waren für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises an Menschen in schwierigen finanziellen Situationen weitergibt. Voraussetzung für den Einkauf ist der Besitz einer Kundenkarte. Die Tafel öffnet an vier Tagen pro Woche. Die Einrichtung  ist auf Geld- und Lebensmittelspenden angewiesen. Erreichbar ist sie unter • 0 78 21/92 10 55 oder 01 76/23 88 10 65 sowie per E-Mail an tafel.lahr@diakonie-ortenau.de. Infos gibt es unter www.diakonie-ortenau.de

Hintergrund

Hilfe vom Bund gefordert

Die Tafeln haben alle Hände voll zu tun – auch durch den Flüchtlingszustrom. Auch in Achern hat es einen Aufnahmestopp gegeben. Der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsche Tafel, Jochen Brühl, hatte die Bundesregierung schon im November um Hilfen gebeten: »Wir fordern die Bundesregierung auf, den Tafeln projektbezogen Finanzierungshilfe zu gewährleisten, um Dolmetscher, Flüchtlingsbetreuer, Koordinatoren zur lokalen Vernetzung mit den Kommunen oder Integrationshelfer beschäftigten zu können.«

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