Meißenheim

Ausstellung "Schau mich an" über Flüchtlinge in Meißenheim

Wolfgang Schätzle
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19. September 2017
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Auf großes Interesse stieß die Eröffnung der Fotoausstellung »Schau mich an« in Meißenheim.

Auf großes Interesse stieß die Eröffnung der Fotoausstellung »Schau mich an« in Meißenheim. ©Wolfgang Schätzle

Es ist eine beeindruckende Ausstellung im alten Meißenheimer Rathaussaal. Mit ihren Fotos gibt Ingrid Vielsack den Flüchtlingen nicht nur ein Gesicht. Sie erzählt auch deren Geschichten.

Die Ausstellung »Schau mich an« gibt die Gelegenheit, Flüchtlinge aus der Anonymität herauszuholen und ihnen im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesicht zu geben. So beschreibt die Fotografin Ingrid Vielsack ihre Beweggründe. Vielsack, eine gebürtige Ulmerin, die von 1990 bis 2012 ein Fotostudio in Kehl führte und seit 2013 als freie Fotografin arbeitet, ist seit zwei Jahren im Lenkungskreis Kehl-Marlen tätig und hat zugleich eine Partnerschaft für eine syrische Flüchtlingsfamilie übernommen. Im Rahmen dieser ehrenamtlichen Tätigkeiten reifte der Gedanke zu einer Fotoausstellung, die unter anderem schon zweimal im Europarat in Straßburg, im Freilichtmuseum Vogstbauenhof in Gutach sowie zuletzt in der »Coffee Factory« in Freiburg gezeigt wurde. Seit Sonntag ist die Ausstellung nun auch in Meißenheim im alten Rathaus zu sehen. 

»Als Fotografin habe ich die Fähigkeit, in möglichst kurzer Zeit eine Seelenverbindung zu der fotografierenden Person aufzunehmen. Ich setze diese fotografisch um und nehme dann wieder Abstand. Das ist der normale Weg. Jedoch bei den geflüchteten Menschen war ich auf einmal durch ihre Geschichten mitten drin. Ich konnte nicht einfach weggehen und vergessen«, beschreibt Vielsack ihre Intention zu der Ausstellung, die am Sonntag zahlreiche Bürger aus Meißenheim und Kürzell, aber auch dem Umland zur Eröffnung in den alten Rathaussaal lockte.

Es sei wichtig auf den Fremden zuzugehen und das Eis zu brechen, damit die Fremdheit und das Nicht-Vertraut-Sein verschwindet, so Bürgermeister Alexander Schröder, der noch einmal an die anfängliche Skepsis bei einigen Bürgern im Ort erinnerte. »Es war aber toll zu sehen, dass viele in unserer Gemeinde einen Wandel vollzogen haben und auf den oder die Fremden zugegangen sind beziehungsweise auch umgekehrt.«

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»Fremdlinge seit ihr!«

Die Erfahrung des Fremdseins stand bereits vor der Eröffnung beim Gottesdienst in Meißenheims barocker Kirche im Blickpunkt. Obwohl es sich eigentlich nicht übersehen lässt, sei das Thema in der Bibel, das alle Menschen angeht, sträflich vernachlässigt worden. Auf den Punkt gebracht heißt dieses Thema: »Fremdlinge seid ihr!« Die Erfahrung des Fremdseins ziehe sich wie ein roter Faden durch die Bibel, so Pfarrer Heinz Adler. Zum Fremdsein kommen aber auch die Geschichten, die hinter den Menschen stehen. 

Und die können grausam sein, wie Vielsack eindrucksvoll mit ihrer Ausstellung aufzeigt. Nahezu unfassbar, welches Leid die 21-jährige Daia aus dem Irak erfahren musste. Zunächst an einen IS-Kämpfer verkauft, danach an einen Mann aus Usbekistan, vergewaltigt und verprügelt. Erneut verkauft an einen Bosnier. Sie war für dessen Familie Dienerin und Sexsklavin. Ein Mann aus dem Nordirak verhalf ihr schließlich zur Flucht. Heute lebt sie an einem geheimen Ort. Sie denkt oft an Selbstmord. Den Namen »Daia« hat sie sich selbst gegeben. Er bedeutet »die Verlorene«. Aber nicht nur aktuellen Flüchtlingen gibt Vielsack ein Gesicht. Gezeigt wird unter anderem auch die 88-jährige Hildegard aus Schlesien, die 1945 mit gerade einmal 17 Jahren flüchten musste, die in Seelbach eine neue Heimat gefunden hat.
◼ Die Ausstellung »Schau mich an« ist noch bis zum Sonntag, 1. Oktober, im alten Rathaus Meißenheim zu sehen.

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